Anders bauen: Klimaschutz beginnt im Kleinen – Heimat auch

Es gehört zum Selbstverständnis bestimmter politischer Richtungen, die Lösung nie im eigenen Vorbild zu suchen und zu finden, sondern immer die gleichen politischen Floskeln von der angeblichen Weltverbesserung zu spielen, die den immensen Vorteil haben, dass keine persönliche Verantwortung beansprucht werden muss.

Auf diese Floskeln hängen sich dann auch noch diejenigen auf, die eigentlich nur eine Mode als Rechtfertigung für das eigele Tun suchen.

Alle reden von Klimaschutz. Tun will keiner etwas.

Bäume, die Schatten spenden und den Wasserhaushalt sichern, fristen in unserer Plastik-Welt ein Randdasein, wenn überhaupt.

Architektonisch träumen alle von der Mittelmeer-Villa im International Style mit Glasfront und möglichst viel Ausblick – mit dem Preis, dass diese Ergüsse nur mit Unmengen an Stahl, Stahlbeton, Beton, Glas, künstlichen Abdichtungen zu erkaufen sind und noch viel mehr Heiz-, Kühl- und Energiebedarf.

Der Hausbaum muss weg, alles Leben muss aus diesen sterilen Palästen wegrationalisiert werden. Erinnerungen müssen weg, nichts darf altern, Spuren hinterlassen, historisch sein. Nach 30 Jahren weicht der Altbau dem Neubau, alles beginnt von vorne, nichts wird besser.

Bleiben darf allerhöchstens ein sündteurer Olivenbaum in Südsee-Manier, so, wie die „Schöner wohnen“ – Zeitschriften es uns eintrichtern. Nur: Mit einer Eingliederung in Land und Territorium hat das relativ wenig zu tun, selbst wenn alles von „bio“ spricht. Das wäre dann auf den Wein übertragen so, als würden wir einen Barolo aus Rheinhessen trinken wollen. Aber gut, Geschmäcker gibt es viele. Und so steht die Mittelmeervilla eben in der Bergidylle. Alles ist austauschbar, nichts ist echt.

Und dann schaut man sich die Wohngegenden und unsere Städte und Gemeinden an und sie alle gleichen den gleichen Wüsten aus Asphalt und Beton mit brennend heißen Oberflächen, versiegelt gegen alles Leben, nur auf Funktionalität und kurzsichtiger Sparsamkeit kleinbürgerlicher Manier getrimmt, niemand wagt etwas Eigenes, alle wollen kleinbürgerlich gefallen.

Und dann, in unseren tiefsten Träumen, gibt es Wohngegenden, die mit der natürlichen Umfebung eins werden, die von allerhöchster Baukultur zeugen, sich in unsere vielfältige Kultur und in unsere Geschichte eingliedern, von gutem Klima, ansprechender Ästhetik und lebenswerten Atmosphäre zeugen und das glatte Gegenteil dessen sind, was als „modern“ deklariert wird. Vieles davon, was angeblich „modern“ ist, ist effektiv nicht modern, sondern beziehungslos, geschichtslos und ortlos. Halbwertszeit: 20 bis 30 Jahre, maximal.

Wer Klimaschutz im Großen beansprucht, wer Natürlichkeit nicht nur als reinste Floskel versteht, wer effektiv „anders“ und individuell sein will, soll sich zuallererst im Kleinen beweisen. Im eigenen Dorf, in der umliegenden Natur, in der Wohnsiedlung gibt, bei Entscheidungen im Infrastrukturbereich, im eigenen Garten oder beim Bau oder Umbau des Wohnhauses gibt es mehr als genug zu tun – in Twitter und sozialen Medien hat noch keiner die Welt verbessert. In Hochglanzbroschüren noch viel weniger.

Wer etwas erreichen will, muss riskieren, auszuscheren.

Dass heute alle von „grüner“ Technologie sprechen, ist einzig und allein darauf zurück zu führen, dass wir – trotz besseren Wissens – unsere Umgebungen massiv verschandelt haben und die Umkehr bis dato eine reine Floskel bleibt. Abseits medienwirksamer Inszenierungen, die kein Medium kritisch hinterfragt, werden unsere gebauten Umgebungen immer weniger natürlich.

Baulich gibt es heute nichts Revolutionäreres, als echte Einfachheit, lokale Materialität, konstruktives Verständnis, baukulturelle Einordnung und „cooles“ Klima durch Natur.

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