Liedertafeln und Gesangsvereine in Tirol

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Die politische Situation im Vormärz in damaligen Österreich stellten unüberwindbare Hindernisse für die Männerchöre dar. Von Metternich sollen die Worte stammen: „Halten Sie mir ja dieses Gift aus Deutschland nieder!“

Erst in den 1840er-Jahren folgte die Gründung der ersten Gesangsvereine, etwa 1842 die Akademische Liedertafel Innsbruck. Die „Liedertafel“ war eine Art Tafelrunde, die das Singen pflegte. Die meisten gegründeten Liedertafeln konnten keine Genehmigung der Statuten erreichen. Ab 1849 war die politische Lage im neoabsolutistischen Staat Franz Josephs wenig günstig. Die Innsbrucker Liedertafel wurde trotzdem wiedergegründet.

Als Gründungsdatum gilt 1855, als die Innsbrucker Liedertafel entstand 1855 mit dem Spruch: „Stets behalt‘ den reinsten Klang – deutsche Treue, deutscher Sang!“. Der Komponist Josef Leiter war Mitbegründer eines nichtkirchlichen Cäcilienvereins und der Liedertafel.

Erst das Vereinsgesetz von 1867 bildete die Grundlage für ein Vereinswesen, auf die sich die Gesangsvereine stützen konnten.

Turnerwesen und Gesangsvereine waren eng miteinander verknüpft, das belegt die Geschichte, die sich vielfach überschneidet. Bei beiden handelte es sich um deutsche Erscheinungen mit einer ausgesprochen nationalen Gesinnung. Die Vernetzung innerhalb des gesamten deutschen Kulturaumes trug wesentlich dazu bei, eine Gesinnung zu entwickeln, die über politische Grenzen hinaus wirkte. Zahlreiche Chöre gründeten in den 1870er-Jahren Damenchöre, sodass es nicht bei Männerchören blieb.

1843 war Eduard von Grebmer zu Wolfsthurn Tenor der „Brunecker Liedertafel“. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Gründung der Liedertafel in Bruneck durch Hermann von Gilm angeregt wurde, der zu jener Zeit als Jurist in Bruneck wirkte und als der wichtigste Dichter Tirols im 19. Jahrhundert gilt. Gilms deutsche und freiheitliche Werke ragen bis heute heraus.

1868 schloss sich die Liedertafel dem „Deutschen Turnverein Bruneck“ an, als dessen Mibegründer und Vorstand Eduard Grebmer gilt, trat fortan als „Sängerschaft“ auf, wurde später zum Männergesangsverein Bruneck umbenannt.

Liedertafel Innsbruck

1882 entstand in Innsbruck aus dem „Turner-Sängerklub“ als Doppelquartett die „Turner-Sängerriege“. Ebenso entstand in Innsbruck der Arbeitersängerbund „Eintracht“ 1882, der „Wiltener Männergesangverein“ 1891, die Männergesangvereine Pradl und „Lyra“ 1909.

Bereits 1860 scheint ein Männergesangsverein in Schlanders auf, in Meran und Brixen seit 1862, in Bruneck seit 1873 und in Lana seit 1910. Zum „Männergesangverein“ Brixen wie Bozen, ebenso zur „Liedertafel“ Kaltern gehörte auch jeweils ein Orchester [2].

Der Männergesangsverein Wilten wurde 1891 gegründet.

„Wie unsre Berge frei und klar, Streb auf du Lied, treu, deutsch und wahr“, Männergesangsverein Wilten Innsbruck

Gleich nach dem Erlasse eines etwas freieren Vereinsrechtes im Jahre 1868 bildeten sich wie sonst überall in Österreich auch in Südtirol in den Städten Gesangvereine oder Liedertafeln, so in Bozen, Meran, Brixen, Bruneck, Lienz und Sterzing. Ihr Zweck war die Pflege des deutschen Liedes, nicht allein vom rein künstlerischen, musikalischen Standpunkt, sondern auch als Ausdruck des deutschen nationalen Empfindens und freier Gesinnung. So etwa, wie es im Wahlspruche des Bozner Männergesangvereines heißt: „Deutscher Sang, du fester Hort, hüte treu das freie Wort.“

Der Männergesangverein Brixen ging 1862 aus einem Quartett hervor und widmete sich „der Pflege des deutsche Liedes, des anspruchsvollen Gesanges, sowie der Förderung eines gehobenen Gesellschaftslebens in der Vaterstadt Brixen“. Der Wahlspruch lautete: „Aus deutscher Brust der deutsche Sang, stets kräftig durch die Alpen klang“.

Die Tiroler Volks- und Schützenzeitung berichtet am 19. Juni 1863 vom Gesängefest in Blumau und führt die Leitsprüche der Liedertafeln und Gesangsvereine an:

Männergesangsvereine und Liedertafeln – und ihre Wahlsprüche

Der Bozner Männergesangsverein wurde 1876 als Nachfolge der „Liedertafel“ im Café Schgraffer gegründet, der sich ausdrücklich vornahm, allen sozialen Schichten den Zugang zum Chorgesang und „deutschen Lied“ zu ermöglichen. Julius Perathoner war ganze 47 Jahre Obmann. Im Gegensatz zu anderen deutschen Vereinen wurde der Männergesangsverein im faschistischen Verein nicht verboten, sodass sich Vereine wie die Sängerriege im Bozner Turnverein dem Männergesangsverein anschlossen.

Die Tiroler Gesangvereine haben sich schon früh zu einem „Tiroler Sängerbunde“ zusammengeschlossen und in diesem Rahmen die großen Feste des Allgemeinen Deutschen Sänderbundes, so bereits jenes zu Nürnberg 186I und die späteren, besucht. Diese Sängerfeste waren eindrucksvolle Kundgebungen der deutschen Zusammengehörigkeit. Die Tiroler und Südtiroler Vereine waren beteiligt. Da die Organisation des Tiroler Sängerbundes anfangs nur sehr lose war und dann ganz aufgehört hat, mußte derselbe im Jahre 1889 neuerdings ins Leben gerufen werden.

Das Gründungsfest hat man auf die Enthüllungsfeier des Walterdenkmals in Bozen verlegt und damit klar die nationale Stellungnahme des Bundes kundgetan.

Acht ehemalige Angehörige der „Innsbrucker Liedertafel“ machten sich 1901 im „Deutschen Männergesangverein“ selbständig.

Am 30. September 1901 fand die erste Sitzung des vorbereitenden Ausschusses zur Gründung des Deutschen Männergesangvereins Innsbruck statt. Am 6. Dezember 1901 fand im großen Stadtsaal das erste Konzert statt. Die Gründungsmotive waren deutsche, man wollte an die Hochzeiten deutscher Volkskultur anknüpfen.

Deutscher Männergesangsverein Innsbruck

Der Wahlspruch des Deutschen Männergesangsvereins Innsbruck lautete: „Brausend soll auf Liedesschwingen, Bis zum höchsten Firnenrand, Unser Sängerschwur erklingen: Heil dir, deutsches Vaterland!

Die Universitätssängerschaft Skalden

Hinzu kommt in Innsbruck der Akademische Gesangsverein, der 1863 gegründet wurde und 1866 in Erinnerung an den Deutsch-deutschen Krieg 1866 die Farben der Tiroler Schützen weiß-grün übernahm. Der Akademische Gesangsverein nennt sich seit 1911 Akademischer Gesangsverein Innsbruck, Sängerschaft Skalden.

Literatur:

[1] Österreichisches Musiklexikon, Österreichische Akademie der Wissenschaften

[2] Musik in bürgerlichen Musikvereinigungen, Konzert- und Blasmusik (Link)

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