Fin de party – und danach?

Ein eher düsteres Bild unserer heutigen Zeit zeichnet der Ökonom Lukas Sustala in seinem Buch „Zu spät zur Party“. Mit Blick auf die junge Generation stellt Sustala nüchtern fest, dass die goldenen Zeiten, wie sie eine Generation vor uns noch erlebt hat, vorbei seien. Das Urteil verstärkt sich angesichts der derzeit stattfindenden Pandemie um ein Vielfaches. Zunehmende Verschuldung und zunehmende Steuerlast sind für die kommende Generation eine zusätzlich Bürde und zeichnen sich derzeit erst ansatzweise ab.

Es ist in diesem Zusammenhang grundsätzlich bekannt, dass wir in einer Zeit leben, in welcher die Erwerbseinkommen stagnieren, während die Einkommen aus Kapital zunehmen. Sustala stellt insbesondere beim gehypten Thema Immobilien fest, dass die Wohnkosten für die heute jüngere Generation zur finanziellen Belastung werden und ein Generationenkonlikt vorprogrammiert sei: „Was für die Jungen die Lebenshaltungskostenkrise ist, ist für viele Babyboomer vor allem eines: Ein Boom. Wer sich Immobilien gekauft hat, hat tatsächlich viel Vermögen aufbauen können, denn die Preise sind zwischen 1986 und 2016 schneller als die Einkommen gestiegen“ [1].

Die Erwerbsbiographien der heute jüngeren Generation tendieren eher nach unten, die Bildungswege werden länger, der Berufseinstieg vollzieht sich später, der Wert der akademischen Ausbildung relativiert sich in einem Geflecht aus Überangebot und undurchsichtiger Beziehungen und insgesamt zeichnen Kurzarbeit, prekäre Arbeitsverhältnisse und drohende Arbeitslosigkeit eher keine positive Aussicht. In der Folge wird es schwieriger, ein Vermögen aufzubauen und Investitionen, etwa jene in Immobilien, zu tätigen. Der „gut gemeinte“ Rat, möglichst früh anzusparen und am besten schon vor 10 Jahren in die private Rentenversicherung eingezahlt zu haben, bröckelt.

Lukas Sustala stellt aber auch fest, dass Veränderung möglich sei. Die Zutaten seien: Mehr Fokus auf Produktivität, mehr gründen und kreativ zerstören, weniger jammern. Die Devise laute: Gründen statt scheitern „mit dem Anspruch, etwas besser zu machen und die bestehenden, alten Player ordentlich zu erschüttern“ [1].

Damit wird auch die andere Kehrseite dieser heutigen Zeit sichtbar: Veränderungen vollziehen sich drastisch und abrupt, die heutige Zeit wirkt disruptiv (um dieses Modewort zu verwenden), es kommt darauf an, flexibel und mobil zu bleiben, anstatt sich auf vergangenen Leistungen auszuruhen. Mit Herzblut, Einsatz und Innovation lassen sich neue Erfolge anpeilen. Diese Erfolge sind nicht immer schnell erzielbar, sondern erfordern Idealismus, Ausdauer und Qualitätsbewusstsein. Die Zeit der Blender und haltlosen Versprechungen endet, denn in einer Welt, in der alles digital bewertet und enttarnt wird, zeichnet sich Qualität neu aus.

Das ist mitunter auch das Motiv für diesen Blog: In einer oberflächlich geglaubten Zeit wieder verstärkt Fragen nach besseren Umgebungen, nach mehr Lebensqualität, nach Freude am sinnvollen Schaffen aufwerfen und lieber einmal mehr nach dem „Wozu“ und nach dem „Wofür“ fragen.

Auch zu diesem Thema: Neue Arbeitswelten in einer neuen Zeit

Literatur:

[1] Lukas Sustala: „Zur Party zu spät – Warum eine ganze Generation den Anschluss verpasst“, Ecowin 2020

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