Im Zuge der deutschen Revolution von 1848 – 1849 schlossen sich im März 1848 in Wien Studenten der Universität Wien und des Polytechnischen Instituts zur akademischen Legion zusammen. Die Akademische Legion war Teil der Nationalgarde. Die Nationalgarde war eine Bürgerwehr, bestehend aus Bürgern und Studenten, die einerseits die Errungenschaften der Revolution wahren und andererseits Recht und Ordnung durchsetzen wollten.
Die Legion war in fünf Korps gegliedert und bestand aus einem Juristen-, Mediziner-, Philosophen-Korps, aus einem Korps der Akademie der bildenden Künste und einem Techniker-Korps des polytechnischen Instituts.
Nach dem Vorbild der Akademischen Legion 1848 wurde im August 1914 an der Universität Wien die Gründung einer Akademischen Legion beschlossen. Der Rektor der Universität Wien, Richard von Wettstein, Botaniker und Mitglied der Burschenschaft Thuringia Wien, unterstützte die Legion.
Die deutschnationale Studentenschaft im Kaisertum Österreich stellte infolgedessen zu Kriegsbeginn ein akademisches Freiwilligenkorps auf. Die studentischen Korporationen waren tätlich bemüht, dem Vaterland durch freiwillige Meldungen zu dienen. Es war ihnen zwar möglich, die Universitäten für ihr Vorhaben zu gewinnen, nicht aber die militärischen Behörden. Das Kriegsministerium sah die Akademische Legion höchstens als eine Chargenschule, nicht aber als eigenständige militärische Einheit. vor.
Am 31. August 1914 wurde der Erlass des Kriegsministeriums verabschiedet, um „Chargenschulen für akademische Freiwillige“ in Wien, Graz, Prag und Innsbruck zu schaffen, um Studenten und Altakademiker zu Unteroffizieren und Offizieren auszubilden und dann auf die 162 Regimenter zu verteilen. Am Widerstand des Kriegsministeriums scheiterte eine Ausweitung auf alle Hochschulorte.


In Wien meldeten sich rund 700 Studenten zur Akademischen Legion:

Den politischen Zielen des Kaisertums standen die freiheitlichen Waffenstudenten gleichgültig bis ablehnend gegenüber. Man war keinesfalls der Meinung, dass die eigene Heimat an der österreichischen Ostfront verteidigt werde. Man wollte nichts weniger, als für einen sinnlosen Krieg an einer sinnlosen Front fallen. Die Kriegsziele Habsburgs und die strategischen Vorhaben am Balkan lehnte man dezidiert ab.
Das Kriegsereignis verstand man auf waffenstudentischer Seite als Waffengang, um als Deutsche die eigene Stellung zu wahren, sich mit allen Deutschen zu solidarisieren, ganz egal, ob diese die Uniform Österreichs oder jene des Deutschen Reichs trugen.
Josef Holzinger dokumentierte die Gedanken der Akademischen Legion 1932:

Eine Akademische Legion kam faktisch, trotz der Anstrengungen, nicht zustande. Vorerst wurde die „Akademische Anmelde- und Auskunftstelle für freiwillige Kriegsdienstleistung“ eingerichtet. Später die „Chargenschule für akademische Freiwillige“. Ende Oktober 1914 wurden keine weiteren Legionäre bestellt, die akademische Legion lief Ende 1915 aus.
Das eigentliche Vorhaben, Freiwilligenkorps zu bilden, war gescheitert. Die Akademische Legion stellte allerdings zahlreiche Truppenoffiziere, Zugs- und Kompaniekommandanten innerhalb des österreichischen Heeres und innerhalb der Tiroler Standschützen. Dementsprechend bildeten die Studenten und Akademiker eine wesentliche Stütze der Landesverteidigung.
Im Mai 1915 trugen drei Bataillone der Standschützen den Namen Innsbruck. Das Standschützenbataillon Innsbruck I setzte sich aus Standschützen der Stadt und ihrer Vororte sowie der „Akademischen Legion“ zusammen. Die Akademische Legion ging mit ihren 200 Mann im ersten Bataillon auf. Im
Bataillon bildeten die Akademiker zwei Akademikerzüge, einen katholisch-konservativen und einen freiheitlich-nationalen (3. und 4. Zug der 3. Kompanie). Das Standschützenbataillon Innsbruck II bestand vor allem aus Standschützen der Stadt Hall und ihrer Umgebung, dem Stubaital und dem Wipptal, wurde auch als Standschützenbataillon Hall bezeichnet. Das Standschützenbataillon Innsbruck III, auch Bataillon Telfs genannt, setzte sich aus Männern der Gemeinde Telfs und der umliegenden Ortschaften zusammen.
Im Felde hatten die Akademiker keinerlei Privilegien gegenüber den anderen Standschützen.

Die klerikal-konservativen Studenten und die deutschfreiheitlichen Studenten, die sich bisher politisch bekämpft hatten, standen im weltpolitischen Waffengang Seite an Seite an der Front. Gerade von klerikal-konservativer Seite wurde überraschend festgestellt, dass die deutschfreiheitlichen Studenten energisch für einen Staat kämpften, den sie eigentlich ablehnten. In den Krieg projizierten die Waffenstudenten nicht staatliche, sondern nationale Ziele.
Und von deutschfreiheitlicher Seite musste eingestanden werden, dass die katholischen Farbstudenten, obwohl sie Mensur und Duell grundsätzlich ablehnten, in der Stunde des Gefechtes wacker ihren Mann standen.


Literatur:
[1] Bericht über das Studienjahr 1914/15 erstattet von Dr. Rudolf Fick, Prorektor der k. k. Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
[2] Josef Holzinger: „Die deutschnationale Waffenstudentenschaft Alt-Österreichs im Kriege 1914–1918“, Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung, Koblenz 2014
[3] Wolfgang Joly: „Die Tiroler und Vorarlberger k.k. Standschützen-Formationen im Ersten Weltkrieg“, Wagner-Verlag, Innsbruck 1998
[4] Die Akademische Legion 1848, Universität Wien (Link)


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