Johann Tschurtschenthaler wird zwar als erster freiheitlicher Bürgermeister in Innsbruck genannt. Von 1861 bis 1864 war nämlich der Kaufmann Karl Adam erster konstitutioneller Bürgermeister der Stadt Innsbruck.
Johann Tschurtschenthaler wurde am 8. Januar 1828 in Innsbruck, Tirol, als Sohn des Handelsmanns Simon Tschurtschenthaler und seiner Frau Aloisa, geborene Preyer, geboren. Nach der Schulzeit begann er 1847 ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck und promovierte 1853 zum Dr. iur. 1848 nahm er mit der Akademischen Legion am Tiroler Grenzkrieg teil.
Nach seinem Studium arbeitete er in der k.k. Finanz-Prokuratur, ehe er als Notar tätig wurde.
Sein politisches Engagement führte ihn 1862 in den Innsbrucker Gemeinderat, wo er sich rasch einen Namen machte. Fünf Jahre später wurde er zum Vizebürgermeister gewählt und 1869 schließlich zum Bürgermeister von Innsbruck. In dieser Funktion spielte Tschurtschenthaler eine zentrale Rolle bei städtischen Ereignissen und Entwicklungen, besonders deutlich zeigte sich dies im März
1871 bei einer von deutsch-nationalen Kreisen organisierten Friedensfeier anlässlich des Friedensschlusses zwischen Deutschland und Frankreich, an der er teilnahm. Die Feier führte zu Auseinandersetzungen mit dem k. k. Statthalter, der ihm Illoyalität gegenüber der österreichischen Regierung vorwarf; aus Protest legte Tschurtschenthaler daraufhin sein Amt nieder und gab seine Auszeichnungen sowie sein Offizialpatent zurück.
Trotz dieser Kontroverse wurde er 1872 erneut zum Bürgermeister gewählt und 1875 für weitere zwei Jahre bestätigt. Nach seiner Zeit als Stadtoberhaupt wirkte er im Rechts- und Finanzkomitee Innsbrucks und übernahm ab 1877 die Leitung der Sparkasse der Stadt Innsbruck als erster Direktor, ein Amt, das er bis 1892 innehatte. Sowohl in Bozen mit Carl von Hepperger als auch in Innsbruck waren es Freiheitliche, die die Sparkasse begründeten.
1874 war Tschurtschenthaler maßgeblich an der Gründung der ersten Volksküche in Innsbruck beteiligt. Ermöglicht wurde die Volksküche durch großzügige Spenden der Sparkasse.
Unter seiner Führung wurden die Satzungen und Anweisungen für die Beamten der Bank neu gestaltet, und er war maßgeblich an wichtigen städtischen Bauprojekten beteiligt, unter anderem bezüglich des Schmerlingblocks im Zentrum Innsbrucks.
Tschurtschentaler verabmntwortete Reorganisation des Finanzwesens der Stadt Innsbruck, den Bau mehrerer Volksschulen und Kindergärten. Weiters veranlasste er die Eingemeindung Wiltens, die folglich ein Teil Innsbrucks wurde.
1877 ehrte ihn die Freiwillige Feuerwehr Innsbruck für seine Verdienste rund um das Feuerwehrwesen mit der Ehrenmitgliedschaft.

Für seine Verdienste erhielt Johann Tschurtschenthaler 1871 den Orden der Eisernen Krone III. Klasse. Er starb am 27. September 1893 in seiner Heimatstadt Innsbruck und hinterließ ein Erbe als bedeutender Politiker und Bankdirektor, dessen Wirken sowohl die Verwaltung der Stadt als auch ihre wirtschaftlichen Institutionen nachhaltig prägte.

Bilder: Innsbruck erinnert sich (Link)
Literatur:
[1] Österreichisches Biographisches Lexikon
[2] Innsbruck erinnert sich


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