Wenngleich die politische Linke – und inzwischen auch so genannte „Patrioten“ – die Falschmeldung verbreiten, das Bekenntnis zur Nation habe Tirol „zerstört“, verhält es sich genau andersherum: Tirol wurde nicht durch das Bekenntnis zu einer Nation zerstört. Es waren im Gegenteil gerade nationale Bekenntnisse von deutscher Seite, die den Ernst der Lage erkannt hatten, dabei sowohl autonomen Bestrebungen von Welschtiroler Seite offen waren als auch imperialistischen Zielsetzungen von italienischer Seite entschieden entgegen traten.
Zerstört wurde Tirol faktisch nicht durch nationales Denken, sondern durch die groben politischen Versäumnisse des Vielvölkerstaates Österreich.
Tiroler Persönlichkeiten, die national-freiheitlich gesinnt waren, waren die Träger der Freiheit und des Fortschritts in Tirol.
Das kommt nicht von ungefähr: Die Klerikalen hatten ihr Schicksal bedingungslos in die Hände von Thron und Altar gelegt – und wurden sprichwörtlich aufs Kreuz genommen. Die Freiheitlichen lebten das Prinzip des freien Einzelnen, der sein Schicksal selbst in die Hand nimmt, dabei zur Verantwortung für das kollektive Ganze erzogen wird.
Freiheit gliedert sich prinzipiell in eine äußere und in eine innere Freiheit. Der Freiheit ist nur dann Genüge getan, wenn beide erfüllt sind. Genauso gliedert sich die Ehre in eine innere und in eine äußere Ehre. Nur das Vaterland ist ein einziges und bestenfalls ein einiges.
Zu den Tirolern, nationalfreiheitlicher Gesinnung, die Träger der Freiheit, der Deutschtiroler Identität und des Fortschritts waren, gehören:
- Vordenker des Tiroler Freiheitskampfes von 1809 wie Joseph von Hormayr
- Der Enkel des Sandwirts, Andreas von Hofer
- Frühe Kämpfer für die literarische, künstlerische, politische und geistige Freiheit wie Joseph Streiter
- Pioniere des Fremdenverkehrs und des Kurwesens in Südtirol wie Theodor Christomannos
- Pioniere der Turnvereine wie Hugo von Goldegg und Edmund von Zallinger und des Fahrradwesens
- Pioniere des Feuerwehrwesens
- Mitstreiter Andreas Hofers, denen es um die innere und äußere Freiheit des ganzen deutschen Vaterlandes ging, wie Joseph Ennemoser, und Anton von Gasteiger
- Pioniere der wehrhaften Landesverteidigung, die als Pflicht des Einzelnen verstanden wurde, wie im Tiroler Grenzkrieg 1848, im Tiroler Grenzkrieg 1859 und im Tiroler Grenzkrieg 1866
- Pioniere der Technik und des Ingenieurwesens wie Josef Riehl, die im Straßenbau, im Eisenbahnbau sowie im Bereich der Wasserkraft und Energie Weichen für den Fortschritt gestellt haben
- Pioniere der Industrie wie Anton Kink, der Pionier der Zementindustrie war
- Pioniere des Hotelbaus, der Villenarchitektur und des Städtebaus wie Musch&Lun oder Otto Schmid
- Pioniere der Malerei wie Franz von Defregger
- Pioniere der Rechts und der Vergesetzlichung Tiroler Rechtsprizipien wie Karl von Grabmayr
- Pioniere der deutschen Einigung wie Franz von Unterrichter
- Pioniere des Gesundheitswesens wie Franz Tappeiner
- Helden der Verteidigung Tirols und der Literatur Tirols wie Adolf Pichler
- Jung-Tiroler Schrifsteller wie Heinrich von Schullern
- Pioniere der Mundartdichtung wie Otto Rudl
- Helden der Freiheit, für die der griechische Heldenepos und Schiller auch die Deutschtiroler Wesensart begründeten, wie Tobias Wildauer
- Herausragende Bürgermeister wie Julius Perathoner, Roman Weinberger und Wilhelm Greil sowie dessen Stellvertreter Eduard Erler, die Träger des Fortschritts waren
- Militärische Entscheidungsträger wie Oswald Eccher
- Pioniere des Bankenwesens wie Georg von Eyrl und Karl von Grabmayr
- Pioniere der Studentenverbindungen
- Pioniere der Männergesangsvereine
- Pioniere des Alpenvereins wie Hugo von Enzenberg oder Josef Daimer
- Pioniere des Schulvereins-Gedankens
- Pioniere der akademischen Fachvereine wie der Akademische Historikerklub in Innsbruck
- Pioniere des Eisenbahnwesens wie Johann Putzer von Reibegg
- Pioniere der Philosophie wie Alois Riehl
- Pioniere des Obstbaus wie Karl von Grabmayr
- Pioniere des Kurwesens in Meran sowie der touristischen Erschließung Tirols, darunter Theodor Christomannos, Vordenker und Finanzier zahlreicher Berghotels
- Pioniere der Tyrol-Werbung, heute würde man „Marketing“ sagen, wie Tony Grubhofer
- Pioniere des Weinbaus wie Ludwig Barth zu Barthenau, Graf Melchiori und Anton von Longo
- Kämpfer für das deutsche Unterland wie Heinrich von Mörl
- Kämpfer für ein freies Südtirol wie Karl von Grabmayr als Rechtsgelehrter und Publizist oder Heinrich von Schullern als Begründes des Andreas-Hofer-Bundes
Wo ist die Freiheit geblieben?

Deutschfreiheitliches Gedankengut wurde in Tirol im 19. Jahrhundert durch eine klerikal-konservative Hegemonie bekämpft. Trotzdem konnten in zahlreichen Bereichen Höchstleistungen erzielt werden.
1919 wurden im „liberalen“ Nachkriegsitalien vordergründig die deutschnationalen Köpfe bekämpft – Tolomei hatte in Paris die Grundlagen geschaffen -, während klerikal-konservative Tendenzen weitgehend toleriert wurden. Selbst im italienischen Faschismus sicherten sich die Klerikalen Vorrechte.
Die einen waren 1945 belastet und stigmatisiert, die anderen nutzten die „Gunst“ der Stunde und praktizierten ein opportunistisches: Nie-deutsch-gewesen-Sein. Viktoria Stadlmayer merkte an, dass jene Eliten, die verfügbar waren, nach 1945 versagt hatten.
Ab 1968 war die Hegemonie eine linke: Wer „arriviert“ war, war fortan linksliberal. Und wer sich „Patriot“ nannte, meinte damit eine Verkürzung: Die Tiroler – angeblich – waren „immer schon“ streng katholisch, habsburgtreu und nicht-national. Mitnichten.
Wo ist die Freiheit heute geblieben? Sie kommt wieder, keine Frage.



Hinterlasse einen Kommentar