Oswald Streiter, Enkel des ehemaligen freiheitlichen Bürgermeisters, war Burschenschafter, Mediziner und Begründer und Obmann des „Jagdschutzvereins Bozen“. Dadurch wurde er einer der Begründer des Jagdwesens in Südtirol.
Oswald Streiter wurde am 21. November 1879 als Enkel Joseph Streiters geboren. Nach dem Franziskanergymnasium in Bozen, wo er Mitglied der pennalen Burschenschaft Rhaetogermania wurde, die Anfang der 1880er-Jahre in Bozen gegründet wurde, inskribierte er 1900 an der Hochschule Graz und studierte anfänglich Rechtswissenschaften.
Das Studium in Graz gab er auf, studierte von 1901 bis 1904 Rechtswissenschaften und ab 1904 Medizin in Innsbruck. 1913 promovierte er zum Doktor der Medizin.
Otto Rudl, Stadtarzt in Bozen, aus Deutschböhmen stammend und selbst Mitglied der Burschenschaft der Pappenheimer, schreibt im Nachruf auf seinen Bundesbruder Oswald Streiter im „Schlern“ am 1. Dezember 1930: „Er ging nach Innsbruck, wurde dort Mediziner und sprang bei der von Meranern gegründeten Burschenschaft der Pappenheimer ein, die auch dem treuen „Alten Herrn“ auf seinem letzten Gange in Abordnung das Geleite gab und einen Kranz mit grün-weiß-schwarzer Schleife als letzten Gruß geschickt hatte“.
Rudl ordnet Oswald Streiter charakterlich wie folgt ein: „Er achtete jede Überzeugung, doch Duckmäuserei und Hinterhältigkeit bekämpfte er als Draufgänger; ritterlich und ohne Zaudern stellte er sich zum Schutze des angegriffenen schwächeren Teiles.“
Der Mediziner Oswald Streiter nutzte sein zeichnerisches Talent, um medizinische Zeichnungen anzufertigen. Zuweilen fertigte er auch Karikaturen an. „Künstlerisch talentiert, verfasste er Lyrik und fertigte zahlreiche medizinische Zeichnungen nach mikroskopischen Bildern sowie Karikaturen an“ schreibt das Österreichische Biografische Lexikon.
Nach der Promotion war Oswald Streiter in Klagenfurt tätig. Im Weltkrieg diente er vorerst in Serbien und später an der Südfront. Beim Zusammenbruch der österreichischen Truppen war er Mitglied des Wehrausschusses in Bozen, trug zum geordneten Rückzug der Frontsoldaten bei, und wurde nach dem Krieg Arzt der neu gegründeten Feuerwehr Zwölfmalgreien.
Zudem war Oswald Streiter, der Junggeselle blieb, ein begnadeter Fischer und Jäger, gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Bozner Jagdschutzvereines und war langjähriger Obmann: „Ihm selber war das Weidwerk in erster Linie Mittel und Zweck, das Leben und Treiben in der Natur mit ihren Geheimnissen besonders nahe, genießen und verstehen zu können, und er bedauerte zugleich, dass er dies mit der Mordwaffe in der Hand tat.“
Der Wildbestand wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Tirol stark vermindert. In Südtirol wurde das Rotwild ausgerottet. Als Gegenbewegung wurde 1875 in Innsbruck der „Jagd- und Vogelschutzverein“ gegründet, der sich um jagdliche Disziplin, Kontrolle des Wildhandels und für eine weidgerechte Jagd einsetzte.
Um 1920 wurde der „Jagdschutzverein für Deutsch-Südtirol“ mit Sitz und Leitung in Bozen gegründet, der aufseiten des italienischen Faschismus überraschenderweise viel Verständnis fand, sich nämlich mit dem politischen Vorhaben deckte, die Jagd zu regeln und zu überwachen, was sich im staatlichen Jagdgesetz von 1939 niederschlug. Daraus wird deutlich, dass die Naturschutzbewegung ihren Ursprung rechts und nicht links hat.
Der Jagdschutzverein Bozen setzte sich für die Interessen der Jägerschaft ein und vertrat diese gegenüber den staatlichen Behörden, was in einem fremden Staat umso schwieriger war.
Dr. Willy Walther schrieb die Worte: „Streiters inniges Einfühlen in die Natur gab ihm auch einen besonders starken Sinn für das Bodenständige, für Heimat und Volkstum, für die Erhaltung des Bestehenden, für Überlieferung, Familie und Freundschaft. Für ihn gilt das Dichterwort: Der ist in tiefster Seele treu, der die Heimat liebt wie du“.
Im Jahr 1921 scheint Oswald Streiter als Mitglied der Schützengesellschaft Oberbozen auf, die ein Hort freiheitlicher Gesinnung war.
Der Meraner Frauenarzt Richard Putz widmete Oswald Streiter zum Ableben die folgenden Zeilen:

Am 18. November 1930 verstarb Oswald Streiter in seinem Vaterhause, dem Ansitz „Unterbaiersberg“ (eigentlich Unter-Payrsberg), im 51. Lebensjahr. Sein Bundesbruder Otto Rudl fügt hinzu: „Er sah dem Tod mit offenem Mannesmut, man möchte fast sagen heiter, mit Selbstverständlichkeit ins Auge, ohne Klage, so sehr er auch das Leben zu schätzen wusste“.

Literatur:
[1] Otto Rudl: „Dr. Oswald Streiter“, Vogelweider, Bozen 1930
[2] Stiftung Bozner Schlösser: „Mensch und Jagd in Alttirol“, Athesia Verlag, Bozen 2020


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