Baukultur

Baukultur

Denkmalgeschützte Bausubstanz wird vielfach eher als „Problem“ anstatt als Chance betrachtet. Außerhalb des Denkmalschutzes hat historische Bausubstanz einen schweren Stand und muss bei der ersten Gelegenheit dem „modischen“ Neubau weichen, der nur eine geringe Halbwertszeit hat. Verloren gehen damit historische Bautechniken, natürliche Baumaterialien sowie eine bodenständige Ästhetik.

Baukultur betrifft bei Weitem nicht nur das Bestehende, sondern – auch und vor allem – das neue Bauen. Indem Baumaterialien, Bauweisen und Funktionalitäten aufeinander abgestimmt werden und ein ganzheitlicher Entwurf entsteht, der alle Erfordernisse über einen möglichst langen Zeitraum hinweg erfüllt, entsteht die bauliche Qualität des Neuen. Baukultur kommt von Planungskultur.

Gefragt sind neben Bauherren, Bauunternehmen und Architekten vor allem auch Ingenieure, die durch technisches Fachwissen dazu beitragen, dass Baukultur mehr Lust als Last ist und uns das fertige Bauwerk intellektuell fordert. Dazu ist eine partnerschaftliche Planung erforderlich, die von der Überzeugung getragen wird, dass Baukultur unser Leben spürbar verbessert.

Ingenieure müssen wieder lernen, die ihnen gebotene Chance zu nutzen und über ihr Wissen und Können hinaus ihre Fantasie einzusetzen, um so zu entwerfen und zu gestalten, dass sie der Natur, die sie verbauen (müssen), mit der einzig adäquaten Entschädigung begegnen: mit Baukultur.

Jörg Schlaich

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