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Wer war Emil Kraft?

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Emil Kraft wurde am 26. Januar 1865 in Wien geboren, verstarb am 5. September 1931 in Graz und entstammte einer kaufmännisch geprägten Familie. Über seine Eltern ist wenig bekannt; er heiratete 1891 Gabriele Bendel (1871–1923), aus einer alten böhmischen Bürger- und Bauernfamilie. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und zwei Töchter hervor. 

Nach dem Besuch der Landwirtschaftsschulen in Feldsberg und Klosterneuburg erwarb Emil Kraft 1885 die Lehrbefähigung für Ackerbau-, Obst- und Weinbauschulen und begann seine berufliche Laufbahn als Gutsverwalter in Gonobitz in der Südsteiermark. Der frühzeitige Tod seiner Eltern führte jedoch zu einem Richtungswechsel: Kraft übernahm das elterliche Galanteriewarengeschäft in Baden bei Wien und führte es erfolgreich. 

Schon früh trat Kraft öffentlich auf und engagierte sich im kulturellen und politischen Leben der Stadt. Emil Kraft war Turner, 1892 war er Gründer des Trabrennvereins in Baden, lange Zeit Obmann, begründete den Verein Internationaler Sportplatz (später Badener AC) und war Kurvorstand.

Baden, 1896

1894 wurde er zum Gemeinderat von Baden gewählt. Nach der Verlegung seines Geschäfts nach Meran im Jahr 1902, zog er 1905 nach Meran und setzte dort seine politische Karriere fort: 1908 wurde er zum Zweiten Vizebürgermeister und Obmann der Finanzkommission der Stadt bestellt und gehörte dem Kurvorstand sowie dem Verwaltungsrat der Etschwerke an.

Emil Krafts Ausstattungshaus verfügte über Niederlassungen in Baden, Meran und Graz. Das waren auch seine drei politischen Wirkungsorte.

Wahlwerbung, Bozner Zeitung 1911: „Keinen Klerikalen und keinen Sozialdemokraten, sondern nur den Deutschfreiheitlichen“

1911 wurde Emil Kraft für den Kurortbezirk Bozen-Meran in den österreichischen Reichsrat, trat folglich die Nachfolge von Julius Perathoner im Reichsrat an. Er gehörte zu den Gründern der Jungdeutschen Partei (1912) und spielte auch nach dem Zusammenschluss mit dem Deutschnationalen Klub eine führende Rolle.

Die Bozner Zeitung druckte 1912 eine Rede Krafts ab, die die Lage des Deutschtums im Unterland zum Inhalt hat:

Während des Ersten Weltkriegs brachte ihn seine wirtschaftliche Expertise in ranghohe Funktionen: Er war Referent im Budgetausschuss der Staatsschuldenkontrollkommission, Generalrat der Österreich-Ungarischen Bank und Verwaltungsrat der Südbahngesellschaft. Zudem gehörte er mit August Denk zu den Gründern des Österreichischen Städtebundes (1915), in dem er bis 1919 als Vizepräsident wirkte. 

Aus einem Brief Emil Krafts vom 8. November 1918 lassen sich die Geschehnisse zum Kriegsende erahnen [1]:

Nach dem Ende der Monarchie profilierte sich Kraft vor allem als Wirtschafts- und Finanzfachmann. Er war Mitarbeiter bei den Friedensverhandlungen von Saint-Germain, wurde im Februar 1919 für die Großdeutsche Volkspartei zum Abgeordneten zur konstituierenden Nationalversammlung gewählt und leitete im Jahr 1919 das Budgetreferat im Finanzministerium und übte Mandate in wichtigen parlamentarischen Ausschüssen aus. 

Am 31. Mai 1922 übernahm Emil Kraft das Amt des Ministers für Handel, Gewerbe und Industrie, einschließlich Volksernährung im christlich-sozial-deutschnationalen Kabinett von Bundeskanzler Ignaz Seipel. In seiner Amtszeit standen bedeutende wirtschaftliche Konsolidierungsmaßnahmen, die Modernisierung der Infrastruktur und die Vereinheitlichung des Vermessungs- und Eichwesens im Mittelpunkt. Er blieb bis 17. April 1923 im Amt. 

Parallel zu seiner politischen Tätigkeit wirkte Emil Kraft im genossenschaftlichen Bankwesen: 1923 wurde er Gründungspräsident der Grazer Genossenschaftsbank.

1923 wurde Kraft erneut in den Nationalrat gewählt (für den Wahlkreis Graz und Umgebung), legte jedoch sein Mandat bald nieder und zog sich in das Dorf Mariagrün bei Graz zurück, wo er den Rest seines Lebens in privatem gesellschaftlichen Engagement verbrachte. 

Neben seiner politischen Laufbahn verfasste Emil Kraft eine Reihe von Artikeln zu politischen und wirtschaftlichen Fragen, die in Tageszeitungen wie der Neuen Freien Presse (Wien), der Meraner Zeitung und der Grazer Tagespost erschienen. 

Literatur:

[1] Alexander Jordan: „Krieg um die Alpen. Der Erste Weltkrieg im Alpenraum und der bayerische Grenzschutz in Tirol“, Duncker & Humblot, Berlin 2008

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