Die Riggertalschleife und die Chancen

In Anbetracht der Olympischen Winterspiele 2026, die in Mailand und Cortina stattfinden sollen, wird wieder intensiver über die so genannte Riggertalschleife debattiert. Die Finanzierung soll laut den letzten Berichten aus Rom zugesichert sein.

Die Riggertalschleife ist eine rund 3,5 Kilometer lange Schleife, durch welche sich eine direktere Verbindung zwischen Bruneck und Bozen ergibt. Bestehen soll die Schleife aus einem Tunnel und einer Brücke. Die Kosten belaufen sich auf rund 150 Millionen Euro. Wegfallen würden damit der Aufenthalt und die entsprechenden Aufenthaltszeiten im Knotenbahnhof Franzensfeste. Die Zeiteinsparung zwischen Bruneck und Bozen soll für Expresszüge rund 30 Minuten betragen [1].

Seit Jahren gehen die Meinungen in Bezug auf die Eisenbahnschleife auseinander [2]. Die Investitionskosten für ein Projekt, dessen Nutzen nicht absehbar sei, seien zu hoch, so die Kritiker. Hinzu komme die Tatsache, dass mit dem Brennerbasistunnel ohnehin veränderte Rahmenbedingungen gegeben seien, die im Projekt Riggertalschleife nicht berücksichtigt werden würden.

Bedenken und Argumente

Berechtigte Bedenken äußern die Gemeinden im Wipptal, die durch die Riggertalschleife um ihre Anbindung fürchten. Vielleicht sollte man die Riggertalschleife aber auch als Chance sehen. Der Charme eines Umsteigebahnhofes ist begrenzt. Stattdessen ist die Gelegenheit gegeben, auf sanften Tourismus sowie auf autochthone Qualitäten zu setzen, gegeben. Die Möglichkeiten sind gegeben.

Die Argumente für die Riggertalschleife liegen hingegen auf der Hand. Die derzeitige Bahnverbindung ins Pustertal ist trassenmäßig ungünstig. Die Riggertalschleife würde eine direktere Verbindung in das Pustertal sichern, damit die Fahrtzeit spürbar senken und folglich die Grundlagen schaffen, damit der öffentliche Verkehr mit dem Straßenverkehr zunehmend konkurrieren kann.

Verkehrprognose Riggertalschleife

Analysiert man die Rahmenbedingungen vor und nach der Errichtung der Riggertalschleife, so kann durchaus mit einer Verdopplung der Nutzerzahlen im öffentlichen Verkehr entlang der Strecke Bruneck – Bozen gerechnet werden. Diese Prognose geht aus einer durch den Verfasser getätigten Untersuchung der Verkehrsbedingungen im Status Quo gegenüber den verbesserten Bedingungen für den öffentlichen Verkehr durch Bau der Riggertalschleife hervor, die 2017 an der TU Wien am Institut für Verkehrswissenschaften als Diplomarbeit in Bauingenieurwesen geführt wurde [1].

Daraus ergibt sich, dass die Auswahlwahrscheinlichkeit für den öffentlichen Verkehr mit baulicher Veränderung durch die Riggertalschleife sowie eine Optimierung der Intervallzeiten fast verdoppelt werden kann. Hinzu kommen natürlich anderweitige Maßnahmen, die den öffentlichen Verkehr stärken.

Modal Split Bozen – Bruneck ohne Riggertalschleife
Modal Split Bozen – Bruneck mit Riggertalschleife

Eine nachhaltige Verkehrspolitik und die Chancen

Inwiefern der Brennerbasistunnel das Projekt Riggertalschleife tangiert, ist eine interessante Frage. Der Brennerbasistunnel hat prinzipiell die Aufgabe, den Fernverkehr im Personen- und Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern. Auf jeden Fall ermöglicht die Riggertalschleife eine höhere Flexibilität und eine bessere Angebotspolitik – mit und ohne Brennerbasistunnel.

Sicher ist, dass es sich bei dem Projekt Riggertalschleife um einen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung handelt und um eine Maßnahme, um dem immer wieder in den Raum gestellten Ausbau der Pustertaler Straße auf eine vierspurige Schnellstraße zu begegnen, welcher nicht nur Chancen, sondern vielmehr auch Gefahren und ein erhöhtes Verkehrsaufkommen birgt.

Die Anforderungen an den öffentlichen Verkehr von morgen – insbesondere auch in Südtirol – sind: Verkehrsflüsse effizient, angenehm, sauber, nachhaltig, schonend, digitalisiert, smart und vernetzt abzuwickeln. Dazu tragen Verkehrsinfrastrukturprojekte, benutzerfreundliche Verkehrsstationen, Mobilitätszentren mit einem umfassenden Informations- und Serviceangebot, mobile Applikationen, benutzerfreundliche Preise und nicht zuletzt das moderne Rollmaterial bei.

Wenn schlussendlich der Verkehr aber nicht effizient abgewickelt werden kann, es zu Verzögerungen, Beeinträchtigungen, Engpässen bei der baulichen Infrastruktur kommt, sind alle anderen Maßnahmen hinfällig. Das Wesentliche ist die Infrastruktur.

Weitere Artikel:

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Sella-Tunnel: Pro und Contra

Weiterführende Literatur:

[1] Michael Demanega: „Das Verkehrswertmodell als Grundlage für eine intelligente und transparente Verkehrsplanung am Beispiel Südtirols“, Technische Universität Wien 2017 (Link)

[2] Wochenzeitung FF: „Umstrittene Schleife“, 50/2018

Stichworte: Verkehrsplanung in Südtirol, innovative Verkehrsplanung, Integrale Mobilität, Mobilitätskonzepte, Verkehrsgutachten

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