Blockchain im Infrastrukturbereich

Neben digitaler Währung bietet die Blockchain-Technologie die Grundlage, um den Datenaustausch sicherer, effizienter und transparenter zu gestalten. Daraus ergeben sich weitreichende Perspektiven im Infrastrukturbereich. Ob in der Mobilität, in der Logistik, beim Bauen oder in der Energiewirtschaft.

Nicht erst seit dem Höhenflug, den der Bitcoin aufgrund des mangelnden Vertrauens in staatliches, ungedecktes Geld (Fiat money) nimmt, gerät die Blockchain-Technologie in den Fokus finanz- und technikaffiner Branchen. Hinzu kommt der Umstand, dass die Zentral- und Privatbanken längst hinter verschlossenen Türen mit digitalen Währungen experimentieren und die Etablierung der Technologie nur noch eine Frage der Zeit ist. In einer Zeit, in der das Geld, das im Umlauf ist, ohnehin nicht mehr durch Edelmetalle gedeckt ist und die Inflation durch die Erhöhung der Geldmenge ein ernst zu nehmendes Problem wird, feiern alternative Investments einen extremen Zuwachs. Es stellt sich folglich mehr denn je die Frage, welcher Kryptowährung über 2021 hinaus neben Bitcoin der Durchbruch gelingt.

Der Generalbegriff, unter welchem sich auch die „Blockchain“ einordnet, ist eigentlich die Distributed-Ledger-Technologie (DLT), womit im Englischen „verteilte Kassenbücher“ gemeint sind. Mit Blockchain ist die bekannteste Form von DLT gemeint.

Grundsätzlich bezeichnet „Blockchain“, zu deutsch „Blockkette“, kryptographisch verschlüsselte und erweiterbare Datensätze, bei denen sich die Kette daraus bildet, dass nachfolgende Datensätze auf vorangehende Datensätze aufbauen und die Richtigkeit des vorausgehenden Datensatzes bestätigt ist. Das kryptographische Verfahren verbindet die Sätze. In jedem einzelnen Prozess wird die Richtigkeit der vorangehenden Prozesse und Transaktionen überprüft, indem die Berechnung abgeglichen wird. Eine nachträgliche Änderung der Datensätze ist folglich nicht möglich, sodass eine Manipluation ausgeschlossen ist.Die Speicherung der Datensätze erfolgt dezentral in verteilten Registern. Daraus ergibt sich aus der Summe dieser Prinzipien und Systemeigenschaften die Systemstabilität.

Mit Bitcoin ist seit 2009 die älteste Blockchain in Verwendung. Als Alternative zu Bitcoin ist Ethereum entstanden. Dabei versteht sich Ethereum nicht als reine Digitalwährung wie Bitcoin, sondern summiert auch andere Applikationen auf der Plattform, die etwa „Smart Contracts“ gewährleisten. Mit Smart Contracts sind Verträge gemeint, die auf digitalen Protokollen basieren. Für Aufsehen sorgt inzwischen auch die Digitalwährung Cardano, die als neue Generation von Kryptowährung zu verstehen ist und in Sachen Transparenz, Sicherheit und Energieeffizienz neue Maßstäbe setzt.

Der Wert des Bitcoins entsteht dadurch, dass die Zahl der Bitcoins begrenzt ist. Der Rest ist eine Angelegenheit von Angebot und Nachfrage. Diese Nachfrage steigt je nachdem, wie sich die Weltwirtschaft entwickelt, inwiefern das Vertrauen in die staatlichen Notenbanken und Zentralbanken sinkt oder steigt oder welche Erwartungen in die Aktienmärkte gesteckt werden. Das Risiko ist nicht unerheblich. Politische Rahmenbedingungen, währungspolitische Weichenstellungen, steuerrechtliche Aspekte sowie die Technologie selbst geben Anlass zur berechtigten Sorge.

Die Vorteile der Blockchain-Technologie sind Datensicherheit und Effizienz, woraus sich die unmittelbare Perspektive für die Handhabung sensibler Daten sowie für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs ergibt. Das deutsche Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sieht darauf aufbauend weitreichende Perspektiven für die strategische Infrastrutktur. Die DLT ist dabei grundsätzlich als digitale Infrastruktur zu verstehen, auf welcher eine Vertrauensbasis für die handelnden Subjekte hergestellt wird, sodass Prozesse schneller, effizienter, automatischer und sicherer abgewickelt werden können. Blockchain bildet folglich die Grundlage für eine effiziente Vernetzung von Dienstleistungen.

Potenziale ergeben sich in den Bereichen Digitalisierung, Mobilität und autonomes Fahren, Smart city, Logistik, Energieinfrastruktur, Energiewirtschaft und Energiemarkt – und folglich in allen Zukunftsbranchen. In diesem Sinne ist die Deutsche Energie-Agentur der Meinung: „Ob Stromhandel oder Anlagensteuerung: Blockchain könnte bei der Digitalisierung des Energiesystems eine zentrale Rolle spielen, denn die Transaktionstechnologie vereinfacht den Austausch, die Validierung und Dokumentation von Daten“. Die Blockchain wäre insbesondere in der Energiewirtschaft in der Lage, Verbrauch und Erzeugung von Energie abzugleichen, zu vernetzen und abzustimmen, sodass die Rolle des Energieversorgers oder Netzbetreibers überflüssig werde und Effizienzsteigerungen bis hin zur Energiewende möglich sind.

Grundsätzlich passt die Blockchain-Technologie in eine Welt, die – gemäß Terminologie der Politik – heute offener, transparenter, chancenreicher und freier wird, wenngleich es vielfach bei den Phrasen bleibt. Demgegenüber schafft das weltweite Netz jene freien Räume wirklich. Wobei sich Freiheit und Verantwortung bedingen.

Weitere Interessensfelder mit Blick auf den Infrastrukturbereich sind der digitale Datenaustausch, die digitale Planung im Bereich BIM, Berechtigungen für diverse Nutzer und Prozesse, die fälschungssichere Dokumentation, die Handhabung von digitalen Urkunden und daraus ableitend digitale Verträge sowie die Abwicklung des Zahlungsverkehrs, insbesondere in den Bereichen der weltweiten Logistik und Mobilität. Aus diesen Charakteristiken lässt sich eine deutliche Effizienzsteigerung gegenüber derzeitigen Technologie erwarten.

Literatur:

Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur: „Chancen und Herausforderungen von DLT (Blockchain) in Mobilität und Logistik“, Berlin 2019

Bartek MikaAlexander Goudz: „Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft – Blockchain als Treiber der Energiewende“, Springer Vieweg, Wiesbaden 2020

Bild von Megan Rexazin auf Pixabay

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