Josef Fontana wurde 1937 in Neumarkt im Südtiroler Unterland geboren und erlernte den Beruf des Fassadenmalers. 1958 wurde Fontana Mitglied des „Befreiungsausschuss Tirol“ (BAS) und drängte als Anfang 20-Jähriger auf Aktivitäten, wurde dabei von Sepp Kerschbaumer gebremst, wie Fontana anlässlich der Produktion „Bombenjahre“ erzählt.
Es sind die Erfahrungen vor Ort, die den jungen Fontana politisch „aktivieren“: Die feststellbare Behördenwillkür, die italienische Zuwanderung im eigenen Dorf sowie die folgenschwere Abwanderung junger Südtiroler ins deutsche Ausland. Der Volkswohnbau sowie die öffentliche Stellenvergabe waren der Knackpunkt mit dem Ansinnen, die Südtiroler zu majorisieren. Begonnen hatte es mit dem aktivistischen Hissen von Tiroler Fahnen und mit dem Verteilen von Flugzetteln.
Insgesamt gehörte Fontana im BAS jenem Flügel an, der sich gegen einen Guerillkampf stellte und das machte, was Fritz Molden unterstreichen sollte: „Der Partisan braucht die Weltöffentlichkeit“ – und vor allem die Sympathie der Weltöffentlichkeit. Es ging in der Strategie darum, Sachobjekte mit Symbolcharakter anzugreifen.
In der Nacht vom 29. auf den 30. Jänner 1961 sprengte der Innsbrucker BAS rund um Heinrich Klier und Kurt Welser das Duce-Reiterstandbild vor dem Montecatini-Werk in Waidbruck. Im Februar 1961 sprengte Josef Fontana infolge der auf Objekte ausgerichteten Strategie des BAS das leerstehende Wohnhaus Ettore Tolomeis in Glen bei Montan. Tolomei war bereits 1952 verstorben. Das Haus war folglich nicht bewohnt. Einen weiteren Anschlag verübte Fontana im März auf einen Rohbau in Bozen.
Bereits im Jänner 1961 nahm Fontana an einer Versammlung in Innsbruck teil, die von Eduard Widmoser einberufen wurde. Für die Fahrtkosten händigte Widmoser den Teilnahmen Schecks aus. Durch die Schecks, die bei einer Hausdurchsuchung der Volksbank ausfindig gemacht wurden, waren die Teilnehmer am BAS-Treffen aktenkundig. Am 20. Mai 1961 wurde ein Haftbefehl ausgestellt. Das „Sündenregister“ (Zitat Josef Fontana) geriet im Juli 1961, also erst nach der Feuernacht, infolge der Ermittlungen, Verhöre und Folterungen, ans Tageslicht.
Fontana wurde anlässlich des Mailänder Prozesses 1964, bis zu dem er in Untersuchungshaft saß, zu 10 Jahren und 6 Monaten verurteilt, saß letztlich 7 Jahre und 9 Monate ab. Während der „Feuernacht“ war Fontana also in Gefangenschaft. Im Februar 1969 wurde Fontana wieder frei.
In der Haft bereitete sich Fontana auf die Reifeprüfung (Matura) vor, die er 1970 in Salzburg ablegte. Es folgte das Studium der Geschichte, Germanistik und Philosophie an der Universität Innsbruck und 1977 die Promotion. Daraufhin war Fontana im Südtiroler Kulturinstitut tätig, unter anderem als Leiter, und verfasste zahlreiche Werke zur Tiroler Geschichte oder verfasste sie mit:
- „Der Kulturkampf in Tirol“ (1978) als Dissertation Josef Fontanas
- „Südtiroler Unterland: Jahrbuch des Südtiroler Kulturinstitutes“, Schriftenreihe des Südtiroler Kulturinstitutes (1980)
- „Geschichte des Landes Tirol“ (1988) in 4 Bänden
- „Neumarkt: 1848–1970. Ein Beitrag zur Zeitgeschichte des Unterlandes“ (1993): Was wie eine Dorfchronik klingt, ist letztlich eine tiefreichende Auseinandersetzung mit den politischen Gegebenheiten im deutschen Unterland
- „Das Südtiroler Unterland in der Franzosenzeit 1796 bis 1814“ (1998)
- „Die Ladinerfrage in der Zeit 1918 bis 1948“ (1981)
- „Sepp Kerschbaumer. Eine Biographie“ (2000).
Josef Fontana war Herausgeber des Werkes „Südtirol und der italienische Nationalismus“, er überarbeitete und ergänzte das Werk von Walter Freiberg, ein Pseudonym für Kurt Heinricher. Das von Fontana überarbeitete Werk ist deshalb unverzichtbar, weil es den italienischen Nationalismus als eine Bewegung darstellt, die sich keinesfalls nur im Faschismus äußert und dadurch zahlreiche politische Konflikte verständlich macht.
Blickt man auf das Werk Josef Fontanas wird deutlich, dass es zwei Schwerpunkte sind, die bleibende Wirkung entfalten:
- Erstens, „sein“ deutsches Unterland, das lange vor dem italienischen Faschismus zum Angriffspunkt des italienischen Nationalismus wurde, mit der Gewissheit, dass selbst Habsburg die Grenzlanddeutschen grob im Stich ließ und Eigeninitiative für das Volkstum notwendig wurde.
- Zweitens, der „Tiroler Kulturkampf“, jene weltanschauliche Auseinandersetzung um konservativ-klerikale und deutsch-freiheitliche Ideen, die bis heute hin zahlreiche Entwicklungen verständlich macht, innerhalb von Tirolensien aber weitgehend (bewusst) ausgeklammert wird.
Wahrscheinlich bedingte der erste Schwerpunkt den zweiten, weil sich aus der historischen Gewissheit als Unterlandler, dass Habsburg die Grenzlanddeutschen bewusst „übersah“ und die Klerikal-Konservativen die Glaubenseinheit gegenüber der Volkstumsfrage als wichtiger erachteten, notwendigerweise dieser Forschungsschwerpunkt ergeben musste.
Josef Fontanas publizistisches Wirken für das deutsche Unterland, aber auch für Tirol im Allgemeinen, ist unbestritten. Mit dem „Tiroler Kulturkampf“ eröffnete Fontana eine politische Dimension in der Tiroler Landeskunde, die in dieser Art und Weise einzigartig ist und ihresgleichen sucht, ja für die politische Bildung unverzichtbar ist.
Wesentlich ist, dass sich Fontana nicht mit dem Geschichtenerzählen begnügte, sondern da und dort in seinen Werken beiläufig süffisante Kommentare hinterließ, die durchaus nicht den Klischees entsprechen.
Rückblickend besticht die intellektuelle Klarheit Fontanas sowie die nüchterne Analyse der Zusammenhänge, auch der eigenen Aktivitäten, sowie der Auswirkungen derselben.
Fontana war Optimist, hielt insgesamt an einer positiven Entwicklung der Südtirol-Geschichte fest. Die Volksgruppe habe sich erholt und verfüge über die Möglichkeit der Selbstverwaltung. Dadurch sei – so Josef Fontana – vieles möglich. Es sind die Möglichkeiten an denen sich Josef Fontana orientierte, nicht das Jammern. Damit steht Josef Fontana in seinem deutsche Unterland als ein Symbol.
Literatur:
[1] „Bombenjahre – Die Geschichte der Südtirol-Attentate“, Podcast von Christoph Franceschini auf Salto.bz


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