Am Silvestertag 1850 unterschrieb Kaiser Franz Joseph I. eine „Allerhöchste Entschließung“ zur Einrichtung der „k.k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale“. Dadurch sollte ein Bewusstsein für die gemeinsame Geschichte der habsburgischen Völker geschaffen werden.
Aufgabe der Kommission waren die Erforschung der Denkmale, die Beratung zur Bewahrung und die Vermittlung an die Öffentlichkeit [1]. Die ab 1856 erscheinenden »Mitteilungen der Zentralkommission« boten ein entsprechendes publizistisches Forum.
Ursprünglich auf Baudenkmale beschränkt, wurde die Zentralkommission 1873 reorganisiert, in drei Sektionen gegliedert und gleichzeitig in »K. k. Central-Commission für die Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale« umbenannt:
Die I. Sektion für »Objecte der prähistorischen Zeit und der antiken Kunst (Monumente, Geräte etc.)«.
Die II. Sektion für Bau- und Kunstdenkmale.
Die III. Sektion für Archivwesen.
Die Mitglieder und Vertrauensleute kamen ihren Aufgaben ehrenamtlich nach.
In den Kronländern verfolgten Konservatoren die Ziele der Kommission. Ihre Zuständigkeit entsprach einer geographischen Gliederung. In Tirol waren die folgenden Verwaltungseinheiten geschaffen:
- Inntal
- Pustertal
- Vinschgau
- Etschtal
- Nonsberg
- Judikarien
- Fleims- und Fassatal
- Valsugana und Gardaseegebiet
Die Konservatoren, die oft Juristen waren, wurden durch Korrespondenten unterstützt.


„Mitteilungen der k. k. Zentralkommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale“, 1904
Franz von Wieser wurde 1911 zum Mitglied des Denkmalrates der Zentral- kommission ernannt und 1912 mit den Funktionen eines kunsthistorischen Landeskonservators für Tirol und Vorarlberg betraut.
Während die Denkmalpflege einen insitutionellen Rahmen bildete, entstand der Heimatschutz als breitere bürgerliche Vereinsbewegung. In Tirol wurde der entsprechende Verein 1908 in Innsbruck gegründet.
Die Heimatschutzbewegung bewirkte die ganzheitliche Ausweitung des Denkmalbegriffs auf die Landschaft [3]. Triebfeder war die Lebensreform. Infolgedessen war Heimatschutz kein reaktionäres Anliegen.
Sándor Békési unterscheidet ausdrücklich zwischen einer reaktionär-nationalistischen und einer „reformorientierten, liberalen“ bzw. „liberal-konservativen“ Strömung des frühen Heimatschutzes. Er kommt für Wien zu dem Ergebnis, dass gerade diese liberale Richtung sich mit moderner Stadtplanung, Architektur und Denkmalpflege auseinandersetzte.
„Die Einschätzung, Heimatschutz sei reaktionär, ästhetisierend, romantisch und fortschrittsfeindlich und bloß eine großstadt- und technikfeindliche Reaktion auf die Moderne gewesen, wurde in jüngerer Zeit nach und nach relativiert. Diverse Arbeiten machten auf die programmatische Breite zumindest des frühen Heimat- schutzes vor dem Ersten Weltkrieg aufmerksam. Dieser wird nun als eine einfluss- reiche Kulturreformbewegung neben Lebens- und Bodenreform und Gartenstadt- bewegung positioniert, deren Kulturkritik kaum pauschal als „Antimodernismus“‚ „regressiver Antikapitalismus“ oder gar als „Präfaschismus“ abgetan werden kann. Heimatschutz war vielmehr eine Sammelbewegung verschiedener Ansätze und Lösungsvorschläge, eine Reaktion auf eine als Krise wahrgenommene Moderne, in der sich auch Ängste und Verlusterfahrungen der Zeitgenossen manifestierten. Dabei schlossen sich das Vernakuläre (sprich Heimat) und der Internationalismus (sprich Globalisierung) durchaus nicht aus. Vielfach trachtete man, die sozialen, humanen Kosten der industriellen Moderne zu minimieren, ohne ihr positives Potenzial aufzugeben“ [2].
Ein eigentliches Denkmalschutzgesetz mit verbindlichen Eingriffsbefugnissen kam jedoch bis 1918 nicht zustande.
Die Einführung eines wirksamen gesetzlichen Denkmalschutzes scheiterte in der Habsburgermonarchie trotz jahrzehntelanger Bemühungen an den politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen; zu den wesentlichen Gegnern staatlicher Eingriffe gehörten insbesondere Kirche und Adel als bedeutende Eigentümer historischer Bauten.
„Neben der Kirche bildete der im Herrenhaus repräsentativ vertretene Adel eine bedeutende Gruppe, in der sich Widerstand gegen ein Denkmalschutzgesetz zu regen begann. In erster Linie wurden hier finanzielle und eigentumsrechtliche Bedenken erhoben. Sowohl bezüglich der Erhaltungspflicht, als auch hinsichtlich eventueller Verfügungsbeschränkungen waren hier bedeutende Maßnamen zu erwarten. Hier musste die Zentralkommission mehr noch als in der Kirche und bei öffentlichen Einrichtungen mit politischem Widerstand rechnen“ [4].
Demgegenüber pochten die Heimatschützer auf Denkmalpflege als öffentliche Aufgabe und Erhalt des kollektiven Erbes. Es handelte sich um einen Zugang, der dem Staat das Recht gewährte, die Interessen aller zu vertreten.
Literatur:
[1] Marianne Pollack: „Die archäologische Denkmalpflege der k. k. Central-Commission im Kronland Tirol (1850-1918)“ in: „Archäologie in Südtirol vor 1919“, Athesia Verlag, Bozen 2019
[2] Sándor Békési: „Heimatschutz und Großstadt. Zu Tradition und Moderne in Wien um 1900“, in: Reinhard Sieder (Hg.): Veränderung als Fortschritt – Dekonstruktion eines Leitbegriffs der Humanwissenschaften (Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 20), Wien 2009
[3] Bernd Euler-Rolle: „Historische Kulturlandschaft und Denkmalpflege – gemeinsame Wurzeln, getrennte Wege“ in: ÖZKD – Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege, Österreichisches Bundesdenkmalamt, Wien 2017
[4] Martha Fingernagel-Grüll: „Zur Geschichte der österreichischen Denkmalpflege. Die Ära Helfert, Teil II“, Böhlau Verlag, Wien 2020


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