Theodor Christomannos kam am 31. Juli 1854 in Wien zur Welt, entstammte einer griechischen Kaufmannsfamilie, die sich mit Großhandel in Mazedonien befasste. Der Name Christomannos entstand dadurch, dass der Urgroßvater Christus Mannos hieß und der Großvater den Namen Christomannos verwendete [6].
Als die Mutter im Winter 1870 / 1871 nach Gries bei Bozen reiste, um sich einem Kuraufenthalt zu unterziehen, begleitete sie der junge Theodor, der Privatist im Franziskanergymansium wurde. Dort wurde er Mitglied des Corps Amicicia (auch Corps Amiciciae oder Corps Amicicie). Nach dem Franziskanergymnasium in Bozen studierte Christomannos ab 1873 Medizin in Innsbruck.

In Innsbruck wurde er 1873 Mitglied im Corps Gothia Innsbruck. Im Corps nannte man ihn „Türk“, in Südtirol später „Grieche“. Zudem wurde er 1874 / 1875 im Corps Lusatia aktiv. Bei einer der letzten seiner 34 Mensuren verletzte er sich durch einen schadhaften Kettenhandschuh am rechten Gelenk. Da seine Hand dadurch für einen Mediziner nicht mehr geeignet war, wechselte er das Studium und studierte fortan Rechtswissenschaften. Gleichzeitig war er auch Mitglied im Akademischen Gesangsverein (Universitätssängerschaft Skalden). Christomannos promovierte 1894 an der Universität Wien zum Doktor der Rechte.

Nach dem Gerichtspraktikum in Bozen wurde Christomannos Richter am Landesgericht Innsbruck und ließ sich 1887 als Anwalt in der Kanzler von Hans Stainer in Meran nieder – und erbte ein beachtliches Familienvermögen. Hans Stainer war wie Theodor Christomannos Innsbrucker Gothe.
Die eigentliche Triebfeder im Leben von Theodor Christomannos sollten der Alpinismus sowie die Erschließung der Alpen für den Fremdenverkehr werden. Die Erschließung Tirols war der konkrete Beitrag von Theodor Christomannos und damit auch eine politische Öffnung, die durch die Konservativ-Klerikalen aus Angst vor dem Zuzug durch „Deutsche“ bisher verhindert wurde. „Er erkannte früh die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus und als leidenschaftlicher Bergsteiger förderte er auch die Errichtung zahlreicher Alpenvereinshütten“ schreibt Otto von Sölder [5].
Infogedessen war Theodor Christomannos 1891 der erste Vorsitzende der Sektion Meran des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Das Amt bekleidete er bis 1911.
Zeitlebens war Christomannos eine schillernde Persönlichkeit. Die „bessere“ Gesellschaft und ihren Habitus kannte Christomannos aus Wien. Als Bergsteiger wagte er riskante und waghalsige Bergtouren und wurde Vorstand des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins in Meran. Um diese Bergtouren entstehen Mythen unglaublicher alpinistischer Leistungen und Übertreibungen. Christomannos soll Talent in Selbstinszenierung gehabt haben. Nicht umsonst widmete Arthur Schnitzler dem Tourismuspionier das Werk „Das weite Land“.

Mit Hans Stainer, in dessen Anwaltskanzlei Christomannos begann, sollte ein langfristiges Band bestehen: Der Rechtsanwalt Hans Stainer war Wegbereiter der Sparkasse Meran, freiheitlicher Gemeinderat in Meran, Obmann des Deutschen Bürger-Vereins Meran sowie des städtischen Baukomitees, Promotor der Vinschger Bahn und für das Finanzielle im „Verein für Alpenhotels“ zuständig. Zudem waren Christomannos und Stainer Corpsbrüder: Beide waren Innsbrucker Gothen.
Die Sparkasse Meran verband das Bankenwesen mit der kulturellen Verantwortung: Spenden wurden neben allerlei anderen Vereinen dem Deutschen Schulverein oder dem Turnverein Meran erstattet, aber auch eingesetzt, um Schulen und Kindergärten zu unterstützen.
Politisch engagierte sich Christomannos in der Deutschfreiheitlichen Partei, für die er ab 1905 im Tiroler Landtag saß. Dort wusste er sein politisches Engagement geschickt in den Dienst der touristischen Erschließung der Alpenpässe zu stellen und sich für Verkehrslösungen zu vernetzen.
In dieser „Gründerzeit“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in der sich Baugewerbe, freiheitlich gesinntes Unternehmertum, Freiberufler und Tourismus – also Macher – mit ihren gemeinsamen Interessen trafen, erkannte Christomannos die Gelegenheiten, die quasi vor der Türe in der Tiroler Bergwelt lagen. Der Historiker Hans Heiss schreibt in einer Biographie, dass der Konkurrenzdruck der anderweitigen alpinen Destinationen groß war und die „bessere“ Gesellschaft im südlichen Tirol kaum ein Haus vorfand, das mit den Schweizer Hotels und dem entsprechenden Komfort mithalten konnte.
Christomannos blickte im Konkreten in Richtung Schweiz und übertrug das Schweizer Vorbild touristisch auf Tirol.
Den Beginn machte der Bau der Straße nach Sulden, für welche Christomannos tatkräftig werben sollte. Aus diesem Erfolg resultiert die Gründung des „Verein für Alpenhotels“ im Jahre 1895. Das Ziel: Die „Erschließung der Hochtäler Tirols für das reisende Publikum, insbesondere durch Erbauung und Führung komfortabler Hotels, Erhaltung von Gebirgsstraßen, Förderung, eventuell Beteiligung an Eisenbahnunternehmen und sonstigen den Fremdenverkehr in Tirol fördernden Anstalten“ [1]. Die Macht der Bilder in der touristischen Werbekommunikation erkannte Christomannos bereits damals. Folglich mussten die baulichen Entwürfe kühn sein in kühner alpinen Kulisse.
Man muss die baulichen und verkehrstechnischen Aktivitäten in den größeren Kontext stellen, der sich aus verkehrswissenschaftlicher Sicht ergibt. Ab 1864 wurde mit dem Bau der Brennerbahn begonnen, was eine wahrliche Revolution bedeutete, reduzierte sich die Verkehrszeit von Innsbruck nach Bozen von etwa 15 Stunden mit dem Pferdepostwagen auf nur 6 Stunden mit dem Eilzug. 1869 erfolgte hingegen der Bau der Pustertalbahn und um 1880 der Bau der Arlbergbahn, sodass Tirol an das internationale Bahnsystem angeschlossen war. Daneben entstand eine Vielzahl an Nebenbahnen in die Seitentäler.
Gemeinsam mit dem Architekten Otto Schmid sollte Theodor Christomannos nun bedeutende Grand Hotels erbauen. das Sulden-Hotel wurde 1893 eröffnet. Das Hotel Trafoi 1896. Das Hotel Karersee ebenso 1896. Diese Grandhotels waren nur in Zusammenhang mit der Verkehrspolitik nachvollziehbar: „Seine verkehrspolitischen Ziele waren die Vinschgaubahn und die Dolomitenstraße, um die er in politischen Mandaten, mit seinem Ansehen und seiner Vermittlungskunst bis an sein Lebensende kämpfte. Während die Dolomitenstraße Bozen – Cortina 1901 bis 1909 in drei Abschnitten verwirklicht wurde, blieb die Vinschgaubahn mit der 1906 eröffneten Linie Meran – Mals ein Torso, die seine Vorstellungen von einer Verbindung ins Engadin noch nicht erfüllte“ schreibt Hans Heiss [1].
Wesentlich war dem umtriebigen Tiroler Griechen die Ästhetik. Hans Heiss schreibt dazu: „Der Tiroler Grieche wünschte eine Verbindung von Ökonomie, Ästhetik und sozialer Programmatik zu einem Gesamtkunstwerk“ – ein anspruchsvolles Vorhaben, das seine Zeitgenossen aber inspirierte und mitriss“.
Durch die kühnen Straßenbauprojekte im alpinen Gelände avancierte Theodor Christomannos zum „wahren Vater des Unternehmens Dolomiten“ [2].
Christomannos war aber auch um den Fremdenverkehr am Gardasee bemüht, nämlich am Hotel Lido in Riva sowie am Stubaihotel in Riva, weiters an Hotels in Canazei und am Falzaregopass.
Theodor Christomannos wusste seine touristischen Visionen, sein politisches Engagement in der deutschfreiheitlichen Partei sowie sein unternehmerisches Geschick gekonnt für den Tourismus in Tirol einsetzen.
Am 30. Jänner 1911 verstarb Theodor Christomannos in Meran, nachdem er sich eine Grippe sowie eine Rippenfellentzündung zugezogen hatte. Ein Jahr später wurde am Karerpass der Bronzeadler errichtet, der vom Künstler Willy Zügel gestaltet wurde. Das Christomannos-Denkmal in der Nähe von Vigo di Fassa ist 2,70 Meter hoch und 350 Kilogramm schwer.


Das Gedenkbuch erschien 1912, verfasst „von seinem Freund“ Tony Grubhofer:


Das Werk „Meran im deutschen Südtirol“, das Christomannos verfasste, erschien nach seinem Tod, im Jahr 1914.
Die beiden Söhne, Sigurd Christomannos und Theodor Christomannos, stammten aus außerehelichen Beziehungen. 1905 heiratete Theodor Christomannos die Erzieherin von Sigurd, Franziska Lutz. Aus der Ehe gingen zwei weitere Söhne, Demeter Walter und Johann, hervor. Weitere Kinder sind nicht eindeutig belegt [7].
Sigurd Christomannos, der ebenso Innsbrucker Gothe, wurde Notar in Gurk (Kärnten). Im Jahr 1902 gründete der Deutsche und Österreichische Alpenverein in Innsbruck eine „Akademische Sektion“. Erster Vorstand wurde Theodor Dietrich Christomannos, der Sohn. Theodor Dietrich Christomannos war Mitglied des Corps Gothia in Innsbruck, wurde Mediziner, verstarb jedoch bereits 1908.

Literatur:
[1] Hans Heiss: „Theodor Christomannos – Wegbereiter alpiner Erschließung im südlichen Tirol“, Berg 2020 Alpenvereinsbuch 144, 2020
[2] Ulrike Kindl: „Dolomitensagen und Dolomitenführer“, Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv 37, Innsbruck 2018
[3] Lothar Höbelt: „Kornblume und Kaiseradler. Die deutschfreiheitlichen Parteien Altösterreichs 1882–1918“, Böhlau Verlag, Wien 1993
[4] Tony Grubhofer: „Erinnerungen an Theodor Christomannos“, Meran
[5] Mitteilungen des DÖAV 1911
[6] Corps Erz, Leoben (Link)
[7] Bettina Schlorhaufer: „Berghotels 1890 – 1930: Südtirol Nordtirol Trentino“, Birkhäuser Verlag, Basel 2021


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