Der akademische Historikerklub in Innsbruck ist auch für Nicht-Historiker bedeutend, stand er nämlich für eine ganze Reihe an akademischen Vereinigungen Vorbild, die nicht nur Fachvereine waren, sondern ein Weltbild teilten.
Der Akademische Historikerklub wurde 1872 von Studenten gegründet. Ziel war nicht nur ein geselliges Beisammensein, sondern das Verfolgen wissenschaftlicher Ziele.
In Innsbruck standen sich an der Innsbrucker Philosophischen Fakultät zwei ähnlich starke Parteien von Historikern gegenüber, die einander erbittert bekämpften: Eine nationale der Ficker-Huber-Tradition, der auch Arnold Busson (Vater von Felix Busson), Engelbert Mühlbacher, Ferdinand Kaltenbrunner und Emil von Ottenthal angehörten, und eine klerikal-konservative Tradition mit Josef Hirn, Michael Mayr und Ludwig von Pastor [3].
Julius von Ficker (*1826 Paderborn, +1902 Innsbruck) war einer der bedeutendsten Historiker Tirols, Burschenschafter in Bonn und Professor in Innsbruck. Ficker war der Lehrer mehrerer bedeutender Historiker, wie Emil von Ottenthal, Engelbert Mühlbacher, Oswald Redlich und Alfons Huber (*1834 Schlitters, Tirol, +1898 Wien).
Julius Jung (*1851 Innsbruck, +1910 Prag) wurde als Historiker wesentlich durch Julius von Ficker geprägt und blieb bis zu seinem Tod als Lehrender an der Universität Prag tätig. Nach Einschätzung von Oswald Redlich war er ein „politischer Kopf“, geprägt vom Hochliberalismus der 1860er- und 1870er-Jahre. Wie zahlreiche seiner Fachkollegen betätigte er sich jedoch nicht in der Parteipolitik, sondern verlagerte sein Engagement in national ausgerichtete kulturpolitische Vereine [1]. Seine enge Verbindung zu Innsbruck und zum akademischen Historikerklub blieb zeitlebens bestehen, sowohl auf ideeller als auch auf materieller Ebene.
Einen wesentlichen Einfluss auf den Historikerklub übte Franz von Wieser aus.
Franz von Wieser (* 1848 Kufstein, +1923 Innsbruck) wuchs in Innsbruck auf und wandte sich an der Universität hauptsächlich geografischen und historischen Studien zu. Im Jahre 1870 promovierte er und schloss das Lehramtsstudium für Geschichte, Geografie und Deutsch ab. Zunächst als Gymnasiallehrer in Brünn und dann in Bozen beschäftigt, habilitierte sich Wieser im Jahre 1874 an der Universität Innsbruck für historische Geographie. Er trat eine Stelle am Geographischen Institut an, an dem er bereits 1879 zum Extraordinarius und 1885 zum Ordinarius ernannt wurde. Franz von Wieser war Landeskonservator und diente als langjähriger Vorstand des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum.
Zum ehrenden Andenken vergibt der Verein Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum seit 1930 die Franz-von-Wieser-Medaille an Persönlichkeiten, die sich um die Kunst und Wissenschaft in Tirol verdient gemacht haben.
Dem Historikerklub gehörte Emil von Ottenthal (*1855 Sand in Taufers, +1931 Wien) an. Dessen Vater Franz von Ottenthal war Arzt in Sand in Taufers und von 1867 bis 1883 für den freiheitlichen Großgrundbesitz im Tiroler Landtag. Emil von Ottenthal bildetet bereits im Jugendalter mit Josef Daimer und Josef Beikircher freiheitliche Leseklubs in Sand in Taufers, ehe er in Innsbruck rund um Julius von Ficker als Historiker wirkte.
Ende 1921 zählte der Historikerclub siebzehn aktive und drei inaktive Mitglieder, sowie sechs „alte Herrn“. Die Zahl der Mitglieder nahm bis 1936 stetig zu. Besonders die Professoren zeigten großes Interesse an seinem Fortbestehen.
Ignaz Philipp Dengel, Harold Steinacker, Hermann Wopfner und Hugo Hantsch sind einige, die in der Nachkriegszeit aktiv am Klubleben teilnahmen.


Als Alfons Huber, nachdem er 1881 bis 1887 Vorstand des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum war, dem ehrenvollen Ruf nach Wien folgte, widmete ihm der Historikerklub eine „[…] erhebende, glänzende Abschiedsfeier. Es beteiligten sich an derselben der Universitäts-Rektor Prof. Dr. Busson, zahlreiche Professoren und Ehrengäste, außerdem die 3 Corps der hiesigen Universität, die Burschenschaft ‚Suevia’ (deren Sprecher in Wichs erschien und ein Contrapräsidium führte), der akademischeGesangsverein, die akademischen Verbindungen ‚Pappenheimia’ und ‚Brixia’ in corpore; von den übrigen akademischen Gesellschaften waren Vertreter erschienen. Der Commers stand unter der strammen, sicheren Leitung des Lehramts-candidaten Herrn Peter Paul Schraffl. Viele Worte der Begeisterung, der Hochschätzung für Herrn Professor Huber wurden gesprochen; wir erwähnen die treffliche Rede des Herrn Rudolf Sinwel, der im Namen der ganzen Studentenschaft sprach“.
Unterstrichen wird dadurch der enge Zusammenhang zwischen studentischen Korporationen und Historikerklub.
Dem Beispiel des Historikerklubs folgend, bildeten sich an der Universität Innsbruck der Philologenklub, der Germanistenverein, der Naturhistorikerverein und der akademische Verein der Mediziner, aber auch der Technikclub. Die Vereine traten in engen Kontakt zueinander, gewährten einander das Gastrecht, veranstalteten gemeinsame Feiern und richteten ein Komitee zur Vertretung gemeinsamer Angelegenheiten ein. Die Veranstaltungen der Klubs waren in fachliche und in gesellige Teile unterteilt. Von daher waren die Klubs einer Studentenverbindung nicht unähnlich.
Es handelte sich bei den akademischen Klubs um korporativistische Organisationen, die weit mehr waren als Fachvereine, die nämlich ein gemeinsames Weltbild teilten und dem Klub als Alte Herren verbunden blieben.
Im Februar 1938 löste sich der Historikerclub selbst auf, um der gesetzlichen Anordnung zuvorzukommen, dass alle fachwissenschaftlichen Vereine in Fachschaften umzuwandeln waren, was die Alten Herren ausgeschlossen und den Verbindungscharakter unterminiert hätte.
Literatur:
[1] Gertraud Wilfling: „Akademische Fachvereine am Beispiel des „akademischen Historikerklubs“ der Universität Innsbruck, Universität Innsbruck, Innsbruck 2010
[2] Innsbruck erinnert sich (Link)
[3] Johannes Holeschofsky: „Hugo Hantsch, eine biografische Studie“, Dissertation an der Universität Wien, Wien 2012


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