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Wer war Oskar von Redwitz?

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Oskar von Redwitz erfüllt grundsätzlich alle Voraussetzungen, um den Hass der Tiroler Klerikalen auf sich zu ziehen: Corps-Student in München, Verehrer Friedrich Schillers, ab 1872 in Meran in der Villa Schillerhof wohnhaft und deutschnationaler Dichter.

Gerade wegen Männern wie Redwitz – Deutsche, Freiheitliche, womöglich auch noch Protestanten – wollten die Konservativ-Klerikalen das Kurwesen in Meran absagen.

Im Meraner Schillerpark steht bis heute hin eine Marmorbüste, die Oskar von Redwitz gewidmet ist.

Es kommt natürlich nicht von ungefähr, dass in Gossensass eine Waldlichtung nach ihm als „Redwitzplatz“ benannt wurde, wo eine Bronzetafel bis heute an den „vaterländischen Dichter“ erinnert. Will man die Hintergründe erörtern, ist eine Auseinandersetzung mit dem Tourismus in Gosensass sinnvoll.

Tony Grubhofer, Pionier des modernen Werbemarketings in Tirol, stattete seine Illustrationen vielfach mit Gedichten von Hermann von Gilm oder von Oskar von Redwitz aus.

Oskar Freiherr von Redwitz auf Schmölz und Theisenort wurde am 28. Juni 1823 in Lichtenau bei Ansbach geboren und wuchs in verschiedenen pfälzischen Städten auf. Nach dem Gymnasium studierte er in München Philosophie und Rechtswissenschaft und schloss das Studium 1846 ab. Zuvor wurde er 1843 Mitglied im Corps Franconia München, dem sich Ludwig Barth zu Barthenau 1860 anschloss.

Früh wandte er sich jedoch der Literatur zu. Seinen Durchbruch erzielte er 1849 mit dem religiös-romantischen Versepos „Amaranth“, das ihn schlagartig bekannt machte, vor allem in konservativ-katholischen Kreisen.

Im Jahr 1851 heiratete er Mathilde Hoscher, die aus Speyer stammte.

Er gab eine juristische Laufbahn bald auf und nahm 1851 eine Professur für Literaturgeschichte und Ästhetik in Wien an, die er jedoch nach kurzer Zeit wieder niederlegte. Danach lebte er überwiegend als freier Schriftsteller, verfasste Dramen wie „Thomas Morus“ und „Philippine Welser“ sowie später Romane.

Das Gedicht „Es muss ein Wunderbares sein“, das 1857 entstand, wurde von Franz Liszt vertont und ist ein bleibendes Zeugnis des Wirkens des Schriftstellers Oskar von Redwitz:

Es muß ein Wunderbares sein
Ums Lieben zweier Seelen,
Sich schließen ganz einander ein,
Sich nie ein Wort verhehlen,
Und Freund und Leid und Glück und Not
So mit einander tragen;
Vom ersten Kuß bis in den Tod
Sich nur von Liebe sagen.

Politisch engagierte er sich als freiheitlicher Abgeordneter im Bayerischen Landtag bis 1866. König Maximilian II. zeichnete ihn mit dem Maximiliansorden für Kunst und Wissenschaft aus.

Aus gesundheitlichen Gründen hielt sich Redwitz wiederholt in Kurorten auf, besonders in Meran, das im 19. Jahrhundert als bedeutender Luftkurort galt. Dort suchte er Linderung für seine schweren Atemwegs- und Nervenleiden, die ihn zunehmend beeinträchtigten. Trotz Krankheit entstanden weiterhin literarische Arbeiten, darunter patriotische Gedichte zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, die ihm nochmals breite Anerkennung einbrachten.

Redwitz zog 1871 für immer nach Meran. Als Bleibe kaufte er sich die „Villa Moeser“, die der Architekt Karl Moeser errichtete. Oskar von Redwitz benannte die Villa in „Villa Schillerhof“ um. Im Garten wurde eine Schiller-Büste installiert.

Der deutsche Freiheitsdichter Schiller war für die deutschfreiheitliche Bewegung die zentrale geistesgeschichtliche Figur, der Dreh- und Angelpunkt zahlreicher Aktivitäten.

Oskar von Redwitz umrahmte die Einweihung des Waltherdenkmals 1889 in Bozen künstlerisch:

In seinen letzten Jahren verschlechterte sich sein Zustand erheblich. 1891 wurde er in eine Nervenheilanstalt bei Bayreuth eingewiesen, wo er am 6. Juli 1891 starb. Begraben ist Oskar Redwitz auf dem Alten Südlichen Friedhof in München.

Nach seinem Tod ließen adelige Frauen eine Redwitzbüste in der Elisabeth-Anlage aufstellen, die inzwischen „Schillerpark“ heißt und gegenüber der Schillervilla angeordnet ist.

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