Ohne Unterstützung geht es nicht

Das Landschaftsbild einer jeden besiedelten Region ist geprägt von den Bauwerken und der Infrastruktur, welche ihre Bewohner geschaffen haben. Ganz besonders prägnant sind diese Werke, wenn sie von früheren Generationen gebaut wurden. Sie geben dabei, durch ihre reine Existenz, nicht nur einen Einblick, wie die Gegend früher ausgesehen hat, sondern fügen sich wie Mosaiksteinchen zusammen und bilden mit ihren überlieferten Elementen und Charakteristika die traditionelle Kulturlandschaft. Ihr Dasein hat dabei für Einheimische gleich wie für Fremde eine entschleunigende Wirkung aus der globalen Hochleistungsgesellschaft inne. 

Die Objekte sind in ihrer Art nicht einfach nüchterne Bauwerke oder der Gleichen, sondern erzählen eine zivilisationshistorische Geschichte, angefangen bei der Architektur selbst, über die damals zur Verfügung stehenden Materialien bis hin zum eigentlichen Verwendungszweck. So sind heutzutage Trockenmauern ein Sinnbild für den fortschreitenden Straßenbau, Harpfen, sprich geflochtene Zäune, Zeugnis für verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen und Waale, also Bewässerungssysteme, eine Dokumentation für die Entwicklung der Landwirtschaft. Der Schutz und Erhalt, dieser oft seit hunderten von Jahren bestehenden Strukturen, muss daher im Interesse des Einzelnen liegen und damit nicht der Gefahr moderner und monetärer Umstände ausgesetzt werden.

Des Weiteren ist das Sorgen um die Bewahrung dieses materiellen und immateriellen Kulturguts eine Aufgabe von öffentlich institutioneller Verantwortung. Fördergelder sind dabei unausweichlich, führt man sich nur vor Augen, dass ein Quadratmeter herkömmliches Ziegeldach rund 30 Euro pro Quadratmeter kostet, ein traditionelles Dach aus handgefertigten und hochwertigen Lärchenschindeln rund 150 Euro. Zu diesen höheren Anschaffungskosten gesellen sich noch erhöhte Versicherungsgebühren. Umso erstaunlicher scheint dahingehend ein Beschluss aus Südtirol, in welchem die Landesregierung 2021 keine neuen Fördermittel bereitstellen will. Geldmangel und die Ausarbeitung neuer Förderungskriterien werden als Begründung von offizieller Stelle genannt. Hierbei erscheint der zweite Grund etwas fadenscheinig, wurden in den letzten Jahren stehts die Kriterien für eine Förderung ohne Aussetzung ab- bzw. umgeändert. Die Politiker wollen nur noch bereits eingereichte Anträge und jene, welche Naturparks oder Biotope betreffen, behandelt lassen.

Bleibt dabei nur zu hoffen, dass mit der ausbleibenden Förderung nicht Tür und Tor für einen flächendeckenden Umbau hin zu kostengünstigeren Strukturen geöffnet wird. Denn eines ist seit Beginn der Heimatpflege bekannt: Was verloren ist, ist verloren.

Weiterführender Artikel: Wertvoll ist, was zeitlos ist

2 Kommentare zu „Ohne Unterstützung geht es nicht

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