Das Lebenswerk des Bauingenieurs Josef Riehl wäre ohne die Leistungen seines leitenden Ingenieurs Karl Innerebner kaum denkbar gewesen. Innerebner trat aus dem Schatten Riehls hervor, wurde einer der bedeutendsten Ingenieure und Bauunternehmer Tirols und konnte 100 Jahre lang Tirol nachhaltig prägen.
Der Süden hat ihn dem Norden gegeben, der Norden ihn recht zur Geltung gebracht – dem ganzen Lande er Ehre gebracht.
Herkunft und Studium
Karl Innerebner wurde am 6. April 1870 in Bozen als jüngstes von dreizehn Kindern eines alten Sarntaler Bauerngeschlechtes geboren, der Vater war Weinhändler in der Bozner Vintlerstraße. Die Familie Innerebner entstammte dem Hof „In der Ebn“ in Reinswald im Sarntal.
Zunächst besuchte Karl Innerebner die Realschule in Rovereto, danach studierte er an der Technischen Hochschule in Graz. 1888 wurde er Mitglied der 1886 gegründeten „Gesellschaft deutscher Hochschüler aus Tirol und Vorarlberg“, die Vorarlberger schieden 1887 aus. 1890 wurde daraus eine „Verbindung Rhaetogermania“ mit rosaroten Mützen und weiß-rot-schwarzen Farben auf goldenem Grund.


Nach einer behördlichen Auflösung 1891 firmierte die Verbindung als „Landsmannschaft Rhaetia“ und ab 1897 als „Burschenschaft Rhaetogermania“, der Karl Innerebner zeitlebens verbunden blieb. Diese fusionierte 1967 mit der Grazer akademischen Burschenschaft Cheruskia und führte Karl Innerebner bis zum Tod als Alten Herrn an.




Aufgrund eines Konflikts zwischen dem Militärkommando und den Korporationsstudenten, der darin bestand, dass Studentenverbindungen im Militärdienst nicht geduldet wurden, kam es in Graz zu Protesten. Die Polizei stürmte die Technische Hochschule in Graz, beendete die Proteste und schloss die Hochschule. Wegen seiner Beteiligung an den Protestaktionen wurde Karl Innerebner von der Hochschule ausgeschlossen, vor seiner letzten Prüfung. Das Disziplinargericht hatte ihm vorgeworfen, er sei der Rädelsführer der Aufstände gewesen.
Innerebner setzte daraufhin sein Studium an der Technischen Hochschule München fort. In München wurden ihm die Grazer Prüfungen nicht anerkannt, weil, wie der Rektor bemerkte: „Sie sind ein Revolutionär und Revolutionäre wollen wir hier nicht.“ Karl Innerebner schrieb alle Prüfungen neu und schloss als Diplom-Ingenieur ab. Die revolutionäre Phase war auch vorbei.
Berufseinstieg als Bauingenieur
Nach Abschluss des Studiums trat Innerebner 1897 in den österreichischen Staatsdienst ein und arbeitete als Bauadjunkt beim Umbau der Stilfser-Joch-Straße.
Zwei Jahre später wurde er 1899 vom Bozner Bauingenieur Josef Riehl als leitender Ingenieur in dessen Bauunternehmen berufen. Riehl erkannte frühzeitig Innerebners außergewöhnliche Fähigkeiten und übertrug ihm die Projektierung und Bauleitung des Sillwerks, damals das größte Wasserkraftwerk der Habsburgermonarchie. Darüber hinaus waren Josef Riehl und Karl Innerebner, die beiden aus Bozen stammenden Ingenieure, Verwandte.
1901 heiratete Karl Innerebner Anna Czichna; aus dieser Ehe gingen zwei Söhne und vier Töchter hervor. Einer seiner Söhne, Kurt Innerhofer, folgte ihm in den Beruf und wurde gemeinsam mit Dr. jur. Kurt Mayer Geschäftsführer des Bauunternehmens.
Trotz fehlender Erfahrung meisterte Innerebner die Herausforderung und legte damit den Grundstein für seine spätere Karriere im Kraftwerksbau. Folgerichtig nannte Karl Innerebner zwei Bauingenieure als seine Freunde und Förderer: Josef Riehl und Oskar von Miller.
An dieser Stelle wird ein blick auf die Karriere Josef Riehls notwendig. Riehl begann 1870 mit einer Unternehmensgründung in Südtirol, allerdings in einer Zeit der wirtschaftlichen Krise. Er betätigt sich als Marmorunternehmer und findet in den 1880er-Jahren ein großes Betätigungsfeld im Bereich der Hochwasserschutzbauten sowie des Straßenbaus und des Kraftwerkbaus. Zunehmend wurde im Zuge der Elektrifizierung der Eisenbahnbau relevant. Wesentlich war die Kooperation des Tiroler Ingenieurs Josef Riehl mit dem Wiener Ingenieur Wilhelm Carl Gustav von Doderer, dessen jüngster Sohn Heimito von Doderer war. Während Riehl eine regionale Größe war, war Doderer einer der wichtigsten Eisenbahnbauer Österreichs. Riehl war ein so genannter „Self-made-Man“, Doderer entstammte hingegen einer alteingesessenen und bedeutenden Wiener Familie.
Josef Riehl wurde folglich in ein Bauunternehmen von staatlicher Bedeutung eingebunden und bemüht sich gleichzeitig um eine „stärkere Hausmacht Tirol“ im Eisenbahnnetz und im Tourismussektor [1]. Wilhelm von Doderer überging in der Unternehmensnachfolge seinen Sohn Wilhelm (Inno) von Doderer, den er für nicht geeignet hielt und setzte stattdessen auf seinen Schwiegersohn August Mayer. Wilhelm von Doderer legte sein erhebliches Vermögen größtenteils in Kriegsanleihen an, sodass er nach dem Weltkrieg ohne sein Vermögen dastand und auch im familieneigenen Bauunternehmen keine Rolle spielte.
Im Laufe der Jahre führte Karl Innerebner zahlreiche bedeutende Projekte im Eisenbahn-, Straßen- und Brückenbau durch. Unter seiner Leitung entstanden wichtige Verkehrsverbindungen wie die Tauferer Bahn, die Mittenwaldbahn, die Hungerburgbahn, die Innsbrucker Mittelgebirgsbahn, die Stubaitalbahn und die Nordkettenbahn. Auch im Bereich der Wasserkraft erwarb er sich Verdienste: Neben dem Sillwerk baute er unter anderem das Rienzwerk bei Brixen und das Schnalstalwerk für Bozen und Meran. Diese Anlagen dienten nicht nur der regionalen Energieversorgung, sondern waren auch technische Vorbilder für spätere Kraftwerksbauten.
Die energiewirtschaftliche Bedeutung des Achensees wurde bereits um die Jahrhundertwende erkannt: „1904 reichten Josef Riehl, Inhaber der gleichnamigen Bauunternehmung in Innsbruck und sein Mitarbeiter Karl Innerebner gemeinsam mit dem preußischen Major Fedor von Donat einen Projektentwurf zur energiewirtschaftlichen Nutzung des Achensees ein“ [3].
Der aus Pfalzen stammende Architekt Siegfried Mazagg, der sich im Spannungsfeld zwischen Tradition und früher Moderne aufhielt, erzielte 1926 als Mitarbeiter des Bauunternehmens Innerebner & Mayer durch die Hochbauten des Achenseekraftwerks in Jenbach, einen ersten Bekanntheitsgrad.
Nach dem Tod von Josef Riehl im Jahr 1917 übernahm Karl Innerebner gemeinsam mit August Mayer das Bauunternehmen, das zu den größten in Österreich gehörte, und führte es unter dem Namen „Innerebner & Mayer“ weiter. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit widmete er sich der wissenschaftlichen Förderung im Bauwesen und engagierte sich für die Entwicklung technischer Forschung, insbesondere auf den Gebieten der Geschiebeführung sowie des Baus von Druckstollen und Staumauern. Seine Expertise und sein Urteil stellte er uneigennützig öffentlichen Stellen, Fachvereinen und Organisationen zur Verfügung.

Karl Innerebner gehörte 1920 mit Julius Perathoner und Paul von Sternbach dem Verwalttngsrat der Rittnerbahn an:

Im Jahr 1924 referierte Karl Innerebner in London auf der 1. Weltkraft-Konferenz „Über die neuesten Erfahrungen auf dem Gebiete der Wasserkraftgewinnung vom Standpunkt des Bauingenieurwesens“ als Gesellschafter der Bauunternehmung Innerebner & Mayer mit Sitz in Innsbruck und Wien.









Ideelles Wirken
Mit seinen Mitarbeitern war Karl Innerebner an Forschungsarbeiten beteiligt, die sich besonders mit Druckstollen, Staumauern und Geschiebeführung befassten. In diesem Sinne war Innerebner engstens mit der Universität Innsbruck verbunden.
Als Spender und 1945 als Vorsitzender des Bauausschusses zum Zweck des Wiederaufbaus machte sich Karl Innerebner rund um das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum verdient. Für seine Verdienste um das Ferdinandeum wurde er 1950 Ehrenmitglied. Die Ehrenmitgliedschaft war zwar bereits zum 70. Geburtstag geplant, wurde jedoch zum 80. Geburtstag im Jahr 1950 verliehen.
Im Ferdinandeum arbeitete Karl Innerebner mit namhaften Heimatschützern wie dem Traminer Kunibert Zimmeter und Josef Weingartner zusammen.

Aus Aktenvermerken der Tiroler Landesregierung nach 1945 geht hervor, dass Karl Innerebner sich dahingehend bemühte, dass Bauwerke im Bundesland Tirol bei der Namensgebung die Landeseinheit betonen sollten. Beispielsweise sei die Autobahnbrücke über die Sill nicht als „Sillbrücke“, sondern als „Wipptaler Brücke“ zu bezeichnen. Eingeordnet wurden diese Initiativen von der Landesregierung als „Anregungen von Mitgliedern des Heimatschutzes“, womit dargelegt ist, dass Karl Innerebner im Bereich des Heimatschutzes tätig war. Benannt wurde die besagte Brücke allerdings schließlich in „Europabrücke“ [6].
Innerebners Interessen gingen weit über die Technik hinaus: Er engagierte sich in leitenden Funktionen in der Tiroler Handelskammer, im Tiroler Industriellenverband und in der Ingenieurkammer von Tirol, war Mitglied der Staatsprüfungs-Kommission an der Technischen Hochschule in Wien und beteiligte sich am Tiroler Landesmuseum. Auch kulturelle Belange und die Geschichte seines Heimatlandes Tirol lagen ihm am Herzen. Aus dem Mitgliedsverzeichnis geht hervor, dass Oberbaurat Karl Innerebner 1939 Mitglied im „Deutschen Klub“ war.
1943 erbte Joseph Karl Graf Trauttmansdorff die Ruine Schrofenstein, schenkte sie drei Jahre später dem Tiroler Burgenforscher Josef Weingartner und seinem Freund Baurat Dipl. Ing. Karl Innerebner. „Beiden gelang es, den Turm vor dem endgültigen Verfall zu bewahren und sogar teilweise wieder bewohnbar zu machen. Schrofenstein befindet sich heute im Besitz der Erben nach Karl Innerebner“ [4].
Karl Innerebner gratulierte Eduard Reut-Nicolussi zum 70. Geburtstag. Aus dem Archiv Reuts geht aber auch hervor, dass Innerebner im März 1945 daran beteiligt war, den Italienern auf Vorschlag Reuts elektrischen Strom anzubieten, um die Südtirol-Frage im eigenen Sinne zu lösen.

In diesem Sinne war Karl Innerebner im Deutschen und Österreichischen Alpenverein tätig, galt mit 92 Jahren als eines der ältesten Mitglieder im Österreichischen Alpenverein und hielt als solcher eine Rede anlässlich der Überreichung des Goldenen Alpenverein-Abzeichens, die im „Bergsteiger“ (Heft 11, 1960-61) abgedruckt wurde:
„Schon viele Jahre vor 1901 war mir der Alpenverein ein eindrucksvoller Begriff. In meiner Heimatstadt Bozen aufgewachsen und als junger Ingenieur vielerorts in Südtirol tätig, erlebte ich eine Glanzzeit der Touristik und der bergsteigerischen Erschließung der Bergwelt durch den Bau von Hütten, Steigen und anderem mehr (…) Die DuÖAV-Sektion Bozen, mit dem Vorstand Albert Wachtler, und die Sektion Meran unter Führung Dr. Theodor Christomannas entfalteten eine segensreiche Tätigkeit. Sie setzten sich mit Wort, Schrift und Tat ein für die Erschließung mit Straßen des zwischen den Flüssen Rienz, Eisack und Piave liegenden wegarmen alpinen Dolomitengebietes, mit seiner eigenartigen, landschaftlichen Schönheit, mit den fahlgrauen, hochragenden zerrissenen Felsbergen, in ihrer Mitte die majestätische Marmolata.„
Darüber hinaus untermauerte Innerebner die Bedeutung des Naturschutzes, wenngleich er hinzufügte, dass sich „Verletzungen der Naturschönheiten“ beim Bau von Wasserkraftanlagen nicht immer vermeiden ließen: „Beim Bau von Wasserkraftanlagen lassen sich. Verletzungen der Naturschönheiten leider nicht immer vermeiden, doch sind alle Beteiligten schon wegen der scharfen Kritik der Öffentlichkeit bestrebt, die Schädigungen auf ein erträgliches Maß herabzusetzen, was bei einer Reibe von Kraftanlagen in vorbildlicher Weise gelang, bei gleichzeitiger Pflege von Naturschönheiten. Nicht zuletzt ist dies ein Verdienst der erzieherischen Tätigkeit des Alpenvereins.„
Zu Wort kam auch die Annexion Südtirols: „Der furchtbare Weltkrieg mit seinen Folgen hat auch den DuÖAV getroffen. Die Eigentumsverhältnisse der Sektionen des Deutschen Alpenvereins an den von ihnen erbauten Hütten wurde strittig. Hohen Dank und restlose Anerkennung zollen wir dem verblichenen 1. Vorstand des ÖAV, Hofrat Professor Martin Busch, seinem Stellvertreter Univ. Prof. Dr. Hans Kinzl und ihren Mitarbeitern für die Ermöglichung einer glücklichen Lösung der Angelegenheit, nach der die Hütten den deutschen Sektionen verblieben. Dies entspricht nicht nur voll und ganz unserem Rechtsempfinden, sondern auch unseren freundschaftlichen Beziehungen zu den Bergsteigern jenseits unserer Staatsgrenzen, insbesondere zu den Mitgliedern des DAV und des AV in Südtirol.„
Eingebunden in die Verkehrspolitik
Aufschlussreich ist der Briefkontakt zwischen Karl Innerebner und Guido Jakoncig. Am 17. Mai schrieb Innerebner an Jakoncig: „Das Terzett, Graf Hans Trapp, Sie u. Dr. Augenthaler‘ verfaßte ein Memorandum über die durch Jahrhunderte erfolgte innige Verflechtung der Wirtschaftsverhältnisse Tirols beiderseits des Brenner, dieses zeigte Tiroler Landeshauptmann Ing. Weißgatterer dem damaligen österr. Außenminister Gruber anläßlich dessen Reise nach Paris bei seinem kurzen Aufenthalt in Innsbruck. Gruber nahm sich nicht die Mühe, mit den Verfassern des Berichtes zu sprechen. Hätte er Sie gebeten, als Experte nach Paris mit zu kommen, wäre das ‚Gruber-Degasperi‘ Übereinkommen anders ausgefallen! Sie haben als österreichischer Minister den Handelsvertrag Osterreichs mit Italien abgeschlossen, kannten die Verhandlungstechnik der italienischen Vertreter, beherrschen souverän die italienische Sprache. Wären Sie damals mit in Paris gewesen, hätte es Jahre später weniger Bombenanschläge und Monsterprozesse gegeben!“
An dieser Stelle zahlt sich eine Auseinandersetzung mit Guido Jakoncig aus. Jakoncig stammte aus Istrien, kam 1895 in Koper im österreichischen Küstenland zur Welt, wuchs in Hall in Tirol auf. Er diente im Ersten Weltkrieg bei den Kaiserjägern und studierte Rechtswissenschaten in Innsbruck, wurde im „Corps Rhaetia“ aktiv. Als Rechtsanwalt war er in Meran und Innsbruck tätig. Im Austrofaschismus wurde er zwischen 1932 und 1933 Minister für Handel und Verkehr und leitete ab Mai 1933 das Bundes-Wirtschafts- und Ständeamt. Gegenüber dem Deutschen Reich vertrat er eine Politik der Öffnung.
Im Dezember 1945 wurde Jakoncig wegen „proösterreichischer Propaganda“ in Italien verhaftet. In der Nachkriegszeit war er als Anwalt tätig. Sein Betätigundfeld umfasste vor allem die Wirtschafts- und Verkehrspoltik. Dem „Pariser Vertrag“ konnte Jakoncig durchaus Positives abgewinnen und betätigte sich in der Folge mit Blick auf handelspolitische Sonderregelungen für Südtirol.
Der Artikel 3d im „Pariser Vertrag“ sah vor: „Besondere Vereinbarungen zur Erleichterung eines erweiterten Grenzverkehrs und eines örtlichen Austausches gewisser Mengen charakteristischer Erzeugnisse und Güter zwischen Österreich und Italien zu schließen.“ Darauf versuchte Jakoncig aufzubauen und versuchte, eine Tiroler Freihandelszone zu verwirklichen. Das war weitreichend, weil es zu jener starre nationalstaatliche Grenzen gab.
Guido Jakoncig gilt als „geistiger Vater“ des „Accordino“: Das Accordino war ein 1949 geschlossenes Abkommen zwischen Österreich und Italien auf der Grundlage des Pariser Vertrags zur Erleichterung des Warenaustauschs zwischen den Bundesländern Tirol und Vorarlberg einerseits und der Region Trentino – Südtirol andererseits. Das „Accordino“ beinhaltet die unbeschränkte Ein- und Ausfuhr von landwirtschaftlichen Produkten und die Zollfreiheit für verarbeitete Waren. Mit dem EU-Beitritt Österreichs war das Sonderabkommen hinfällig.
Zudem wurde Jakoncig Verkehrspolitiker, Gesellschafter und Geschäftsführer der Brenner Tunnel- und Alpenstraßen-Verkehrsgesellschaft. Der Bau des Brennertunnels und des Innsbrucker Flughafens gingen auf seine Ideen zurück.
Trotz seiner umfangreichen beruflichen Verpflichtungen hielt er auch noch im hohen Alter von 95 Jahren Vorträge über die Entwicklung der Energiewirtschaft in Tirol, wobei er aus seiner eigenen, jahrzehntelangen Erfahrung berichtete.
Ehrungen

Karl Innerebners Lebensleistung wurde mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt: Er erhielt unter anderem 1916 das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens, wurde 1921 zum Oberbaurat ernannt, 1923 wurde ihm ein Ehrendoktorat der Technischen Hochschule München verliehen, 1926 das Komturkreuz der Österreichischen Verdienstordens, 1950 die silberne Verdienstmedaille und 1956 der Goldene Ehrenring der Gewerbekammer Tirol, 1965 wurde er Ehrensenator der Universität Innsbruck, erhielt 1950 den Ehrenring der Stadt Innsbruck und wurde 1966 Ehrenbürger der Stadt Innsbruck.
Freie Reden hielt Karl Innerebner auch noch 1966 als Fast-Hundertjähriger: Vom Redenhalten, das in der Studentenverbindung gepflegt wird, zehrte er wohl auch im Alter.
Hermann Kastner dankte 1961 in seinem Werk „Statik des Tunnel- und Stollenbaues auf der Grundlage geomechnischer Erkenntnisse“ in besonderer Art und Weise Karl Innerebner, der im zehnten Lebensdezennium stand:

Besonders am Herzen lag ihm die Errichtung der Technischen Fakultät an der Universität Innsbruck, deren Umsetzung er viele Jahre unterstützte und die schließlich 1969 realisiert wurde.
Karl Innerebner verstarb im September 1970 in Innsbruck. 1974 wurde die Karl-Innerebner-Straße im Innsbrucker Stadtteil Hötting West in der Nähe der Mittenwaldbahn nach ihm benannt.
100 Jahre Karl Innerebner
1997 wurde die Firma „Innerebner & Mayer“ an die STUAG und dann weiter an die STRABAG verkauft.

Zum Sterben bemerkte er zu seinem 100. Geburtstag, im April 1970: „Ich habe immer viel vom Arbeiten gehalten. Wer viel arbeitet, hat keine Zeit zum Kranksein. Ich habe mein ganzes Leben lang immer viel gearbeitet: durchschnittlich 12 Stunden am Tag, vielfach auch am Sonntagvormittag. Die Erleichterungen in arbeitsrechtlicher Hinsicht sind ja erst später gekommen. Allerdings wäre ich schon in jungen Jahren bald gestorben: als ich 21 Jahre alt war, hatte ich als Student ein Säbelduell unter schwersten Bedingungen mit entblößtem Oberkörper ohne Kettenhandschuhe und abgetretenen Sekundanten. Mein Gegner war ein großer, schwerer Mensch. Leider war mein erster Hieb flach, so daß er nicht richtig traf. Sein Hieb war auf meinen Arm gezielt, fuhr aber zwischen den Rippen in meinen Körper hinein, hat das Zwerchfell und ein Stück der Lunge durchschnitten und auch die Leber beeinträchtigt. Als der Arzt kam, sagte er: „In einer Viertelstunde ist es mit ihm aus.“ Ich habe kaum mehr reden können, weil durch das Loch in der Lunge nur mehr ein Lungenflügel in Betrieb war, und habe gebeten, daß man mich so schnell wie möglich mit einem Wagen in die Klinik bringt. Dort hat mir der Arzt zuerst das Zwerchfell an der oberen Rippe angenäht und vier Tage später die Muskeln und die Haut in Ordnung gebracht. Nach 13 Tagen habe ich das Krankenhaus verlassen können. Einige Zeit später meldete ich mich in Wien bei der Nachmusterungskommission beim Militär. Ich legte das Gutachten des Krankenhauses vor, und der Arzt, der mich untersuchte, erklärte sofort: „Untauglich.“ Dagegen erhob der Vorsitzende der Kommission Einspruch und sagte: „Der junge Mann hat doch eine breite Brustkorb, der kann doch ein hohes Alter erreichen.“ Aber der Arzt sagte: „Nein, mit ihm ist nichts mehr zu machen.“ Der Gefreite, der mich von der Kommission wieder zurück in die Kaserne brachte, sagte mitfühlend zu mir: „Müssen Sie wirklich so schnell sterben?“ Ich antwortete: „Sterben muß ich sicher einmal. Aber jetzt gleich, glaube ich nicht.“
Nach einem ereignisreichen Leben, das 100 Jahre umfasste, starb Karl Innerebner am 5. September 1970 in Innsbruck.








Rede Karl Innerebners anlässlich der Verleihung des Goldenen Alpenverein-Abzeichens 1960
Geehrter Herr Sektionsobmann, meine Damen und Herren! Der Sektionsleitung Innsbruck sage ich für die Überreichung des „Goldenen AV-Abzeichens“ anlässlich meiner 60-jährigen ununterbrochenen Mitgliedschaft wärmsten Dank. Ich werde das Edelweiß mit Stolz bis zu meiner letzten Fahrt tragen.
Schon viele Jahre vor 1901 war mir der Alpenverein ein eindrucksvoller Begriff. In meiner Heimatstadt Bozen aufgewachsen und als junger Ingenieur vielerorts in Südtirol tätig, erlebte ich eine Glanzzeit der Touristik und der bergsteigerischen Erschließung der Bergwelt durch den Bau von Hütten, Steigen und anderem mehr.
Die berühmten Alpinisten: Joh. Bell, Paul Grohmann, Dr. Christomannas, Albert Wachtler, Johann Santner (Santnerspitze am Schlernmassiv) Delago u. a. In., Bergsteiger mehrerer europäischer Völker, waren bestaunte Vorbilder unserer Jugend, regten sie an, ihnen gleich auch in den Bergen zu wandern, sich an den Naturschönheiten zu erfreuen, aufzusteigen zu den einsamen Domänen der Sennen und Hirten, zu den lichten Höhen der Berge, auf denen man sich dem Himmel und dem Herrgott näher fühlt.
Die DuÖAV-Sektion Bozen, mit dem Vorstand Albert Wachtler, und die Sektion Meran unter Führung Dr. Theodor Christomannos entfalteten eine segensreiche Tätigkeit. Sie setzten sich mit Wort, Schrift und Tat ein für die Erschließung mit Straßen des zwischen den Flüssen Rienz, Eisack und Piave liegenden wegarmen alpinen Dolomitengebietes, mit seiner eigenartigen, landschaftlichen Schönheit, mit den fahlgrauen, hochragenden zerrissenen Felsbergen, in ihrer Mitte die majestätische Marmolata. Ein Dorado für Bergkletterer, das nach dem Mineralogen und Malteserritter Dr. Deodat Dolomieu seinen Namen erhielt.
1897 beschloß der Tiroler Landtag, dank der unermüdlichen Tätigkeit des Alpenvereins, das Dolomitenstraßennetz zu bauen. 1911 wurde es nach Überwindung großer Schwierigkeiten vollendet. Dr. Christomannos tat ein übriges und errichtete die von Alpenfahrern viel besuchten Alpenhotels „Karersee“ und „Canazei“.
Die Erschließung der Firn- und Gletscherwelt der Ortlergruppe führte Christomannos mit der Sektion Meran ebenfalls durch., baute eine von der Stilfser-Joch-Straße bei Gomagoi abzweigende Wegverbindung bis Sulden, errichtete die Alpenhotels „Sulden“ und „Trafoi“. Letzteres wurde im zweiten Weltkrieg durch Bomben vernichtet und nicht wieder aufgebaut.
Auf einem imposanten Felsblock am Karerseepass steht ein 2,50 m hoher Adler in Bronze, der stolz in die Ferne blickt, geformt von der Hand der bedeutenden Bozner Künstlerin Maria Delago, als Denkmal für Christomannos.
Als der Bozner Dr.-Ing. h. c. Josef Riehl, der als erster einen Entwurf für die Straßenverbindung von Bozen über das Pordoijoch (Scheitelhöhe 2239 m) und den Falzaregopaß nach Cortina d’Ampezzo verfaßte, nach Innsbruck übersiedelte, wurde auch ich hier sesshaft und hatte reichlich Gelegenheit, mit Riehl an vielen großen alpinen Bauvorhaben mitzuwirken, wurde bald gewahr, daß der Alpenverein der verkehrsmäßigen Erschließung der Berge Grenzen setzt.
1952 jährt sich zum hundertsten Male der Gründungstag des Österreichischen Alpenvereins. Die Naturschönheiten zu hüten, zählt ganz besonders zu seinen Aufgaben, wobei er erfolgreich bestrebt ist, in der Bevölkerung das Verständnis für die Pracht der Berge und den Sinn für die Pflege der Naturschönheiten zu wecken, Eine Reihe von Berggebieten soll unberührt von Seilbahnen den Hochtouristen und Kletterern reserviert bleiben, eindrucksvolle Gebiete (Karwendel) gesetzlichen Naturschutz erhalten, Der Alpenverein erhebt stets Einspruch gegen Ausführung von Bauten, welche Naturschönheiten zerstören und erhält dabei die lebhafte Zustimmung weiter Kreise der Bevölkerung, die aber das Gute, die Erschließung schöner Landschaftsbilder, die mit alpinen Bauten auch verbunden ist, als Selbstverständlichkeit hinnehmen und nicht besonders werten.
Hierzu einige Beispiele: Seit dem Bau der Straße über das Stilfser Joch 1825 (Scheitelhöhe 2758 m) fand die Kunst des Straßenbaus in Tirol meistermäßige Anwendung und wurde zur Tradition.
Einstens schenkte man jedoch der Schönheit der Bergwelt geringe Beachtung, heute sind unsere Straßenbauer bestens bemüht, bei Legung der Trasse, die eindrucksvollen Landschaftsbilder zu erschließen.
In guter Weise ist dies mehrmals gelungen, so bei der Achenseestraße mit der Kanzelkehre, bei der Straße Ötz-Imst u. a. Die in Bau befindliche Autobahnstrecke Innsbruck-Europabrücke-Schönberg erschließt den Ausblick auf die Bergwelt besser als die 100 m tiefer verlaufende alte Straße mit ihren 84 Windungen. Die neue Straße wird zu den schönsten Alpenstraßen zählen.
Beim Bau von Wasserkraftanlagen lassen sich Verletzungen der Naturschönheiten leider nicht immer vermeiden, doch sind alle Beteiligten schon wegen der scharfen Kritik der Öffentlichkeit bestrebt, die Schädigungen auf ein erträgliches Maß herabzusetzen, was bei einer Reibe von Kraftanlagen in vorbildlicher Weise gelang, bei gleichzeitiger Pflege von Naturschönheiten. Nicht zuletzt ist dies ein Verdienst der erzieherischen Tätigkeit des Alpenvereins. Unserer AV-Sektion danken wir wärmstens für ihr ständiges erfolgreiches Bemühen, die Jugend für das Bergwandern zu begeistern. Nicht vergessen sei, daß an der Entwicklung des alpinen Skilaufes unsere einheimischen Alpinisten Hannes Schneider, St. Anton, und Oberst Bilgeri wesentlichen Anteil hatten.
Der furchtbare Weltkrieg mit seinen Folgen hat auch. den DuÖAV getroffen. Die Eigentumsverhältnisse der Sektionen des Deutschen Alpenvereins an den von ihnen erbauten Hütten wurde strittig. Hohen Dank und restlose Anerkennung zollen wir dem verblichenen 1. Vorstand des ÖAV, Hofrat Professor Martin Busch, seinem Stellvertreter Univ. Prof. Dr. Hans Kinzl und ihren Mitarbeitern für die Ermöglichung einer glücklichen Lösung der Angelegenheit, nach der die Hütten den deutschen Sektionen verblieben.
Dies entspricht nicht nur voll und ganz unserem Rechtsempfinden, sondern auch unseren freundschaftlichen Beziehungen zu den Bergsteigern jenseits unserer Staatsgrenzen, insbesondere zu den Mitgliedern des DAV und des AV in Südtirol. Als uneigennütziger Bauberater der Sektionen des Österreichischen und des Deutschen Alpenvereins sowie als bewährter Helfer bei der Planung des AV-Hauses in Innsbruck hat sich Baudirektor Dipl.-Ing. Jakob Albert besonders verdient gemacht.
Der Gesamtheit des DAV unter Führung des nunmehrigen 1. Vorstandes, dem Kenner und wissenschaftlichen Erforscher der europäischen Alpen und der südamerikanischen Bergwelt, Universitätsprofessor Dr. Hans Kinzl, und der Sektion Innsbruck des ÖAV unter seinem zielstrebigen Vorstand Dr. Rudolf Pfeningberger wünsche ich auch weiterhin Gedeihen, Blühen und Erfolg.
Nochmals: Habet Dank!

Rede Karl Innerebners anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Innsbruck 1966
Hochverehrter Herr Bürgermeister, sehr verehrte Vizebürgermeister, Ratsherren, Ratsfrauen, hochverehrter Herr Landeshauptmann Ökonomierat Wallnöfer! Hohe Versammlung!
Aus der Laudatio, die mir der verehrte Bürgermeister widmete, klang so viel Wohlwollen und hohe Anerkennung für mein Wirken im Interessenbereich der Gemeinde Innsbruck und des Landes Tirol. Mit einhelliger Zustimmung des Gemeinderates der Landeshauptstadt von Tirol wurde ich mit der hohen Auszeichnung eines Ehrenbürgers bedacht. Es ist mir dies eine hohe Freude, die mich außerordentlich beglückt. Aber es verpflichtet mich zu einer Rückschau auf meinen Lebensweg, zu einer Prüfung, ob ich auch nur einigermaßen diese Ehrung und Auszeichnung verdient habe. Gestatten Sie mir daher, daß ich mit flüchtigen Strichen einige erlebte Sachen im Laufe der verflossenen Jahrzehnte zu zeichnen versuche.
Vor 96 Jahren kam ich im sonnigen, rebenumrahmten Südtirol, in meiner Vaterstadt, der allen Handelsstadt Bozen, zur Welt. Damals gab es noch keine elektrische Glühbirne. Das erste Licht der Welt, das ich erblickte, war eine Petroleumfunzel. Dann vor 70 Jahren wurde das erste große Elektrizitätswerk, das Elektrizitätswerk an der Etsch für die Gemeinden Bozen und Meran errichtet. Ich hatte damals als junger Staatsingenieur von Amts wegen beim Bau zu tun. kam damit in persönliche Beziehungen zum Schöpfer des Werkes, Geheimrat Dr. Oskar von Miller, dem Pionier der Eletktrizitätswirtschaft in Europa, der aus seiner Ausstellung in Frankfurt im Jahre 1891 beim Startschuss den Siegeslauf des Elektromotors unserem Erdenrund brachte, ebenso mit seinem freund Oberbaurat Dr. Ing. Josef Riehl, genannt der Eisenbahnvater von Tirol.
Als dann die beiden Herren gemeinsam die Brennerwerke in Matrei für Industriezwecke errichteten, nahmen sie mich mit. Ich trat aus dem Dienste des Staates in die Riehls mit dem Rechte der Nachfolge in seinem Betrieb. Wir hatten damals den Betrieb durch Hinzuziehung von tüchtigen Ingenieuren erweitert und zu einer Kameradschaft von Ingenieuren, Angestellten und Arbeitern entwickelt. Ich hatte dann Gelegenheit, bei zahlreichen Bauschöpfungen verschiedener Art in Tirol, Vorarlberg und den übrigen Ländern Österreichs mitzuwirken!
Innsbruck war damals eine kleine Stadt mit 20.000 Einwohnern mit hoher geschichtlicher Vergangenheit, eine Stadt der Behörden, der Schulen, der Universität und der Gar nison. Aber damals war ein Gcmeinderat, bestehend aus sehr tüchtigen, unternehmungsbereiten Persönlichkeiten verschiedener politischer Couleurs, die trotz der Divergenz ihrer Linien vorbildlich zusammenarbeiteten im Dienste der Gemeinde. Unter Führung des ausgezeichneten Bürgermeisters Wilhelm Greil, einer schöpferischen, weitblickenden Persönlichkeit mit Durch schlagstraft, begann durch die Leistungen des Gemeinderates und der Gemeinde ein rascher Aufstieg von Innsbruck.
Unsere Kameradschaft unter Führung Riehls hatte auf zwei Sektoren der Wirtschaft Gelegenheit, der Gemeinde zu dienen: auf dem Sektor des Verkehrs und dem Sektor der beginnenden Energiewirtschaft. Auf dem Sektor des Verkehrs bauten wir für die Gemeinde Straßen, die Igler Bahn, die Stubaitalbahn, die elektrischen Stadtbahnen, die Hungerburgbahn und die Hafelekarbahn. Dann die große, elektrisch betriebene Vollbahn, die Mittenwaldbahn oder Karwendelbahn, wie sie jetzt heißt, samt dem ersten großen Bahnkraftwerk, dem Ruetzwerk.
Auf dem Gebiet der Energiewirtschaft befanden wir uns damals auf einer „Terra incognita“. Es fehlten die Vorbilder für große Werke. Um ein Beispiel zu geben: Wir bauten damals die Schnalstalwerke in Südtirol. Bei diesem Werk, die Berglehnen waren mit großen Blöcken übersät, konnten aus wirtschaftlichen Gründen eine Rohrleitung und ein Leerlauf nicht angebracht werden. Wir mussten daher einen Druckschacht machen. Aber bei dem hohen Druck von 100 Meier war die Betonierung des Schachtes nicht genügend, sie würde platzen. Wir mussten daher mit Stahlblech den Schacht auskleiden. Das war der erste gepanzerte Druckschacht in Österreich.
Vor demselben Dilemma standen wir bei der Projektierung des Wasserschlosses am Beginn der Rohrleitung ohne Leerlauf. Die Ermittlung der Höhe und des Umfanges dieses Bauteiles war ein mathematisch nicht leicht zu ösendes Problem, aber es gelang. Wir machten das Wasserschloss entsprechend groß und hoch, aber die gereifte Form eines Wasserschlosses mit Unterkammer und Oberkammer brachten wir erst beim Achenseewerk zur Ausführung.
Ähnliches bezog sich auf Druckstollen, Leerlauf usw. die wir recht und schlecht mit einem Stab von wissenschaftlich geschulten Mitarbeitern — Ingenieuren — durchführten. In Innsbruck bauten wir für die Stadt im Jahre 1901 und 1903 das große Sillwerk in Patsch. Wir planten auch das Achenseewerk als Speicheranlage. Bürgermeister Greil, sehr begeistert für diese Schöpfung, versuchte den See für die Stadtgemeinde zu erwerben. Durch Jahre vergeblich, endlich gelang es ihm. Die Finanzierung des Werkes konnte nur in Form einer Aktiengesellschaft durchgeführt werden, wobei die Stadtgemeinde die Mehrheit, das Land nur 5 Prozent und die übrigen wurden von Wiener Banken übernommen. Die Finanzierung war erst durchführbar nach Sicherung des Stromabsatzes, der mit Vertrag mit den Bayern-Werken gelang.
Dann kam im Jahre 1920 die Großaktion der Elektrifizierung der österreichischen Bahnen. Es war selbstverständlich und folgerichtig, dass diese Aktion in Tirol begann, denn hier war die erste elektrisch betriebene Vollbahn, das erste große E-Werk am Ruetzbach, und der Bau des Achenseewerkes, das Industrie- und Bahnstrom zu liefern hatte, stand vor dem Plan. Wir bauten damals das Speicherwerk Spullersee in Vorarlberg und in Arbeitsgemeinschaft das Achenseetraftwerk. Die beiden Kraftwerke waren die ersten Speicherwerke in Österreich – Vorbilder für alle folgenden.
Die Elektrifizierung oder der Ausbau der Energiewirtschaft in Tirol ging dann stark weiter. Städte, Gemeinden, Genossenschaften, Gewerbebetriebe und Landwirte bauten Werke verschiedener Größe. Mit dem Achenseewerk verbunden ist auch die Schaffung der Verbundwirtschaft. Es wurde das Achenseewerk mit den übrigen Werken in Tirol verbunden und darüber hinaus mit den Bayern-Werken. Der Ausbau der Energiewirtschaft ging weiter bis zum Jahre 1930.
Im Jahre 1930 brach eine schwere Wirtschaftskrise in Amerika aus, griff auf Österreich über und führte zum Zusammenbruch jener Banken. Der Ausbau der Energiewirtschaft ging damit nur gedämpft weiter.
Im Jahre 1938 kam der Zwangsanschluss an das Deutsche Reich. Zu Beginn eine reiche Ausbautätigkeit. Es wurde das Gerloskraftwerk, das Werk Kirchbichl geschaffen und das Werk im Ötztal begonnen. Dann kam die Katastrophe, der Zusammenbruch, die Besetzung Österreichs und Tirols durch die Siegermächte; alle Räder blieben still.
Während der braunen Zeit wurde die Stadtgemeinde ihrer Macht in der Energiewirtschaft entkleidet. Sie musste unter Zwang das Achenseewerk gegen eine geringe Bezahlung an ein deutsches Konsortium abgeben. Infolgedessen waren dann beim Zusammenschluss diese ganzen Werke Staatseigentum. Es wurde zur selben Zeit auch ein Staatsgesetz über die Verstaatlichung der gesamten Energiewirtschaft gefaßt. Es drohte für Tirol in der Energiewirtschaft eine Tragödie. Es wurde aber doch besser als befürchtet. Das Achenseewerk mit Zubehör, mit Ausnahme des Gerloswerkes, wurde dem Land übergeben. Die beiden Zillertaler Werke bekam die Tauernwerkgesellschaft, eine Tochtergesellschaft der Verbundgesellichaft, mit der Verpflichtung zum weiteren Ausbau, dem sie jetzt nachkam und der Verpflichtung, die Winterkraftleistung dem Achenseewerk zu überlassen, damit dieses die Verpflichtung der Stromabgabe nach Bayern und Innerösterreich durchführen konnte.
Die Stadtgemeinde Innsbruck machte ihre Ansprüche geltend, aber umsonst. Sie erhielt nur eine kleine Geldentschädigung. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen! Es ist bedauerlich, dass auch die Brennerwerke nicht der Stadtgemeinde übergeben wurden. An sich ist es richtig, dass das Achenseewerk dem Land und nicht der Stadt verblieb, damit das Land die Verpflichtung hat, den Ausbau durchzuführen. Das besorgte damals das Land auch glänzend durch einen ausgezeichneten Stab von Ingenieuren und die Verbindung mit Herren in der Landesregierung.
Es wurde die Dürrach in das Achenseewerk eingeleitet, das Innwerk bei Imst gebaut und das Kaunertalwerk mit dem Pumpspeicherwerk. Nur das angefangene Ötztaler Werk blieb als Gemeinschaftswerk dem Land Tirol und der Verbundgesellschaft.
Die Speicherwerke gewinnen immer mehr an Bedeutung. Je mehr die Energiewirtschaft in Europa zunimmt, um so wertvoller werden die Speicherwerke. Das geplante Speicherwerk im Ötztal wird das zweitgrößte in Europa. Das größte ist das Vianden-Werk in Luxemburg. Das Speicherwerk im Ötztal ist nur um 10 Prozent in der Leistung geringer.
Es ist zu hoffen — mein Vertrauen gilt dem verehrten Herrn Landeshanptmann —, daß es gelingt, das Werk allein durch das Land ohne Verbundgesellschaft zustande zu bringen, um so mehr, als die Verbundgesellschaft ja schon ein Plus im Zillertal bekommen hat. Außerdem hat die Verbundgesellschaft, was anzuerkennen ist, das Umspannwerk bei der Station Ötz ausgeführt. Es ist das bedeutendste Umspannwerk in Österreich. Von hier aus laufen die Leitungen über das Marienberger Joch nach Deutschland, über Vorarlberg nach Deutschland und Frankreich, über Reschen nach Italien.
Innsbruck, mit der Groteske, daß es die Schöpferin der Tiroler Energiewirtschaft ist, hatte nur mehr das Sillwerk in Besitz und die kleine Wasserkraftanlage in Mühlau. Aber es begann nun mit dem Ausbau des Wasserkraftwerkes Mühlau bei der höchstmöglichen Gefällstufe. Die Kunst war, die viele Quellen, die in Abständen von 130 Meter sich befinden, mit einem Sammelstollen im Berginneren abzufangen, und es gelang. Mit dem Wasserwerk kommt die Gemeinde Innsbruck an erster Stelle in der Trinkwasserversorgung der Einwohner unter den Städten nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa.
Das erschlossene Wasser bei Mühlau ist ein einwandfreies, weiches Wasser; es hat nur (…) Härtegrade und eine Temperatur von 5 Grad. Die Quellen sind nur 1 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und leisten nebenbei 11 Millionen Kilowattstunden an Energie. Ebenso hat die Gemeinde gegenwärtig die Untere Sill im Bau. Jedenfalls sind das alles Glanzleistungen der Gemeindeverwaltung, der zuständigen Stellen in Innsbruck.
Aber Tirol ist nicht nur beglückt durch eine gute Verwaltung der Stadt Innsbruck; ebenso gut sind die Landes- und die Staatsverwaltungsbehörden in Tirol. Ich verweise z. B. auf den Bau von Straßen, den vor 150 Jahren erfolgten Bau der Straße über das Stilfser Joch in Südtirol, der höchsten Alpenstraße in Europa. Diese Tradition mit italienischem Einschlag – der Italiener hat auch eine glänzende Technik im Straßenbau – wurde weitergepflegt bis heute, mit dem Unterschied, dass man früher beim Straßenbau an die Erschließung des Bildes der Berge keinen Bedacht genommen hat, während jetzt von unseren ausgezeichneten Straßenbauingenieuren darauf geachtet wird. Ich könnte verschiedene Straßen nennen. Es genügt aber, wenn Sie die Strecke betrachten über die Europabrücke hinauf auf den Brenner. Dieser Ausbau der Straßen geht zügig weiter.
Dann etwas anderes: die Eisenbahnverwaltung. Die Eisenbahndirektion in Innsbruck hat den beengten Bahnhof in Innsbruck derart modern ausgebaut, dass er ohne weiteres mit einem pflichtbewussten Bahnpersonal imstande ist, die zahlreichen Sonderzüge, die zu Dutzenden im Sommer geführt werden müssen, klaglos abzuwickeln. Die Entwicklung auf der Bahn geht auch weiter. Auch der Flugplatz ist in voller Entwicklung begriffen durch die Stadt. Es ist interessant: Der Platz in der Reichenau, der erste Flugplatz, war nicht geeignet. Im schmalen Inntal ist es schwierig, eine richtige Stelle zu finden. Die zweckmäßigste ist doch die dann ausgebaute bei Kranebitten. Dieser Platz wurde durch die französische Armee ausgebaut. Wir verdanken dies Herrn General Béthouart.
Dann noch ein Drittes: In den österreichischen Alpen, insbesondere in Tirol, wurde der alpine Skilauf entwickelt. Auch fand in Tirol der Bau der ersten Seilbahn für Personenverkehr statt, von Bozen auf den Kohlern. Das wurde weiterentwickelt, so dass Tirol gegenwärtig das Land der Seilbahnen ist. Durch Straßen und Seilbahnen hat die Gemeinde Innsbruck das Gelände in der Umgebung von Innsbruck einschließlich Axamer Lizum für den Wintersport erschlossen. Die Winterolympiade ist glänzend verlaufen. Man hat Innsbruck als Sportplatz von Format am ganzen Globus bekannt gemacht.
Darf ich dann noch zwei andere Gebiete erwähnen, mit denen wir gar nichts zu tun hatten, aber nur der Vollständigkeit halber: Innsbruck ist die Wiege der europäischen Post seit dem Kaiser Maximilian. Der Schwung scheint auch wiederum wirksam gewesen zu sein, denn die Modernisierung des Fernsprechwesens in Österreich hat ebenso wie die Elektrifizierung der Bahnen in Innsbruck begonnen, dank der rührigen Innsbrucker Postverwaltung für Tirol und Vorarlberg.
Dann ein anderes Gebiet: Innsbruck hat das Glück, ausgezeichnete Schulen zu haben – Volksschulen, Mittelschulen, Fachschulen verschiedener Art, Universität, Handelsausbildung in neuzeitlicher Entwicklung. Mit den übrigen Kulturstätten in der Stadt ist Innsbruck zu einem Kulturzentrum von Rang geworden, zu dem Jahr für Jahr Tausende von Studienbeflissenen aus verschiedenen Herren Ländern und Kontinenten nach Innsbruck kommen. Innsbruck hat sich von der Kleinstadt zur Jahrhundertwende mit 20.000 Einwohnern zu einer Großstadt mit 110.000 Einwohnern entwickelt, besonders wegen seiner rührigen Gemeindevertretung und ausgezeichneten Bürgermeister von Greil bis Dr. Lugger.
Wenn mir heute so viel Anerkennung und Ehrung gezollt wird, so ist mir voll bewusst, dass es mir als Exponent dieser Arbeitsgemeinschaft, dieser Kameradschaftsgesellschaft gilt. Denn dass ich Gelegenheit hatte, bei verschiedenen wichtigen Angelegenheiten und Schöpfungen mitzumachen, ist nicht ein persönliches Verdienst, das ist eine Gnade des Schicksals. Auf jeden Fall bin ich der Gemeindevertretung hoch dankbar für die Anerkennung, die sie mir zollt. Es ist dies ein Abgangszeugnis und Knick für mich, aber die Erneuerung zum Ehrenbürger ist mehr. Das ist wie ein helles Leuchten am späten Abend meines Lebens. Ich danke daher aus ganzem Herzen den Gemeindevertretern. Ich gedenke dabei meiner Kameraden, deren Zahl seit Jahrzehnten einige Tausend beträgt, die die Erde deckt.
Ich danke und grüße die gegenwärtig noch diensttuenden Kollegen, und ich danke allen Staats-, Landes- und Stadtbaustellen, die unserer Kameradschaft bei der Durchführung von Bauten geholfen haben. Bei Überblickung der Liste der Ehrenbürger sehe ich, dass sie beginnt mit Stadträten und mit Ministern, Bürgermeistern und prominenten Persönlichkeiten, die der Stadt Dienste geleistet haben. Darunter befinden sich zwei Persönlichkeiten, denen ich besonderen Dank verpflichtet bin. Das ist mein einstiger Meister Riehl und der Geheimrat Miller von München, und der Letzte in der Reihe, der vor 11 Jahren die Ehrenbürgerschaft bekommen hat, ist mein teurer verstorbener Freund Monsignore Propst Dr. Josef Weingartner.
Ich danke also nochmals aus ganzem Herzen für Ehrung und Anerkennung.
Literatur:
[1] Elisabeth Baumgartner: „Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol. Verkehrsgeschichte zwischen Kufstein und Ala im Spannungsfeld von Tourismus, Politik und Kultur“, Haymon Verlag, Innsbruck 1990
[2] „Der Bergsteiger“ Heft 11, 1960 – 1961
[3] Irene Pallua: „Elektrizität für Tirol Eine Geschichte der Tiroler Wasserkraft AG seit 1924“, Universität Innsbruck, Innsbruck 2022
[4] Link
[5] Amtsblatt Nr. 06 / 1966, Amtsblatt der Landeshauptstadt Innsbruck
[6] Magdalena Pernold: „Traumstraße oder Transithölle? Eine Diskursgeschichte der Brennerautobahn in Tirol und Südtirol (1950-1980)“, Transcript Verlag, Bielefeld 2016
Foto: Innsbruck erinnert sich (Link)


Hinterlasse einen Kommentar