Winter in Südtirol: Schnee, Bergkulisse, Atmosphäre

In einem alpinen Land wie Südtirol sind die Winter natürlich – zumindest vor dem Klimawandel – intensiv ausgeprägt. Dass der Tourismus aber immer öfter auch die Nebensaisonen sucht, nämlich Frühling und Herbst, dürfte einerseits mit der Diversifizierung und Individualisierung im Tourismus, andererseits mit den Ekstasen zu tun haben, die die Natur gerade in diesen Übergangszeiten offenbart.

Der Winter ist in einem alpinen Land aber natürlich der Höhepunkt im Jahr, auch und gerade, weil das Kulturklischee von Winter mit Schnee, Hüttenzauber und atemberaubender Bergkulisse in Südtirol realisierbar ist. Wo könnte diese Erfahrung intensiver erlebt werden als in den Dolomiten? Abseits der Klischees und der Verkehrsüberlastungen sollte der Winter eigentlich die ruhige Zeit sein. Die Natur befindet sich im Winterschlaf. Das Land ruht dahin. Man sagt, man liebt das Land nur, wenn man es im Winter liebt, also dann, wenn das Land nicht nährend wirkt, wir aber vorgesorgt haben.

Es ist den Pionieren des Tourismus zu verdanken, dass Straßen gebaut und auch in abgelegenen Enklaven touristische Zufluchtsorte entstanden, die ganzjährig genutzt werden und dem Stadtbürger ganzjährig seinen geforderten Komfort bieten konnten. Der Bau von leistungsfähigen Straßen im Fels war dabei natürlich eine Herausforderung der Extraklasse.

Im Winter sind alle natürlichen Eindrücke in gesteigerter Form gegeben. Die Sonne wird dankbarer wahrgenommen. Wenn sie sich am Schnee spiegelt und alle Kristalle leuchten, sind das intensive Sinneseindrücke. Die Wohnwärme ist dann, wenn es draußen bitterkalt ist, auch umso wichtiger. Der offene Kamin mit dem offenen Feuer ist dann physisch und emotional eine Erwärmung.

Bereits die Kelten und die Römer wussten darüber hinaus die wohltuende Wirkung des warmen Wassers auf Körper und Geist zu schätzen. Die skandinavischen Völker kultivieren den Sauna-Gang. Heute stehen im Wellness-Bereich in Form von warmem Wasser im Innen- und Außenbereich sowie der Sauna-Landschaft alle möglichen Formen zur Verfügung. Das Wechselverhältnis von kalt und heiß wirkt auf Körper und Sinne ein, der Körper ist scheinbar im Überlebenskampf und der Geist wird scheinbar von allem Ballast gereinigt.

Die andere Thematik im Winter ist das Schifahren, das heute definitiv ein – umstrittenes – Luxusgut ist. Die Neuerschließung von Schigebieten und der Bau neuer Lifte werfen kontroverse Diskussionen auf, die nicht nur das Klima, sondern auch die lokalen Gegebenheiten betreffen. Die Bedeutung des Waldes für die Katastrophenvorsorge sowie für die Ressourcenversorgung mit Trink- und Nutzwasser kann nicht oft genug betont werden. Gerodeter Wald ist darüber hinaus äußerst anfällig für Erosion. Der technische Lawinenschutz macht daraus folgend zahlreiche, kostspielige technische Maßnahmen notwendig.

Und trotzdem werden die begeisterten Schifahrenden sagen: „Schifoan is des leiwandste. Wos ma si nur vorstöhn ko“. Darüber hinaus ist Schifahren eine Prestige-Angelegenheit: Wer kann, der kann – und zwar in den nobelsten Orten und Lokalen. Wozu einen Porsche, wenn man diesen dann nicht ausfahren kann, selbst wenn die Schi und das Gepäck keinen Platz haben?

Grundsätzlich ist heute weniger gleich mehr. Es gibt die Alternativen zum Rummel. Der Winter wird dann am intensivsten wahrgenommen, wenn er sich im Einfachen, im Bodengebundenen und im Echten äußert. Das sind gleichzeitig auch Anregungen an das Bauen.

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