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Neues Bauen in Südtirol – Moderne Architektur

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Bauen in Südtirol

In den letzten Jahren haben sich interessante Architektur-Projekte in Südtirol durchgesetzt. Führende Südtiroler Architekturbüros sind dabei mehr denn je bemüht, moderne Gestaltung und bauliche Qualität mit regionalen Formen zu verbinden. Die Ergebnisse sind spektakulär und interessieren – nicht nur wegen der einmaligen Südtiroler Landschaftskulisse – die Architekturbegeisterten.

Die Architekturbüros Bergmeisterwolf, noa*, Pedevilla Architects, Monovolume besonders aber auch ein Werner Tscholl oder ein Walter Angonese sind heute weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Hinzu kommen viele weitere, ältere und jüngere Architekten, die sich mit gelungenen Entwürfen einen Namen machen. Alle einzeln aufzulisten würde den Rahmen sprengen, wenngleich sich eine detaillierte Auseinandersetung auszahlt.

Doch worauf ist diese „besondere“ Architektur im zentralen Alpenraum im Allgemeinen und in Südtirol im Speziellen zurückzuführen?

Der Architekturtheoretiker Alfons Dworsky sieht in dem Bauen, das etwa in Vorarlberg, aber auch in Südtirol zutage kommt, eine „vertiefte und erweiterte Lektüre der Landschaft in der Architektur, die den lokalen Kontext in den Vordergrund stellt“. Dass dabei vielfach Holz als lokales, traditionelles und auch nachhaltiges Baumaterial zum Einsatz kommt, ist für Dworsky eine Abwendung vom Folkloristischen und Dekorativen und eine „neue Wertschätzung des einfachen und minimalistischen Bauens mit Holz“. Minimalistisch ist dieses Bauen in dem Sinne, als dass „Dinge, die wir heute nicht mehr brauchen“ eben nicht ausgeführt werden. Eine neue Sachlichkeit klingt durch.

Ähnlich sieht es der Architekturtheoretiker Friedrich Achleitner. Achleitner spricht in Bezug auf die Baukunst in Vorarlberg von einer „Synthese von konstruktiver und räumlicher Vernunft“ und nennt als Ursachen unter anderem eine „Revolution von unten“ durch eine bewusste junge Generation von Kulturschaffenden, die „ihre kulturelle Haltung auch im Wohnen und Bauen ausdrücken wollte“ [2].

Zweifelsfrei kann man von einer derartigen Baukultur heute auch in Südtirol sprechen. Vielleicht kommt – neben der gestalterischen Ausdruckskraft, über die die Protagonisten dieses neuen Bauens verfügen, und die vielleicht aus der dramatischen Landschaft resultiert, auch ein anderes Spezifikum ans Tageslicht.

In einem Dialog, den der Architekt Helmut Jahn mit dem Bauingenieur Werner Sobek führt, bemerkt Jahn, dass er am Anfang seiner Tätigkeit „nicht die richtigen Ingenieure an seiner Seite“ hatte, folglich seine gestalterischen Ideen nicht verwirklichen konnte und erst mit Sobek einen kongenialen Partner erhielt [3].

Vielleicht ist es bei diesen neuen und beeindruckenden Bauten in Südtirol so, dass die richtigen Architekten, die richtigen Ingenieure, die richtigen Handwerker – und die richtigen Bauherren – zusammen kommen, dass alle eine gemeinsame Sprache sprechen und gemeinsame gestalterische Vorstellungen teilen. Durch diese Symbiose und gemeinsame Wertehaltung entsteht das Herausragende im Bauen.

Literatur:

[1] Alfons Dworsky: „Ideengeschichtliche und konzeptuelle Ansätze“ in „Landschaft lesen, Heft 2 – Überlegungen um Bauen am Land“, LandLuft – Verein zur Förderung von Baukultur in ländlichen Räumen, Wien 2019

[2] Meinrad Pichler: „Das Land Vorarlberg 1861 bis 2015, Geschichte Vorarlbergs, Band 3“, Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2015

[3] Helmut Jahn & Werner Sobek: „Archi-Neering“, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 1999

Abbildung: db Deutsche Bauzeitung, Südtirol-Ausgabe 2015

Stichworte: Neues Bauen, Moderne Architektur, Moderne Architektur in Südtirol, Traditionell und modern bauen, Modernes Bauen, Tragwerksplanung, Statik

11 Antworten zu „Neues Bauen in Südtirol – Moderne Architektur“

  1. Avatar von Michael Demanega

    Weitere interessante Architekturbüros können gerne mit der Kommentarfunktion ergänzt werden.

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  2. Avatar von Salurn – ein wesentliches Stück Südtiroler Unterland – Michael Demanega

    […] Bauem im alpinen Raum ist immer eine höchst sensible Angelegenheit. Das Bauwerk wird Teil der Landschaft und die Landschaft gehört uns allen. Jeder Eingriff in das Ökosystem erfordert ein hohes Maß an baulicher Qualität. Bestenfalls sind auch neu gebaute Bauwerke unverkennbar mit dem Ort verwachsen. Die Vorbilder gibt es auch beim neuen Bauen. […]

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  3. Avatar von Innovation im (mehrgeschossigen) Holzbau – Demanega

    […] und für die restlichen Alpenländer, also für Länder, die immer schon ein hohes Maß an handwerklicher Geschicklichkeit im Umgang mit dem Holz an den Tag gelegt haben, bedeuten diese Tendenzen weitreichende […]

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  4. Avatar von Baukosten im Höhenflug – Demanega

    […] Weiterführender Artikel: Neues Bauen in Südtirol […]

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  5. Avatar von Peter Zumthor und die Tiefe des Bauens – Demanega

    […] Neues Bauen in Südtirol […]

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  6. Avatar von Valerio Olgiati und die „nicht-referenzielle Architektur“ – Demanega

    […] Neues Bauen in Südtirol […]

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  7. Avatar von Valerio Olgiati und die „nicht-referenzielle Architektur“ – Demanega

    […] Neues Bauen in Südtirol […]

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  8. Avatar von Lois Welzenbacher und das moderne, traditionelle Bauen in den Alpen – Demanega

    […] und modern: Die „andere“ Moderne der Stuttgarter Schule Neues Bauen in Südtirol Was wir suchen: Die Qualität […]

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  9. Avatar von Moderne Architektur: Vorbild Südtirol? – Demanega

    […] Neues Bauen in Südtirol – Moderne Architektur Valerio Olgiati und die „nicht-referenzielle Architektur“ Die Wertigkeit des Materiellen und die Dauerhaftigkeit des Bauens […]

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  10. Avatar von Der Architekt Werner Tscholl: Materie und Skulptur – Demanega

    […] Neues Bauen in Südtirol – Moderne Architektur Lois Welzenbacher und das moderne, traditionelle Bauen in den Alpen Lorenzo Jurina: Non-konformes, nicht-invasives und zukunftsweisendes Bauen Gion Caminada und das elementare Bauen, Wohnen und Leben Peter Zumthor und die Tiefe des Bauens Valerio Olgiati und die „nicht-referenzielle Architektur“ […]

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  11. Avatar von DMN*Timber _ Modernes Bauen mit Holz: Holzbauarchitektur _#12 – Demanega

    […] Kulturschaffenden, die „ihre kulturelle Haltung auch im Wohnen und Bauen ausdrücken wollte“ (Link). Es geht folglich immer und überall zuvor um Kultur und […]

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