Joseph Freiherr von Hormayr (zu Hortenburg) wurde am 20. Jänner 1781 in Innsbruck geboren, entstammte einem Tiroler Adel, der die josephinischen Reformen zur Modernisierung Österreichs mittrug.
Der Josephinismus, also die Reform und Modernisierung des österreichischen Staatswesens war der eigentliche Angriffspunkt der radikalen Klerikalen in Tirol. Die spätere bayrische Herrschaft in Tirol, die im Wesentlichen ähnliche Reformen verfolgte, wie der Josephinismus, allerdings als politische Fremdherrschaft daherkam, war die Gelegenheit für die Klerikalen, Reformen und Fremdherrschaft abzuschütteln und ab 1815 ein autoritär-absolutistisches Staatswesen umzusetzen.
Mitunter ein Grund, weshalb Hormayr im historischen Bewusstsein Tirols weitgehend ausgelöscht ist. Der zweite Grund, dass Hormayr vergessend gemacht wurde, hat mit Habsburg zu tun.
Hormayr kann gewissermaßen als verfrühter Freiheitlicher Tirols aufgefasst werden.
Seln Großvater, Josef von Hormayr (zu Hortenburg), war Jurist, setzte sich als solcher in Regensburg gegen Folter, Hexenglauben und Güterkonfiskation ein, war später österreichischer Regierungsrat und Tiroler Kanzler. Die Güterkonfiskation beim Hexenwahn bezeichnet den Vorgang, dass bei einer wegen „Hexerei“ verurteilten Person deren gesamter Besitz, also Haus, Hof, Land, Vieh, bewegliches Vermögen, vom Staat, der Kirche oder der jeweiligen Obrigkeit eingezogen wurde. Es liegt auf der Hand, dass Habgier und Streben nach Macht die Triebfeder der Hexenverfolgung waren. Die Theologie war ein Vorwand.
Ab 1801 war der junge Joseph Hormayr auf Anraten des Historikers Johannes von Müller in Wien im Außenministerium tätig, war Mitglied literarischer und philosophischer Salons. 1807 gab Hormayr den „Österreichischen Plutarch“ heraus, in dem in rund 20 Bänden das Leben der österreichischen Regenten herausgearbeitet war. Faktisch trug Hormayr damit zum Patriotismus bei, beeinflusste die deutsche Nationalliterarur.
Während der napoleonischen Kriege engagierte sich Hormayr mit Erzherzog Johann im Alpenbund für die österreichische Sache und wurde zum Vordenker der Tiroler Freiheitsbewegung rund um Andreas Hofer. Hormayr studierte den Spanischen Freiheitskampf, den Ernst Moritz Arndt rezipierte, und verfasste Flugblätter. Andreas Hofer wurde Anfang 1809 in Wien durch Erzherzog Johann in die Pläne Hormayrs für einen Volksaufstand eingeweiht. Die Idee des Freiheitskampfes wurde durch Hormayr geschmiedet.
Hormayr ist neben Hofer die wichtigste Gestalt im Tiroler Freiheitskampf.
In Tirol wurde Hormayr im Freiheitskampf die zivile Verwaltung Tirols und Andreas Hofer der militärische Oberbefehl übertragen.
Kaiser Franz verdächtigte Erzherzog Johann, einen souveränen Alpenstaat gründen zu wollen. Zudem plante der Alpenbund nach 1810 weitere Tiroler Aufstände.
Der Alpenbund war eine Tiroler Widerstandsbewegung im Sechsten Koalitionskrieg (1812/13). Unter der Leitung von Joseph von Hormayr und auf Anregung von Erzherzog Johann sollte ein Aufstand gegen Napoleon organisiert werden. Die Pläne wurden an Außenminister Metternich verraten. Daraufhin wurden Hormayr und sein Mitstreiter Anton Schneider 1813 verhaftet, Erzherzog Johann durfte Tirol nicht mehr betreten.
45 Tiroler Emigranten wurden ausgewiesen, während Bayern 40 Mitverschwörer im Land, darunter Rupert Wintersteller, festnahm und zu teils langen Festungsstrafen verurteilte.
Hormayr stand erst 1816 wieder im Staatsdienst, wurde aber polizeilich überwacht, bespitzelt und zensiert, entwickelte sich zu einem heftigen Gegner des autoritären Staatsapparat Metternichs. Burschenschaftliche Besegungen wurden verfolgt, ausgehoben, deren führende Köpfe verhaftet.
Bayern wurde 1806 durch Napoleon zum Königreich, war vorher ein Kurfürstentum. Die darauffolgenden Gebietsansprüche Bayerns sind in der Tiroler Geschichte bestens bekannt. Kurfürst Maximilian Joseph IV. wurde durch Napoleons Gnaden zum bairischen König Maximilian Joseph I. Von Oktober 1825 bis zur Revolution 1848 regierte König Ludwig I. im Königreich Bayern. Das Oktoberfest geht auf seine Hochzeit 1810 zurück.
Bayern wurde eigentlich mit „i“ als „Baiern“ geschrieben. Dass sich das Y durchsetzte, geht auf eine Anordnung König Ludwigs I. von 1825 zurück, in welcher dieser sich für das griechische Ypsilon entschied.
Ludwig war dem Klassizismus verpflichtet, orientierte sich nach dem antiken Griechenland. Sein Philhellenismus zeichnete sich besonders in den Bauwerken ab, in den Künsten, aber auch politisch, indem er den griechischen Freiheitskampf von 1821 und 1829 tatkräftig unterstützte. Die Griechen kämpften gegen die Osmanen für eine unabhängige griechische Republik. Anders als Russland oder England hatte Bayern keinerlei Interessen im östlichen Mittelmeer, die bayrische Intervention waren reinster Idealismus und Romantik.
Russland besiegte das Osmanische Reich, 1830 wurde im Londoner Protokoll beschlossen, dass ein europäischer Herrscher in Griechenland einzusetzen sei. Es war nämlich aus Sicht der Europäer kein Grieche für das Amt geeignet und Frankreich, Russland und Großbritannien wollten eine freie Republik verhindern, die im Vormärz das freiheitliche Gedankengut im eigenen Land entfacht hätte.
Ludwigs minderjähriger Sohn Otto wurde 1832 zum König von Griechenland bestimmt. Erst 1862 wurden das Königtum und Ottos Herrschaft durch einen unblutigen Aufstand beendet.
Wesentlich mit dem Philhellenismus hängt Jakob Philipp Fallmerayer zusammen, der aus Brixen stammte, in Salzburg studierte, sich 1813 der bayrischen Armee anschloss, fortan in Bayern lebte. Fallmerayer war ein führender Freiheitlicher, stand mit Joseph Streiter im Austausch, wurde 1848 in Bayern in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt.
Bayern und Hormayr sollten eins werden. Kronprinz Ludwig und Hornayr hatten sich über Johannes von Müller 1807 in Wien kennengelernt und tauschten sich anlässlich eines Treffens 1817 intensiv weltanschaulich aus.
1817 schrieb Hormayr schwärmerisch an Ludwig: „Der Augenblick Ihrer Thronbesteigung wird einst vom Eisack bis zur Belt, wo deutsche Zunge tönt, als eine heilige Feier in die Herzen dringen.“

Hormayr hatte ganz sicher Ernst Moritz Arndts „Was ist des Deutschen Vaterland“ zum literarischen Vorbild genommen. Die Kronbesteigung folgte 1825.
Hormayr übersiedelte 1828 von Wien nach München. Für Ludwig I. stellte der Diplomat und Historiker Hormayr eine herausragende Persönlichkeit im Rahmen des geistigen und politischen Anspruchs Baierns dar. Bayern wollte eine geistige Speerspitze innerhalb der deutschen Nationswerdung sein.
Vorerst wurde Hormayr als Berater für das Denkmalsprojekt Walhalla beauftragt, darüber hinaus sollte Hormayr die Vision vom liberalen und patriotischen Kulturkönigtum Bayern konzipieren, eine Einheit von König und Volk vorbereiten. Der geistige Nationalismus, den Bayern kultivierte, war etwas gänzlich anderes als das überkommene Habsburg.

Ziel der Walhalla bei Donaustauf war laut Joseph von Hormayr eine national „deutsche“ Weihestätte als Bindemittel zwischen Dynastie und Volk. „Deutsch“, das waren in diesem Kontext, gemäß dem Historiker Johannes von Müller, Menschen „deutscher Zunge“.
Die beiden Tiroler, Hormayr und Fallmerayer, waren zur gleichen Zeit in Bayern, prägten das deutsche Bewusstsein Bayerns als beabsichtigte deutsche Avantgarde.
Zuletzt unterstützte Hormayr auch noch – sehr zum Missfallen der Habsburger, die ihren Vielvölkerstaat mehr schlecht als recht verwalteten – die ungarische und tschechische Nationalbewegung, ehe er 1848, im Jahr der Revolution, in München verstarb.
Joseph Hormayr ist neben Andreas Hofer die wichtigste Gestalt im Tiroler Freiheitskampf. Weil Hornayr nach 1810 weiter für Tirols Freiheit kämpfen wollte, wurde er von Metternich verfolgt und verhaftet. Hormayr war einer der geistigen Vordenker der deutschen Nation bayrischer Art. Habsburg hatte genug Gründe, Hormayr im historischen Gedächtnis Tirols auszulöschen.
In Wien-Hernals und in Innsbruck-Wilten gibt es Hormayrgassen.
Müsste Hormayrs Gedächtnis nicht präsenter sein, insofern man sich bewusst wird, welche zentrale Rolle Hormayr im Tiroler Freiheitskampf spielte? Fakt ist: Wer nicht klerikal oder habsburgisch war, wurde ausgelöscht. Die Geschichte wurde ideologisch halbiert, um ihr deutsches Bewusstsein betrogen. Hormayr war einer der ersten, die dieser „Cancel culture“ zum Opfer fielen, im 19. Jahrhundert sollten viele weitere folgen.
Literatur:
[1] Walter Landi in: Marco Bellabarba, Ellinor Forster, Hans Heiss, Andrea Leonardi und Brigitte Mazohl: „Eliten in Tirol zwischen Ancien Régime und Vormärz“, Studienverlag, Bozen / Innsbruck 2010
[2] Heinz Erich Klier: „Der Alpenbund“, Dissertation, Universität Innsbruck 1950


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