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Wer war Tony Grubhofer?

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Keine freiheitliche Publikation ohne Tony Grubhofers Illustration. Tony Grubhofer beeinflusste die visuelle Identität Tirols wesentlich, war Bildbotschafter des Alpentourismus, Freskenmaler, Hotelunternehmer und Schuldirektor.

Tony Grubhofer (oder Anton Grubhofer, auch Toni Grubhofer) wurde 1854 in Innsbruck geboren und starb dort 1935. Er war Maler, Grafiker und Illustrator, der zunächst in München an der Kunstgewerbeschule und später in Wien an der Akademie der bildenden Künste studierte.

Seine künstlerische Laufbahn führte ihn auf zahlreiche Reisen durch Europa, wo er Stadtansichten, Landschaften und Illustrationen anfertigte.

Für die Londoner Kunstzeitschrift „The Studio“ dokumentierte er um 1900 die Weltausstellung in Paris und das urbane Leben der britischen Hauptstadt. In dieser Zeit entstanden bemerkenswerte Darstellungen von Stadtansichten und der Dächerlandschaft Londons.

Der „Tyroler Ansitz“, den der Architekt Johann Wunibald Deininger entwarf und den Grubhofer zur Bildmarke machte, war dem „Überetscher Stil“ entlehnt und sollte der weiten Welt anlässlich der Weltausstellung 1900 in Paris die Tiroler Baukultur vermitteln, freilich nicht ohne werbetechnischen Hintergrund.

Das Tyrolerhaus anlässlich der Weltausstellung in Paris

Einen bleibenden Eindruck hinterließ er mit seiner Arbeit für den alpinen Tourismus: Grubhofer entwarf Prospekte, Plakate, Postkarten, Bildmarken und Werbegrafiken, die Tirol international als Reiseziel bekannt machten. Mit Blick auf den Namen Tirol griff er auf das Y zurück, um mit TYROL eine Wortmarke zu schaffen. Im Bereich des Alpentourismus stand Grubofer in enger Verbindung zu Theodor Christomannos, der als Vordenker des modernen Dolomitentourismus gilt.

Tony Grubhofer heiratete Sophie Baronin Voelkl, die in Triest als Tochter des Handelsmannes Georg Voelkl und der Sophie Emma de Margarith zur Welt kam, die enge Verwandte des Hauses Albrizzi war, sodass Grubhofer zu einem beachtlichen Vermögen kam und mit seiner Ehefrau Miteigentümer mehrerer Hotels und Mitglied im „Verein für Alpenhotels in Tirol“ wurde. Dazu trug freilich auch bei, dass Sophie Voelkl mit Theodor Christomannos verwandt war.

Elsa Zenobio-Albrizzi, die aus Wien stammte und in Venedig wohnte, war die Tante von Sophie Voelkl, Inhaberin von Schloss Enn und des Elsenhofs in Montan, den Sophie und Tony Grubhofer bewohnten. Die Lebensgeschichte Tony Grubhofers hängt folglich eng mit Schloss Enn zusammen.

Durch die Heirat trat Tony Grubhofer finanziell in jene Schicht ein, die es sich leisten konnte, Alpenhotels zu besitzen und mitzubesitzen.

Schloss Enn bei Montan

Tony Grubhofer formte das visuelle Bild Tirols, in dem Kunst, Architektur und Landschaft zu einer neuen Identität verband. Seine Entwürfe für Hotels wie das Karerseehaus oder das Trafoier Haus verbanden Bauwerke im Sinne des Heimatstils mit der baulichen Tradition. Architektonisch arbeitete Tony Grubhofer eng mit dem Architekten Otto Schmid und dem Büro Musch & Lun zusammen.

Im Jahr 1906 wurde Tony Grubhofer Direktor des Stadtmuseums Bozen, entwarf die Ausstattung und die Ausstellungsräume des Haues, bekleidete dieses Amt bis 1913. An der Kaiserin-Elisabeth-Schule leitete er die Fachschule für Kunsthandwerk in Bozen. 1913 wurde er Direktor der Staatsgewerbeschule in Innsbruck. Zudem leitete er die Zeichenkurse an der Universität Innsbruck.

Neben Aquarellen und Tempera-Gemälden entstanden zahlreiche Buchillustrationen und dekorative Druckgrafiken, von denen viele heute in Museen in Bozen, Meran und Innsbruck erhalten sind. Zudem illustrierte er Bücher und Karten des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins.

Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Band 21, 1890

Tony Grubhofer trat aber auch als Freskenmaler in Erscheinung, etwa anlässlich des Baus der Kaiserin-Elisabeth-Schule in Bozen, mit der sich das freiheitliche Bürgertum rund um Julius Perathoner ein Denkmal setzte. Das Bozner Stadtmuseum und die Sparkasse Bozen wurden künstlerisch durch Tony Grubhofer konzipiert.

Erster Museumsdirektor des Bozner Stadtmuseum war Tony Grubhofer von 1906 bis 1913, der auch die Ausstellungsräume gestaltete und Lehrer an der örtlichen Kunstgewerbeschule war.

In seine Illustrationen fügte Grubhofer Zitate der deutschfreiheitlichen Dichter Hermann von Gilm zu Rosenegg sowie Oskar von Redwitz ein, also jener Dichter, die für ein freiheitliches und deutschnationales Weltbild standen. Grubhofer verfasste 1912 ein Christomannos-Gedenkbuch.

Max von Esterle charakterisierte Tony Grubhofer in der Neuesten Zeitung am 7. Juli 1935 wie folgt: „Mit Grubhofer ist ein Charakter erloschen, der eigenartiger und eigenwilliger war, als man auf den ersten Blick erkennen konnte, ein Charakter, der sich nie selbstgefällig betont, nie drastisch in Szene gesetzt, aber auch nie aufgegeben oder verleugnet hat. Er war ohne Falsch, und nichts war ihm zuwiderer, als die gewisse Theaterbiederkeit vor Berlinern und Ministern. Er gehörte zum aussterbenden Typus des aus innerstem Bedürfnis kultivierten Menschen. Sein Feingefühl für alle Subtilitäten — der Schönheit sowohl, wie des Lächerlichen — machte ihn überempfindlich gegen Eingriffe in seine geistige Welt, die er mit den elastischen Schranken vollendeter Höflichkeit gegen das Außen abschloß und schützte. Was er zu schützen hatte, war eine blühende Welt von Farben, von Symbolen verborgener Wesenheit, nach deren Sinn zu suchen ihn beglückte. In seinen letzten Jahren, als nichts mehr so recht zum Werke kristallisieren wollte, als die Geschicklichkeit seiner beiden gleich virtuosen Hände zu versagen begann, gerade da wurde er ganz besonders hart bedrängt von den inneren Gesichten, Erlebnissen und Erschütterungen des echten Künstlers, von der ganzen Ueberfülle des Unerfüllten, das von einer ungeheuren Lebensarbeit noch übrig geblieben war.“

Literatur:

[1] Bettina Schlorhaufer: „Berghotels 1890 – 1930: Südtirol Nordtirol Trentino“, Birkhäuser Verlag, Basel 2021

Zeichnung Tony Grubhofer: Max von Esterle

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