Nachhaltige Forstwirtschaft und moderner Holzbau

Das Bauen mit Holz ist eine Faszination. Kein Werkstoff steht näher an der lebendigen Natur. Wenn das Bauen einen Kreislauf bilden soll, bei dem wir von Anfang bis Ende denken und dabei gezielte Innovationen schaffen, um die gegebenen Ressourcen besser zu nutzen, dann entstehen Mehrwerte.

Innovation beginnt mit der grundlegenden Analyse der Gegebenheiten und mit der Frage, wie wir daraus Neues schaffen können. Wenn von modernem Holzbau die Rede ist, muss folglich – damit das Prädikat „ökologisch“ seine Berechtigung findet, eine Auseinandersetzung mit der Forst- und Waldwirtschaft stattfinden. Andernfalls ist unser Zugang beschränkt und abstrakt. Diese Auseinandersetzung beginnt im Hier und Jetzt, vor Ort und in lokalen und regionalen Kreisläufen.

Das Spannende am Bauingenieurwesen ist, dass die Spanne von der Forstwirtschaft, den Zusammenhängen Boden, Wasser und Vegetation im Sinne der Ingenieurbiologie hin zu Naturgefahren und auf der anderen Seite zum Bauen mit Holz reicht, das heute ein innovatives Bauen mit einem High-Tech-Werkstoff darstellt. In diesem Sinne ist der Ansatz – richtig aufgefasst – ganzheitlich und holistisch. Daraus ergibt sich ein Bauen mit der Natur und in der Natur.

Der Wald ist die natürliche Form unserer mitteleuropäischen Landschaft. Der Wald ist Lebensraum, Rückzugsort, Wasserspeicher, Luftreiniger, er schützt vor Naturgefahren, versorgt uns mit Holz zum Bauen und zum Wärmen und ist schließlich in unserer Kultur zentral verankert, er ist Mythos und Märchengegenstand.

Daraus ergeben sich die folgenden Funktionen [1]:

  • Nutzfunktion;
  • Schutzfunktion: Regulierung der Niederschlagsmengen, Überschwemmungen, Erosion, Lawinen, Wind, Lärm, Temperaturextreme;
  • Sozialfunktion;
  • Kulturelle Funktion.

Die Wälder bestehen in Südtirol in den alpinen und subalpinen Höhen, also rund um die Waldgrenze herum, aus Lärchen, Zirben und Latschengebüschen. Weiter unten, im hochmontanen Bereich finden sich Kiefer-, Tannen- und Fichtenwälder. Nachfolgend sind es submontane Mischwäldern, in die sich Kastanien, Walnuss, Buche oder Eschen mischen, vereinzelt – wie im Südtiroler Unterland – aus submediterranen, hügeligen Buschwäldern mit Eichen, die an weit südliche Gegenden und an die Macchia erinnern und von trockenem Oberboden und von viel Gestein und Geröll zeugen. Schließlich finden sich im Tal Auwälder mit Pappeln, Erlen, Weiden.

Das Südtiroler Unterland ist in diesem Sinne die „nördlichste Verbreitung“ der submediterranen Zone [2] und ein Übergang, besonders aber auch eine ganz besondere Verbindung der Gegensätze.

Bäume sind in diesem Sinne die ursprünglichsten Gestalter der Landschaft, geben der Landschaft Farbe und Leben.

Die Fichte ist der Baum des Berglandes, sie ist frosthart, jedoch dürreempfindlich, wurzelt relativ flach und sehnt sich nach frischen, lockeren, nährstoffreichen Böden. Die Weißtanne wurzelt tiefer, verlangt in der Folge tiefgründigen, frischen, nährstoffreichen Boden und ein luftfeuchtes Klima, ist allerdings weniger frosthart wie die Fichte und ebenso dürreempfindlich. In Südtirol wachsen Tannen in klimatisch milderen Lagen mit genügend Luftfeuchtigkeit.

Die Lärche ist im Gebirgsraum heimisch, ist unempfindlich gegen Kälte und Frost und kommt mit windigen Lagen gut klar. Der Boden muss locker, nährstoffreich und frisch sein. Lärchenwiesen sind eine besondere Form der landwirtschaftlichen Nutzung und erzeugen darüber hinaus die typischen Landschaftsbilder für zahlreiche alpine Hochplateaus. Die Lärchen, die in geringer Dichte im Boden wurzeln, ermöglichen eine vielfältige Bewirtschaftung. Das Lärchenholz wird als Brenn- und Bauholz genutzt, während der Lichteintrag die Nutzung der Wiese als Weide oder als Heuwiese ermöglicht. Dadurch ist es nicht nur möglich, ein Stück Land bestmöglich in den landwirtschaftlichen Dienst zu stellen, sondern es wird eine höchstmögliche biologische Diversität zugelassen.

Die Weißkiefer oder Föhre findet sich im Hügelland und in den warmen und trockenen Lagen des Mittelgebirges. Die Standortansprüche sind bescheiden: Trocken, nährstoffarm, sauer, vernässt. Die Weißkiefer ist unempfindlich gegen Hitze und Frost. Die Schwarzkiefer ist noch anspruchsloser als die Weißkiefer.

Laubbäume tragen zu einer guten Humus- und Bodenbildung bei und sind damit besonders im Mischwald bedeutend. Die Rotbuche besiedelt das Berg- und Hügelland auf humus- und nährstoffreichen Böden und bei luftfeuchtem, warmem Klima, auf kalkreichen Standorten auch unter ungünstigen Bedingungen. Der Stamm der Buche ist säulenartig. Die Rotbuche verfügt über eine weitgehend glatte und dünne Borke, während die Steinbuche – eine Varietät der Rotbuche –, dicke und sehr rissige Borken bildet. In Südtirol gedeiht die Buche nur in wenigen, besonders günstigen Lagen, da die inneralpine Lage nicht sehr geeignet für Buchen ist.

Buchen wachsen grundsätzlich in tieferen Lagen mit Eichen und Kiefern und in höheren Lagen mit Tannen und Fichten. Typisch sind die Buchenwälder in Altenburg bei Kaltern oder im Südtiroler Unterland. Die Früchte der Rotbuche sind die Bucheckern, dreieckförmige Nüsse, die von vierlappigen Fruchtschalen umgeben sind und für die Schweinemast eine Rolle spielten. Die Hopfenbuche wächst auf warmen Hängen und ist im Sommer an den hellen, herabhängenden Fruchtständen erkennbar.

Die Stieleiche ist ähnlich wie die Traubeneiche im Auwald und im flachen Hügelland heimisch, ist anspruchsvoll bezüglich Nährstoff- und Wasserversorgung und durch ihre hohe Wurzelkraft auch für dichte Lehmböden geeignet.

Südtirol befindet sich im nördlichen Verbreitungsgebiet der Flaumeiche, welche sonnenbeschienene und warme Talhänge, besonders im Südtiroler Unterland, besiedelt.

Die Esche besiedelt nährstoffreiche, frische, tiefgründige Böden, ähnlich der Ahorn und die Ulme. Zudem werden Eschen an Wegböschungen angepflanzt, da diese den Boden festigen. In der nordischen Mythologie verkörpert die Esche als Weltenbaum den gesamten Kosmos.

Birke und Erlen sind Pionierbäume, sie gehen anderen Bäumen in der Vegetation zuvor. Die Schwarzerle findet sich an Bach- und Flussufern und in den Auwäldern, folglich eher an langsam fließenden Flüssen, während die Grauerle an höher gelegenen, schnell fließenden Bächen zu Hause ist.

Linden benötigen mildes Klima und gute Böden, tragen allerdings zu einer Bodenverbesserung bei, indem sie reichlich Streu bilden und den Boden beschatten. Linden bilden runde Fruchtknoten und haben darüber hinaus im süddeutschen Raum die identitätsstiftende Funktion als Dorfbaum und als so genannte „Gerichtslinde“, während diese Rolle im norddeutschen Raum eher der Eiche zukommt.

Im Südtiroler Unterland deuten Eibe und Stechpalme auf die randalpine Lage hin.

Die Eibe ist die älteste Baumart Europas. Neben der Schattenverträglichkeit ist die Eibe dürreresistent, verfügt allerdings über eine geringe Frosthärte. Das Holz der Eibe ist hart und zäh, früher wurde die Eibe wegen der Biegsamkeit der Äste auch „Bogenbaum“ genannt. Die Gletschermumie „Ötzi“ hatte einen Bogenstab aus Eibe bei sich, tatsächlich wurde die Eibe sowohl in der griechischen Antike als auch bei den Kelten mit mystischen Kräften versehen, und galt – da immergrün – als Symbol für die Ewigkeit und wurde als Heilpflanze genutzt.

Holz, Rinde und Nadeln der Eibe sind giftig, nur der rote Samenmantel ist ungiftig und fand als Nahrungsmittel Verwendung. Die Eibe ist in Südtirol selten, in den feuchten und schattigen Lagen in Salurn finden sich Bestände.

Die europäische Stechpalme deutet hingegen bereits auf submediterranes Klima hin. Der Standort der Stechpalme erfordert milde Winter, allerdings nicht zu trockene Sommer, womit sich das erforderte atlantische Klima begründet. Die Stechpalme, die in den Wäldern in Salurn Vorkommen findet, gilt in Südtirol in der Folge als Besonderheit. Die Stechpalme ist ebenso wie die Eibe immergrün, weshalb sie eine ebenartige Verehrung fand und besonders auch in den Wintermonaten Leben in die Stuben brachte.

Literatur:

[1] Norbert Bartsch & Ernst Röhrig: „Waldökologie – Einführung für Mitteleuropa“, Springer Spektrum Verlag, Heidelberg 2016

[2] Martin Schweiggl: „Naturpark Trudner Horn – Eine sichtbare und eine verborgene Zeit“, Autonome Provinz Bozen, Bozen 2011

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