Meran ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts als Kurstadt bekannt. Das nach Süden geöffnete Etschtal sorgt für warme Luft, während die Texelgruppe das Tal nach Norden und Westen abschirmt, vor kalten Winden und Niederschlag geschützt. Dass in dieser malerischen Kulisse das Kurwesen entstand, erforderte einen freiheitlichen Gründergeist.
Das Kurwesen in Meran geht im Wesentlichen auf zwei Persönlichkeiten zurück: Erstens auf Franz Tappeiner, den Kurarzt, andererseits auf Merans Bürgermeister von 1826 bis 1861, auf den Juristen Josef Valentin Haller, dem es wesentlich war, Meran durch den Tourismus zu modernisieren.
Bereits 1840 hatte sich der Tiroler Arzt Bernhard Mazegger in Meran niedergelassen, seine Praxis von Mailand nach Meran verlegt und eine Kaltwasserheilanstalt angeboten.
1842 ließ sich Franz Tappeiner als Arzt in Laas nieder, errang als Geburtshelfer, Wundarzt und insbesondere als Chirurg einen ausgezeichneten Ruf, sodass er dazu bewogen wurde, in Meran eine Praxis zu eröffnen, was 1846 passierte. Tappeiner avancierte zu einer Institution des Kurwesens, bot ganzheitliche medizinische Behandlungen sowie eine humanistische Weltanschauung an.
1850 war das Meraner „Kurkomitee“ gegründet worden, 1855 wurde die Kurverwaltung konstituiert. Meran wurde in der Folge eine der ersten Tourismushochburgen innerhalb der Habsburgermonarchie.
Das Kurwesen: Die Befürworter und die Gegner

Zwischen den Anhängern des Kurwesens, im Wesentlichen Anhängern der freiheitlichen Partei, und den Gegnern des Kurwesens, den Klerikalen, wurde zwischen „kurfreundlich“ und „kurfeindlich“ unterschieden.
Der „Bote für Tirol und Vorarlberg“ stellte am 18. April 1866 klar: „Die Fremden mögen nur unsere lieben Gäste bleiben, doch Herren der Meraner sollten sie nicht werden„. Andernfalls sei von „einem Krebsschaden nicht nur für Meran, sondern für das Land“ zu sprechen.
Die katholischen „Neuen Tiroler Stimmen“ schrieben am 4. Juni 1872: „In Meran, besonders in Mais, werden mit wahrer Wut Häuser gebaut. Warum und wozu? Das Klima eignet sich wohl wenig zu einem Kurorte, denn winzig und verschwindend klein ist die Zahl derer, die hier vollkommene Heilung finden; somit kann das Kurwesen kaum der Zweck des Häuserbauens sein. Will man vielleicht nach und nach eine protestantische Gemeinde im Herzen von Tirol gründen und einen ausgiebigen Keil in die Glaubenseinheit hineintreiben und damit Preußen ein kleines Häuflein Anhänger oder statio militaris in der wichtigsten Bergfestung von Österreich verschaffen?“
Das Kurwesen befand sich längst auf einem Siegeszug. Auf freiheitlicher Seite bemühte sich ein Netzwerk an Unternehmern, Freiberuflern und Politikern rund um den „Verein für Alpenhotels in Tirol“, das Kurwesen zu etablieren. Die freiheitliche Gründer-Szene verstand die touristische Entwicklung nicht nur als wirtschaftliches, sondern auch als kulturelles Engagement.
Im Zentrum der Bemühungen rund um den „Verein für Alpenhotels“ steht Theodor Christomannos, der Unternehmer und Pionier war. Der Ingenieur Josef Riehl setzte die baulichen Pionierleistungen im Straßenbau und im Eisenbahnwesen materiell in die Wirklichkeit um. Nicht zu vergessen ist jedoch auch die Wasserkraft mit dem Kraftwerk an der Töll und den Etschwerken. Hier war es der deutsche Wasserkraft-Pionier Oskar von Miller, der sich im Werk verewigte.
Neben den politischen Visionen war das finanzielle Wagnis ein bedeutender Punkt. Der Rechtsanwalt Hans Stainer war Gründer der Sparkasse Meran, freiheitlicher Gemeinderat in Meran, Obmann des Deutschen Bürger-Vereins Meran sowie des städtischen Baukomitees, Promotor der Vinschger Bahn und für das Finanzielle im „Verein für Alpenhotels“ zuständig. Die Sparkasse Meran verband das Bankenwesen mit der kulturellen Verantwortung: Spenden wurden neben allerlei anderen Vereinen dem Deutschen Schulverein oder dem Turnverein Meran erstattet, aber auch eingesetzt, um Schulen und Kindergärten zu unterstützen.
Das Finanzielle verband sich zu jener Zeit mit der Gesinnung und Sittung.


Meraner Villen: Ein Hauch Luxus
Zwischen 1860 und 1920 entstanden zahlreiche Meraner Villen, die durch adelige oder großbürgerliche Bauherren realisiert wurden. Während die Villen der ersten Phase bis 1870 der lokalen Bauweise angeglichen sind, wurden fortan Gebäude errichtet, die der europäischen Villenarchitektur entsprachen. Es vollzog sich dabei ein Wandel bei den Architekten. Diese waren nicht mehr nur lokale Baumeister, sondern hatten an den Universitäten studiert und kannten die zeitgenössische Stilistik, die Mode.
Im städtischen Umfeld griff man auf monumentale Stile zurück, etwa Neoklassizismus oder Neorenaissance. Im ländlichen Umfeld waren beim Villenbau die Neugotik und der Schweizerstil gängig. In Meran, wo sich Stadt und Land auf engstem Raum treffen, sind die Übergänge verschwindend.
Die Bahnlinie von Bozen nach Meran wurde 1881 in Betrieb genommen. Da der Bahnhof am Westende Merans gelegen war, wurde ein ganzes neues Stadtviertel notwendig, bei dem der Ingenieur Karl Lun federführend mitwirkte.

Literatur:
[1] Anna Pixner Pertoll: „Ins Licht gebaut. Die Meraner Villen“, Edition Raetia, Bozen 2009


Hinterlasse einen Kommentar