Antonio Nieto-Rodriguez: „Was ist Projektmanagement?“

Der Spanier Antonio Nieto-Rodriguez wird als einer der weltweit bedeutendsten Denker im Projektmanagement bezeichnet, arbeitete bei Banken und Unternehmensberatungen und entwickelte führende Konzepte für das Projektmanagement.

Nieto-Rodriguez ist der Meinung, dass wir uns von einer Welt, die durch Effizienz geprägt werde, in eine Welt weiter entwickeln würden, die durch Veränderung geprägt wird: Betriebsprozesse lassen ein Unternehmen laufen, doch das Projektmanagement verändere ein Unternehmen. Während effizienzbasierte Unternehmen von der Gegenwart, von Standardisierungen und Hierarchien geprägt werden, werden veränderungsbasierte Unternehmen von einer Vision getragen. Die Struktur sei adaptiv und selbstorganisierend, die Erfolge seien projektbezogen. Die Vergangenheit sei durch Betriebsprozesse und Effizienz geprägt gewesen. Die Gegenwart werde durch Veränderung und Projekte geprägt. In der Zukunft seien Projekte auf dem Vormarsch.

Ein klein wenig erinnert die Rolle, die das „Projektmanagement“ bei Nieto-Rodriguez einnimmt, an das „Silicon Valley“, wo gerade kleine und flexible Teams an konkreten Projekten arbeiten und folglich der Routine standardisierter Betriebsprozesse ohne klar erzielbare Ergebnisse entgehen.

Antonio Nieto-Rodriguez definiert „Projekte“ wie folgt: „Projekte sind zeitlich begrenzt; Sie haben einen Anfang und ein Ende. Sie benötigen eine Investition in Form von Kapital (Geld, Fonds) und menschlicher Ressourcen (Aufwand, Zeit). Häufig bringen sie Menschen zusammen, die mit unterschiedlichen Fachkenntnissen und Hintergründen vorher noch nie zusammengearbeitet haben“. Und weiter zu „agilen“ Projekten: „Agile Projekte wenden agile Prinzipien an, die ihren Ursprung in der Softwareentwicklung haben. Agile Ansätze konzentrieren sich darauf, Teams zur Leistung zu befähigen, sie arbeiten in kleinen Schritten und liefern so schnell einen Mehrwert für ihre Kunden. Da das Team die Projektanforderungen, Pläne und Ergebnisse kontinuierlich bewertet, kann es schnell Änderungen vornehmen“.

Jedem Projektmanagement gehe eine Einordnung des Projektes voraus, weil Strategien und Anforderungen projektspezifisch zu bewerten seien.

Beim agilen Projektmanagement komme es auf die folgenden Grundsätze an:

  • Projekte brauchen immer einen höheren Zweck: Es geht dabei ganz klar um die Fragestellung, „weshalb“ ein Projekt durchgeführt werde („purpose“). „Smarte“ Ziele seien spezifisch, messbar, handlungsorientiert, relevant und zeitbasiert.
  • Projekte benötigen ein Business-Konzept: Welche Kosten sind annehmbar, worin bestehen die Nutzen?
  • Die Ziele sind klar abzustecken: Was wird das Projekt produzieren, bauen oder liefern?
  • Projekte verändern den Status quo: Widerstände sollten von Anfang erwartet und angesprochen werden.
  • Effektive Projektmanager müssen echte Führungskräfte sein: Sie müssen die technischen Aspekte des Projekts verstehen, bevor sie Anweisungen erteilen. Neben der reinen Fachkompetenz gehe es aber um Strategie und Geschäftssinn, Führungs- und Change-Management-Fähigkeiten, Agilität und Anpassungsfähigkeit, Ethik und Werte.
  • Menschen sind wichtiger als Prozesse: Projekte benötigen immer motivierte Menschen, die diese Projekte ausführen, folglich geht es ganz klar um Teambuilding, um jeden dort einzusetzen, wo er am besten wirken kann.
  • Das Scheitern von Projekten ist nicht immer schlecht: Scheitern ist oft eine Chance, um zu lernen, zu reifen und sich auf andere relevantere Projekte konzentrieren.
  • Projektmanagement bedeutet auch Risikomanagement, weil die Unsicherheit immer Teil des Projekts ist. Mehr noch: Die Zukunft bedeute eine Bewältigung einer fortlaufenden Reihe von Krisen. Gerade durch die Krisenlastigkeit sei kontinuierliches Projektmanagement folglich unerlässlich.
  • Agilität ist unerlässlich, weil Änderungen am ursprünglichen Projekt mit hoher Wahrscheinlichkeit geschehen werden.
  • Projektorientierte Organisationen arbeiten bereichsübergreifend und ermöglichen mehr Flexibilität und eine schnellere Reaktionszeit auf den Wettbewerb.
  • Organisationen müssen Projekte priorisieren, um den Erfolg zu steigern: Diese Priorisierung bedeutet, dass Projekte begrenzt oder geschlossen und dass Projekte gegebenenfalls abgelehnt werden. Die Hierarchie des Zwecks geht von der folgenden Reihenfolge aus: Zweck, Prioritäten, Zwecke, Personen und Performance.
  • Projekte können nicht ewig laufen: Sie müssen geschlossen werden, selbst wenn nicht alle Aufgaben vollständig erledigt sind.
  • Projektleistungsindikatoren sollten sich auf Ergebnisse (Nutzen, Wertschöpfung, Auswirkungen, Chancen und Risiken) und nicht auf die Aufwendungen (Kosten, Zeit, Material und Umfang) konzentrieren.

Antonio Nieto-Rodriguez glaubt schlussendlich, dass durch Projekte eine „bessere“ Welt möglich werde, die durch Innovationen und Disruptionen geprägt sei. Die Rolle von Technologie sei evident: Künstliche Intelligenz, Maschinelles Lernen, Sprachsteuerung und Big Data hätten unmittelbare Auswirkungen auf das Projektmanagement. Durch Technologie könnten Daten schneller und effizienter erfasst, menschliche Vorurteile umgangen, der Überblick über große Datenmengen ermöglicht, Prozesse automatisiert und überwacht werden sowie Probleme früher erkannt werden. Evident sei heute auf jeden Fall die Bedeutung, die der Nachhaltigkeit beizumessen sei.

Ob dadurch Projekte besser bewältigt werden? Man weiß es nicht. Die Ansätze sind aber unglaublich wichtig.

Literatur:

[1] Antonio Nieto-Rodriguez: „Project Management Handbook – How to launch, lead, and sponsor successfull projects“, Harvard Business School Publishing Corporation, Boston 2021

2 Kommentare zu „Antonio Nieto-Rodriguez: „Was ist Projektmanagement?“

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