Begriffe: Deutschtirol, Südtirol und Welschtirol

Published by

on

Im Volksmund wird behauptet, als „Südtirol“ sei bis zur Annexion Tirols südlich des Brenners 1919 das Welschtirol bezeichnet worden. Dabei handelt es sich um eine Behauptung, die nur in Teilen historisch korrekt ist.

In der Werdung Tirols nahm die Grafschaft Trient stets eine Sonderrolle ein. Das Herzogtum Trient war eines der wichtigsten Herzogtümer im Langobardenreich. Um 1150 wurden die Grafen von Tirol Vögze des Hochstifts Trient, gliederten die Ländereien bis nördlich von Trient in die Grafschaft Tirol ein. Das Reichsfürstentum Trient wurde erst 1803 administrativ in Tirol eingegliedert.

Dass es sich dabei effektiv um eine Grenze handelte, die nördlich von Trient verlief, wird aus den zeitgeschichtlichen Episoden ersichtlich. Auf Betreiben der Bozner Bürger verhängte Herzog Leopold III. 1372 das Verbot, »Welschwein« über den Avisio hinweg »ins Land« (nach Tirol) zu liefern. Die diesbezüglichen Einschränkungen wurden durch die »Bauerschaft an der Etsch« und das Gericht Salurn bis ins 18. Jahrhundert erneuert. Das historische Tirol bestand aus unterschiedlichen Realitäten.

Die Gebiete im südlichen Bereich des Fürstentums Trient wurden als »Welsche Konfinen« (»Welsche Grenzländer«) bezeichnet. Der Begriff der »Welschen Konfinen« bezeichnete in erster Linie jene Ländereien, die an das »Welschland« grenzten und bezog sich darauf, dass südlich davon die Bevölkerung italienisch war, während selbst im Raum Rovereto (Rovreit) mit dem Brandental beachtliche deutsche Sprachinseln angesiedelt waren.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde der Bereich zwischen Avisio und Terlan als „Etschviertel“ bezeichnet. 1605 wurde das Viertel an der Etsch in ein oberes und unteres Etschviertel aufgeteilt, zum unteren gehörten die Gerichte Kurtatsch, Tramin, Enn, Salurn, Unterfenn, Königsberg, Kronmetz, Segunzan, Fleims und Grumeis. 1609 wurden Königsberg, Kronmetz und Segunzan den »Welschen Konfinen« zugeschlagen, indem diese mit den Gerichten am Nons- und Sulzberg die »Oberen Welschen Konfinen« bildeten.

Die Begrifflichkeiten »Deutschtirol« und »Welschtirol« bezeichneten das mehrheitlich deutsche sowie das mehrheitlich italienische Tirol. Es handelte sich dabei um keine offiziellen, sondern um umgangssprachliche Bezeichnungen, während der Begriff der »Welschen Konfinen« seit 1609 das Gebiet südlich von Salurn offiziell bezeichnete.Um

Um 1800 war die Salurner Klause die Sprachgrenze, die im Mittelalter nördlich von Trient verlief.

Sprachenkarte Tirol 1900

Der Begriff „Südtirol“ ist hingegen eine Frage der Perspektive: Für die Klerikal-Konservativen im 19. Jahrhundert war die „Glaubenseinheit“ in Tirol die Bezugsgröße. Daraus folgend wurde die „Landeseinheit“ als geistige Angelegenheit konstituiert. Der wichtigste historische Bezugspunkt war das Konzil von Trient 1563. Allfälligen Autonomiebestrebungen Welschtirols stand man in Treue zu Kirche und Habsburg feindlich gegenüber. Die Belange des Deutschtums verstand man nicht: Ein ethnisch durchmischtes Etschtal sollte die Klammer der Glaubenseinheit bilden.

Anders die Deutschfreiheitlichen: Ihr Bezugshorizont war Deutschtirol. Autonomiebestrebungen Welschtirols stand man durchaus offen gegenüber.

Infolgedessen bezeichneten die Klerikalen Welschtirol als „Südtirol“ und die Deutschfreiheitlichen das heutige Südtirol als „Südtirol“. Eine Unterscheidung Deutschtirols in Südtirol und Nordtirol war aus nationalfreiheitlicher Sicht durchaus sinnvoll: Die beiden Bereiche Deutschtirols hatten unterschiedliche Entwicklungsstadien erreicht. Fremdenverkehr und Straßenbau waren im heutigen Südtirol weitaus fortgeschrittener. Aber auch die politische Abwehrhaltung gegenüber dem italienischen Imperialismus betraf nur das heutige Südtirol.

Die nationalfreiheitliche „Bozner Zeitung“ nannte sich von Juli 1849 bis Jänner 1849 „Südtirolische Zeitung“. Ab Juli 1895 nannte sie sich „Bozner Zeitung. Südtiroler Tagblatt“.

Bozner Zeitung. Südtiroler Tagblatt.

Der Trientner Fürstbischof hatte die „radikal-nationale Bozner Zeitung“ 1899 verboten.

Hamburger Echo, 8. Juni 1898

Die „Bozner Zeitung“ scheint dies nicht sonderlich zu stören, ganz im Gegenteil:

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..