Tiroler Werksteine

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Naturstein verbindet Geologie und Architektur. Tirol ist reich an Natursteinen. Infolgedessen haben es Tiroler Werksteine weit über Tirol hinaus geschafft.

Höttinger Breccie

Die Höttinger Breccie ist ein rötliches Trümmergestein aus dem Raum Innsbruck, das aus eckigen Gesteinsstücken der Nordkette besteht. Sie wurde in Innsbruck seit dem Mittelalter als hochwertiger Bau- und Werkstein verwendet, unter anderem für Portale, Bögen, Säulen, Erkerträger und Ziersteine.

Schattbergstein

Der Schattbergstein aus dem Raum Kitzbühel ist eine brekziöse bis konglomeratische Gesteinsbildung mit hellen Kalk- und Dolomitstücken sowie grünlichen und violetten Schiefern in rötlichem Bindemittel. Er wurde für Quader, Pfosten, Schwellen und Säulen verwendet.

Oberleutascher Konglomerat

Das Konglomerat von Oberleutasch besteht aus eiszeitlichen Schottern und wurde als Werkstein eingesetzt. Klebelsberg nennt insbesondere das Portal des Anbaus des Innsbrucker Rathauses.

Gsieser Konglomerat

Aus Konglomeraten am Ausgang des Gsiesertales wurden Hausteine für die Bahnhofgebäude von Welsberg und Niederdorf gewonnen.

Tuffstein von Grins

Der ockerbraune Tuffstein von Grins wurde in einem großen Steinbruch oberhalb von Grins gewonnen. Er wurde für Eck-, Erker- und Torsteine, Kirchen und Burgen verwendet und war wegen seiner guten Bearbeitbarkeit besonders für fein geschnittene Werkstücke geeignet.

Tuffstein von Prutz

Der gelbliche Tuffstein aus dem Raum Prutz und Kaunertal wurde für Eck-, Krag-, Erker-, Fenster- und Türsteine sowie Portale verwendet.

Tuffstein von Pettneu

Der gelbliche Tuffstein am Ausgang des Galrintals bei Pettneu wurde unter anderem beim Bahnhofgebäude und bei benachbarten Wächterhäusern eingesetzt.

Karröstener Kalktuff

Der weiche blau-graue tonige Kalktuff von Karrösten wurde bei den Imster Bahnhofgebäuden verwendet.

Mühlauer Tuff

Der Tuff des Mühlauer Tuffbachls bei Innsbruck wird von Klebelsberg als regionaler Werkstein erwähnt.

Tuff vom Thaurer Schlossberg

Der gelbliche Tuffstein vom Thaurer Schlossberg wurde in großer Menge beim Turm der Thaurer Pfarrkirche eingesetzt.

Sextner Tuffstein

Ein rötlich-gelber Tuffstein aus dem äußeren Sexten wurde beim Gewölbe der Kirchen von Sexten und Rasen sowie bei den alten Sextner Forts verwendet.

Laaser Onyx

Der Laaser Onyx ist eine fein gebänderte, hellgelbe bis dunkelbraune, travertinartige Kalksinterbildung aus den Laaser Leiten. In den Schleifereien von Laas wurden daraus Schalen, Gefäße, Ziergegenstände und Kamineinfassungen gefertigt. Besonders bemerkenswert: Eine Kamineinfassung im Hofpavillon der Wiener Stadtbahnstation Hietzing besteht aus Laaser Onyx. 

Kofelser Bimsstein

Der Bimsstein von Köfels im Ötztal ist ein jungvulkanisches, schaumig-poröses Gestein. Er wurde ähnlich wie Tuffsteine für kleinere Werksteinarbeiten verwendet.

Tuffbreccien von Telfs

Bei Telfs im Kochental kommen zusammengesinterte Dolomitbreccien vor, die Klebelsberg als „Tuffbreccien“ bezeichnet. Aus ihnen wurden unter anderem Säulen im Öttl-Wirtshaus in Pettnau gefertigt.

Grassteiner bzw. Brixner Granit

Der Grassteiner Granit, geologisch Brixner Granit, ist ein mittel-grobkörniger Granit aus Südtirol. Er wurde für Quader, Stufen, Randsteine, Pfosten, Säulen, Tor- und Fenstereinfassungen, Erker- und Kragsteine sowie Grabsteine verwendet. Für Wien nennt Klebelsberg ausdrücklich Quader am Wiener Parlaments- und Börsengebäude. 

Pfalzner Granit

Der Pfalzner Granit bei Bruneck ist grobkörnig und wurde überwiegend aus Findlingsblöcken gewonnen. Er wurde unter anderem für die Franzensfeste und später für Eisenbahnbauten verwendet.

Predazzo-Granit

Der rote Granit von Predazzo liegt laut Klebelsberg bereits außerhalb des von ihm behandelten Tiroler Gebietes, ist aber unmittelbar für den regionalen Vergleich interessant. Er wurde als Werkstein verwendet; eine Probe findet sich am Sockel des Thurner-Denkmals in Innsbruck.

Südtiroler Quarzporphyr

Der Südtiroler Quarzporphyr wurde in großen Mengen als Werkstein verwendet und unter anderem von den Sterzinger Schleifereien als „Roter Sterzinger Marmor“ gehandelt. Besonders geeignet war er für Grabsteine, Inschrifttafeln und Sockelsteine. Eine dunkle Varietät, der Pechsteinporphyr von Tagusens bei Kastelruth, bildet den Sockel des Beethoven-Denkmals in Wien.

Etschtaler Vulkanit-Gruppe, früher Bozner Quarzporphyr genannt
Grödner Sandstein

Der rote, gelbliche und hellgraue Grödner Sandstein kommt unter anderem auf den Höhen von Hafling, Mölten und Jenesien sowie am Ritten vor. Er wurde zu qualifizierten Bausteinen verarbeitet, insbesondere für Kirchen. Als „Rittner Sandstein“ wurde er von Bozen aus sogar per Bahn versendet.

Kramsacher Marmor

Der Kramsacher Marmor ist eigentlich eine Kalkbreccie und damit nach heutiger Terminologie kein echter Marmor. Die hellrötlichen bis weißen Kalkbruchstücke ergeben im polierten Zustand ein charakteristisches mosaikartiges Muster. Er wurde für Portale, Wandfliesen, Säulen und Pfosten verwendet und weit über Tirol hinaus geliefert.

Flirscher Buntantik

Der Flirscher Buntantik, auch Flirscher Brockenmarmor genannt, ist dem Kramsacher Marmor geologisch wahrscheinlich verwandt und kommt in den Gosau-Brekzien bei Flirsch und in der Muttekopfgruppe vor. Er wurde früher verschiedentlich zu Werksteinen verarbeitet.

Hagauer Marmor

Der Hagauer Marmor ist ein roter, knolliger, teilweise weiß gesprenkelter Kalkstein aus dem Unterjura. Er wurde für Tore, Säulen, Stützen und Grabplatten verwendet. Besonders bemerkenswert sind die Pfeiler der Innbrücke in Innsbruck.

Trientner Marmor

Der Trientner „Marmor“, italienisch Ammonitico rosso, ist ein roter, knolliger Kalkstein des Oberjura. Klebelsberg nennt für ihn Stiegenstufen, Mauerkrönungen, Pfosten, Säulen sowie Tür- und Fenstereinfassungen.

In Wien findet man aus diesem Gestein die Fenstersäulen des Naturhistorischen Museums, aber auch die Säulen in der Aula der Akademie der bildenden Künste.

Ammonitico rosso
Arco-Marmor bzw. „Majolica“

Der helle, fast weiße, teilweise grünlich durchzogene dichte Kalkstein von Arco und anderen Orten Welschtirols wurde als „Majolica“ bezeichnet. Er wurde vor allem für Stiegenstufen und Balkonplatten verwendet. 

Schwarze Marmore der Südtiroler Dolomiten

In den Muschelkalk-Gesteinen der Südtiroler Dolomiten, beispielsweise unterhalb Collaz in Buchenstein, wurde schwarzer „Marmor“ gebrochen. Der Stein wurde als dekorativer Werkstein verwendet.

Sterzinger Marmor

Der Sterzinger Marmor, auch Ratschinger Marmor, stammt aus dem Schneeberger Zug im Raum Sterzing, insbesondere aus dem Ratschinger Tal. Der grobkörnige weiße Marmor eignete sich für Grabsteine, Tischplatten, Fliesen, Stufen und Säulen. In Wien wurde er außergewöhnlich umfangreich eingesetzt: für die Sockel der Denkmäler für Bruckner und Tegetthoff, Teile des Grillparzer- und Mozart-Denkmals, die Treppe und Balustrade der Universität sowie die Haupttreppen des Parlaments und des Naturhistorischen Museums. Auch feinkörnige Partien wurden für Bildhauerarbeiten verwendet, etwa für Figuren in Schönbrunn. 

Marmor vom Purstein bei Sand in Taufers

Bei Sand in Taufers wurde zeitweise ein grobkörniger weißer Marmor gebrochen, der dem Sterzinger Marmor ähnlich war. Der Abbau war jedoch nicht von dauerhafter Bedeutung.

Biffkalk von Tilliach

Im Winklertal bei Tilliach wurde versucht, den weißen, leicht kristallinen Biffkalk der Devonformation als Marmor abzubauen. Der Versuch blieb ohne nachhaltigen Erfolg.

Obernberger Marmor

Der Obernberger Marmor aus dem Obernberger Tal bei Gries am Brenner ist ein fein-zuckerkörniger, leicht kristalliner weißer bis zart rosafarbener Dolomitmarmor. Er galt als hochwertiger Ersatz für Carrara-Marmor und wurde für bedeutende Bildhauerarbeiten verwendet. Klebelsberg nennt Werke in Prag und Augsburg sowie Platten im Spanischen Saal von Schloss Ambras.

Laaser Marmor

Der Laaser Marmor aus dem Vinschgau wird von Klebelsberg als hochwertigster Tiroler Werkstein und ebenbürtig mit Carrara-Marmor bezeichnet. Er ist überwiegend weiß, feinkörnig und besonders wetterbeständig. Die Wiener Verwendung ist außergewöhnlich umfangreich: Mozart-, Haydn-, Grillparzer-, Raimund-, Bruckner-, Anastasius-Grün-, Lenau- und Herbeck-Denkmäler, die Kaiserfigur der Universität, die Galenus-Statue, Justitia im Justizpalast, der Reichsratsbrunnen, der Hochaltar der Votivkirche, der figurale Schmuck von Burgtheater, Hofmuseen und Künstlerhaus sowie Hermen, Giebelgruppen und Karyatiden des Parlaments. 

Laaser Marmor
Venner Marmor

Der Venner Marmor aus dem Venner Tal am Brenner ist ein licht bläulichgrauer, dünnplattiger Stein. Er wurde als Boden- und Wandfliese sowie für Möbelbeläge, Altäre und Grabsteine verwendet.

Tuxer bzw. Zillertaler Marmor

Der Tuxer oder Zillertaler Marmor ist feinkörniger und dunkler als der Venner Marmor und reicht farblich bis zu dunkelblaugrau. Er wurde ähnlich wie der Venner Marmor für Platten und dekorative Arbeiten verwendet.

Brixentaler bzw. Spertentaler Marmor

Der Brixentaler oder Spertentaler Marmor ist ein heller bis rötlicher Dolomitmarmor. Er wurde für einfache Werksteine und auch für Bildhauerarbeiten verwendet und deshalb teilweise als „Statuenmarmor“ bezeichnet.

Grüner Pfunderer Marmor

Der grüne Pfunderer Marmor ist ein Serpentin aus dem Raum Pfunders. Im frühen 18. Jahrhundert wurde er in großen Mengen gewonnen und weit exportiert; Klebelsberg erwähnt ausdrücklich Lieferungen nach Wien, Bayern und Speyer. Eine konkrete Wiener Verwendung nennt er allerdings nicht. Besonders prominent ist seine Verwendung im Brixner Dom, wo zahlreiche Lisenen mit polierten Platten verkleidet wurden. 

Matreier Ophikalzit

Der Matreier Ophikalzit aus Pfons bei Matrei am Brenner besteht aus grünlichen bis rötlichen kalkig-kieseligen Gesteinen und dunkelgrünem Serpentin mit weißem Kalkspat. Er ließ sich gut schleifen und wurde über die Sterzinger Steinschleiferei vertrieben. In Wien wurde er für Säulen im Burgtheater und im Naturhistorischen Museum verwendet. 

Pfitscher Serpentin

Der Serpentin aus dem Pfitscher Tal wurde als „grüner Sterzinger Serpentin“ gehandelt. Er wurde zu Säulen, Balustraden, Wandverkleidungen, Möbelplatten und Grabsteinen verarbeitet und weit exportiert, unter anderem nach Südamerika. In Wien stammt laut Klebelsberg daraus die Säulenanlage des Maria-Theresien-Denkmals.

Serpentin
Pfunderer Serpentin

Der Pfunderer Serpentin wurde im 18. Jahrhundert in größerem Umfang abgebaut. Der „grüne Pfunderer Marmor“ genoss damals hohes Ansehen und wurde ausdrücklich in großen Mengen nach Wien exportiert. Klebelsberg nennt jedoch kein konkretes Wiener Gebäude, weshalb hier nur der Wiener Absatz, nicht eine konkrete bauliche Verwendung, belegt ist. 

Alabaster von Fleims/Castello

Bei Castello in Fleims gab es ein Alabastervorkommen in den Bellerophon-Schichten. Alexander Colin besichtigte das Vorkommen 1590/91, doch Klebelsberg weiß nicht, ob er es für geeignet hielt.

Rosso di Francia von Castione

Ganz am Ende erwähnt Klebelsberg noch den „Rosso di Francia“ von Castione bei Brentonico im Trentino. Es handelt sich um einen hochroten Jura-Kalkstein; bei Castione wurden außerdem gelbe und graue „Marmore“ gebrochen. Die Steinbrüche trugen wesentlich zur Entwicklung der Roveretaner Werksteinindustrie bei.

Literatur:

[1] Raimund von Klebelsberg: „Tiroler Werksteine“, Veröffentlichungen des Museum Ferdinandeum, Band 20/25, Jahrgänge 1940/45

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