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Wer war Edmund von Zallinger?

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Rechtsanwalt, Kurvorstand, Schütze, Turner, Verkehrspionier: Edmund von Zallinger steht herausragend für Tirol im 19. Jahrhundert und dafür, dass es stets eine bessere Alternative zu klerikal-konservativer Enge gab.

Edmund von Zallinger-Thurn war Rechtsanwalt mit Kanzlei in den Bozner Lauben sowie Kurvorstand in Gries bei Bozen.

Die Bedeutung der Familie Zallinger wird an den Acht Bozner Seligkeiten ersichtlich, die im „Altbozner Bilderbuch“ von Karl Theodor Hoeniger veröffentlicht und von Albert Stolz illustriert sind. Punkt acht sieht nämlich Verwandtschaft mit der Frau von Zallinger oder Heirat einer Boznerin vor:

Die acht Bozner Seligkeiten

In die Technikgeschichte geht Zallinger ein, weil er mit dem Präsidenten der Handels- und Gewerbekammer von Bozen, Johann Kofler, sowie dem Hotelier Anton Mair aus Klobenstein um die Bewilligung für die Lokalbahn Bozen-Rittnerhorn ansuchte und eine Vorkonzession erhielten. 1894 war noch nicht klar, ob als Dampfbahn oder als elektrische Bahn.

Zallinger warf die Idee der Rittnerbahn als Dampfahnradbahn bereits in den 1880er-Jahren auf, sah darin einen Aufschluss Tirols an den Fremdenverkehr der Schweiz im Sinne der Belle Epoque. Unterstützt wurde Zallinger durch den späteren Bozner Bürgermeister Julius Perathoner. 1895 wurde in Klobenstein ein Verschönerungsverein gegründet, 1902 in Oberbozen. Beide verlangten die Bahn.

Die Zahnradbahn auf den Ritten ergab sich 1897 durch die Gründung der Etschwerke unter Julius Persthoner und Roman Weinberger als Option. Für die Etschwerke stellte die Bahn nämlich einen wichtigen Stromkunden dar, gleichzeitig wurde der Ritten zeitgemäß erschlossen. Dem Aktionskomitee gehörten Edmund von Zallinger, Kurvorstand in Gries, Julius Perathoner und der Ingenieur Josef Riehl an, letzterer als Projektant.

Ab 1894 war von Zallinger mit Josef Riehl am Entwurf der Fleimstalbahn von Neumarkt oder Auer nach Moena im Fassatal beteiligt. Josef Riehl war „der“ Verkehrsplaner in Tirol, der die Projekte auch ausführerisch umsetzte und darüber hinaus als deutschfreiheitlicher Gemeinderat in Innsbruck den notwendigen Idealismus an den Tag legte.

Zallinger war nicht nur Kurvorstand in Gries, sondern Vizepräsident des „Landesverbandes für Fremdenverkehr in Tirol“.

Das Magistrat der Stadt Bozen beschloss 1905 den Bahnbau. Der Bahnbau begann ab 1906. Der Fahrbahnbetrieb begann 1907.

Die freiheitliche „Bozner Zeitung“ rief am 12. November 1888 dazu auf, Edmund von Zallinger in den Gemeinderat zu wählen, dieser nahm zwei Tage darauf Stellung, gar nicht gefragt worden zu sein, ob er zur Wahl steht und verneint eine entsprechende Ambition. 1891 wurde Zallinger Magistratsrat in Bozen unter dem freiheitlichen Bürgermeister von Braitenberg:

Meraner Zeitung, 25.12.1891

In Erscheinung trat Edmund von Zallinger vor allem auch als Vorstand des Bozner Turnvereins. Dieses Amt bekleidete er seit 1886. Anlässlich einer Rede, die Zallinger 1888 beim Turnfest in Innsbruck hielt, kommt das Wesen der Turnerschaft unmissverständlich zum Ausdruck: „Beim Turnen handelt es sich nicht bloß darum, den Körper zu stählen, es gilt auch Pflege deutscher Sitte und Eigenart; es gilt die Hebung des Nationalbewußtseins für die Deutschen„.

Das Geschichtsbegeisterung der Bozner Bürger anlässlich des Runkelsteiner Festes 1897: Von Links: Anna von Zallinger und Hofdamen, Kurdirektor Domenig Herold stellt den Vintler (?) dar, Dr. Edmund von Zallinger stellt Niklaus Vintler dar [2].

Edmund von Zallinger, ganz rechts

Die Schützenscheibe, die Edmund von Zallinger zum 50. Geburtstag 1913 verliehen bekam, verbindet Zallinger mit Schützenwesen, Wasserleitung und Eisenbahn auf den Ritten. Insbesondere als Unterschützenmeister sind zahlreiche Reden von Zallingers anlässlich der Eröffnung von Festschießen und Jubiläumsschießen bekannt.

Am 22. Februar 1886 schreibt die „Bozner Zeitung“ zum 400. Jahrtag der Errichtung des Bozner Schießstandes und unterstreicht, dass die Schützen alle Stände, nämlich Adel, Beamten, Militär, Handels- und Gewerbestand friedlich vereinen würden: „Kein Rang hatte hier mehr Vorrecht“ und weiter: „Zu der Handhabung der Waffen, in der Übung von Aug und Hand fürs Vaterland sind sie alle gleich. Und diese Harmonie, welche die Schützen zu einem Geiste, zu gleichem Fühlen binde, sie war auch hier beim frohen Feste vorhanden“.

Die 200-Jahr-Feier der Schützengesellschaft Oberbozen, die 1868 im Beisein von Edmund von Zallinger erfolgte, legt dichterisch eine freiheitliche Weltanschauung an den Tag:

Der Bericht aus dem Jahr 1868 schließt mit:

Mit Blick auf von Zallinger schreibt die Bozner Zeitung: „Unterschützenmeister Herr Dr. Edmund von Zallinger machte in seiner gehaltvollen und patriotisch durchglühten Festrede einen Rückblick auf das Schützenwesen und dessen Entwicklung seit mehr als 400 Jahren, betonte dessen neue Bedeutung durch das Gesetz vom Jahre 1874, wodurch es ein Faktor zur Belebung und Bildung der Wehrkraft im wahrsten Sinne des Wortes geworden ist, und sprach die Hoffnung unter Hinweis auf die glänzenden Proben, welche Tiroler Schützen in schweren und harten Kämpfen abgelegt, das Schützenwesen werde sich in Tirol als eine wahre Zierde des Landes stets glänzend erhalten, wenn ihm allseits die Gunst der Behörde und der Bevölkerung und insbesondere der Schutz des erhabenen Monarchen erhalten bleibe“.

Was schreibt das Gesetz von 1874 vor? Die Tiroler Schützen hatten mit dem Landesverteidigungsgesetz 1870 im Zuge der Heeresreform ihre Funktion als öffentliche Körperschaft verloren, die Landesverteidigung wurde in das österreichische Heer integriert. Die Schützen wurden durch die Schießstandsordnung 1874 faktisch zum Verein. Zallinger erhoffte sich dadurch eine gesellschaftliche Durchdringung des Wehrgedankens, ganz im Sinne der Freiheitlichen und der Turnerschaften, die ab 1811 die allgemeine Wehrhaftigkeit im Volk auf freiwilliger Basis förderten.

Im Mittelpunkt stehen sollte ein wehrhafter und freier Einzelner, so, wie in der frühen Geschichte Tirols. Faktisch wurden die Schützen allerdings zunehmend klerikal-konservativ vereinnahmt, nicht der freie Einzelne war für die Klerikalen das Ziel, sondern die lenkbare Masse.

Zallinger war ordentliches Mitglied der Sektion Bozen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins.

Literatur:

[1] Carl von Braitenberg: „Tiroler Schützen-Scheiben, der Oberbozner Schiessstand“, Athesia Verlag, Bozen 1979

[2] Tanja Cassitti in „Die Harpfe“, Zeitschrift für Landeskunde, Nr. 5, Juni 2013

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