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Wer waren Franz Josef, Arthur und Hugo von Enzenberg?

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Franz Joseph III. von Enzenberg zum Freyen- und Jöchelsthun wurde 1802 in Klagenfurt geboren und verstarb 1879 in Tratzberg bei Innsbruck. Aus der 1831 mit Ottilie Gräfin von Tannenberg geschlossenen Ehe gingen drei Söhne und eine Tochter hervor, nämlich Hugo (1838 – 1922), Arthur (1841 – 1925), Rudolf (1835 – 1874) und Marie (1836 – 1924), die Graf Oswald Gerald von Trapp, Graf von Matsch heiratete. Die Tannenberg stammten aus Schwaz, verfügten aber auch über Besitzungen im Etschtal in Terlan.

Franz Josef, Graf von Enzenberg, besuchte das Gymnasium in Tübingen und Stuttgart und studierte Rechtswissenschaften in Innsbruck.

1827 wurde er Konzeptspraktikant am Kreisamt in Imst und 1828 am Kreisamt in Bregenz , 1829 Konzeptspraktikant, 1834 Konzipist am Gubernium in Innsbruck. 1843 schied er aus dem Staatsdienst aus und fungierte „nur“ noch als Besitzer der Besitzungen im Etschtal (Ansitz Campan in Kaltern, Ansitz Liebeneich in Terlan, Burgruine Neuhaus), in Sterzing (Ansitz Jöchlsthurn), seit 1843 Besitzer der Herrschaft Singen am Bodensee, seit 1847 Schloss Tratzberg bei Innsbruck. Der Ansitz Manincor der Familie Manincor war ab 1662 durch Heirat mit den Grafen Enzenberg verbunden.

Franz Josef, Graf von Enzenberg, wurde 1852 Mitglied des Zentralausschusses und 1865 bis 1868 Präsident der Landwirtschaftsgesellschaft von Tirol. Von 1861 bis 1867 war er freiheitlicher Abgeordneter zum Tiroler Landtag (liberaler bzw. freiheitlicher adeliger Großgrundbesitz) und ab 1871 auf Lebenszeit Mitglied des Herrenhauses in Wien.

Im Tiroler Landtag votierte Enzenberg zwar für die Glaubenseinheit, widersetzte sich jedoch der klerikalen Propaganda. Eine Posse fand im Jahr 1862 statt. Der klerikale Abgeordnete Josef Greuter, Vorstand des Katholiken-Vereins in Tirol, deklarierte im Landtag, die Glaubenseinheit als „Rebellion“ gegen die liberale Regierung in Wien durchzusetzen. Daraufhin verließ Franz Joseph von Enzenberg entrüstet den Saal. Man kann richtig annehmen, dass Enzenberg josephinisch, verfassungstreu und liberal geprägt war. In Bezug auf die Welschtiroler Autonomie bemerkte Enzenberg, dass die Welschtiroler erst einmal Nachweise bringen sollten, dass sie Anspruch auf Autonomie hätten.

Franz Joseph von Enzenberg verstarb 1879 auf Schloss Tratzberg.

Arthur von Enzenberg

Arthur oder Artur von Enzenberg besuchte das Gymnasium in Innsbruck, nahm 1859 am Tiroler Grenzkampf teil und studierte Rechtswissenschaften in Innsbruck. Mit dem Histologen Viktor von Ebner-Rofenstein wurde er 1860 Mitglied im Corps Chinesia. Das schlagende Innsbrucker Corps Rhaetia wurde 1913 Traditionsträger der Chinesia, sodass Arthur von Enzenberg 1914 Mitglied des Corps Rhaetia wurde. Ebner-Rofenstein wurde im Wintersemester 1861/62 auch noch Mitglied der Burschenschaft Hannovera in Göttingen.

Corps Rhätia Innsbruck

Das Corps Chinesia bestand mit den Farben rot-weiß-rot zwischen 1858 und 1863 an der Universität Innsbruck. Der Name entstammte einer Terrakottafigur eines sitzenden Chinesen, der der Tafelrunde als Tischkasse diente. Dass das Corps Rhätia, ähnlich wie später der Akademische Gesangsverein (Skalden), die Farben weiß-grün wählte, hängt unmittelbar mit den Tiroler Landesschützen im Tiroler Grenzkrieg zusammen.

Faktisch war die Verbindung Rhätia bereits nach dem Tiroler Grenzkrieg 1848 entstanden und – wie viele andere Verbindungen – im neoabsolutistischen Staat Österreich bespitzelt, verfolgt und verboten.

„Die drei Kneipgesellschaften Teutonia, Duodecia (mit 12 Mitgliedern) und die spätere Chinesia führten anfangs weder Band noch Zirkel. Chinesia nahm später die Farben rot-weiß-rot an. Maßgeblich betrieb sie die Aufstellung der Studentenkompanie, die 1859 an die Italienfront im Zweiten Italienischen Unabhängigkeitskrieg zog. Aus dieser Kompanie heraus konstituierte sich im Dezember 1859 die Verbindung Rhaetia. Mit grün-weiß-grün führte sie die Fahnenfarben der Kompanie. Am 2. Februar 1862 erklärte sich Rhaetia zum Corps.“ 1860 traten dem Corps Chinesia bei: Dr. iur. Arthur Graf von Enzenberg (1841–1925), Dr. iur. Benedikt von Klebelsberg (1838–1866), Dr. iur. Eduard Freiherr von Anderlan, Sektionschef (1839–1912).

Im Bericht des Corps Rhätia kommt Theodor Christomannos vor:

Arthur von Enzenberg war Praktikant bei der Statthalterei Innsbruck, dem Innen- und Kultusministerum, 1875 Bezirkshauptmann in Meran, 1882 Vizepräsident der Statthalterei Graz, 1885 Sektionschef im Ministerium für Kultus und Unterricht und jahrzehntelang ehrenamtlicher Kurator des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. Zudem war er ein bedeutender Münzsammler und Denkmalschützer in Tirol.

Max von Esterle: Franz von Wieser und Arthur Graf Enzenberg

1899 wurde er auf Lebenszeit Mitglied des Herrenhauses in Wien, gehörte der Mittelpartei an. Die Mittelpartei war nach Lothar Höbelt das „Refugium der Beamten und Hofaristokratie“, stand – wie es der Name schon sagte – zwischen den Blöcken freiheitlich und klerikal, wobei eine Tendenz in Richtung freiheitlich unverkennbar ist.

Artur von Enzenberg war ein bedeutender Münzsammler und Denkmalschützer, der sich um die Tiroler Burgen und Schlösser verdient machte. 1925 verstarb er in Innsbruck.

Hugo von Enzenberg

Hugo, Graf von Enzenberg zum Freyen- und Jöchelsthurn, wurde 1838 in Innsbruck geboren und verstarb 1922 in Liebeneich in Terlan. 1862 wird Hugo Graf Enzenberg als Philister des Corps Rhätia geführt. Sein Bruder Arthur von Enzenberg wurde hingegen 1860 Mitglied des Corps Chinesia, das später im Corps Rhätia aufging.

Das Corps Rhätia wurde 1859 gestiftet und ist die älteste Korporation der Universität Innsbruck. Inzwischen ist das Corps als Corps Rhaetia Innsbruck zu Augsburg in Augsburg angesiedelt.

Corps Rhätia [2]

Leopold Pfaundler, 1839 in Innsbruck geboren, war Physiker und Alpinist. 1859 war Pfaundler mit Ludwig Barth zu Barthenau Tiroler Landesverteidiger. Bereits ab 1859 begann Pfaundler damit, die Tiroler Berge zu studieren und zu vermessen. Mit seinen Alpinkameraden Robert von Hörmann, Josef von Trentinaglia und Hugo von Enzenberg studierte Pfaundler jene Tiroler Gebirge, die schlecht erforscht waren. Die Gebirgszüge wurden vermessen, kartiert sowie deren Geologie, flora und Fauna beschrieben. In diesem Zuge wurden auch Erstbesteigungen durchgeführt. An den Erstbesteigungen beteiligte sich auch Ludwig Barth.

1869 war Pfaundler Mitunterzeichner des Aufrufs zur Gründung des Deutschen Alpenvereins (DAV), war 1869 Gründungsmitglied der Sektion Innsbruck und bis 1874 deren erster Vorsitzender. Mitglied des Alpenvereins Innsbruck wurde auch Hugo von Enzenberg. Zudem war Pfaundler Gründer des Turnvereins Innsbruck.

Bekannt ist, dass Hugo Graf von Enzenberg und sein Neffe, der Student der Rechtswissenschaften, Constantin (Konstantin) Graf von Thun, 1898 in Schwaz einen Bären erlegt haben.

Außerdem war Hugo von Enzenberg im Landeskulturrat der landwirtschaftlichen Bezirksgenossenschaften vertreten.

Landeskulturrat der landwirtschaftlichen Bezirksgenossenschaften

Hugo von Enzenberg verstarb 1922 in Siebeneich bei Terlan.

Rudolf von Enzenberg

Rudolf von Enzenberg war 1866 Landesschützen-Hauptmann im Tiroler Grenzkrieg.

Literatur:

[1] Verein für corpsstudentische Geschichtsforschung (VfcG) – Link

[2] Konrad Fischnaller: „Wissenschafts- und Literatur-Chronik. Verwaltungs-, Wirtschafts- und Kultur-Chronik.- (Innsbrucker Chronik ; Bd. 3/4)“, Innsbruck 1930

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