Die Thematik rund um aufgelassene Klöster wird uns in Südtirol in den kommenden Jahren mit einer absoluten Sicherheit noch oft verfolgen. Kloster Säben in Klausen, das Kloster der Tertiarschwestern in Kaltern, demnächst das Franziskanerkloster, auch in Kaltern.
Dass sich heute niemand mehr findet, der sich für ein Leben im Kloster entscheidet, liegt angesichts des Zustandes der Kirche auf der Hand.
In Kaltern regt sich konkret der Widerstand, dass die Tertiarschwestern ihr Kloster an eine karitative Laienvereinigung mit einem kirchlichen Hintergrund verkaufen wollen, die beansichtigt, temporäre Wohnmöglichkeiten für Arbeiter zu schaffen. Die Kalterer befürchten berechtigterweise, dass es sich bei den Arbeitern vorwiegend um Einwanderer handeln wird.
Die Frage ist, abgesehen vom konkreten Fall in Kaltern, wieso es in Südtirol diese große Dichte an Klöstern gibt, die demnächst leer stehen werden?
Die Antwort ist nicht in der Frömmigkeit der Tiroler zu finden. Die Frömmigkeit und das „heilige“ Land Tirol waren nämlich eine Konsequenz der zwanghaften Missionierung durch die katholische Kirche.
Die Hintergründe sind politischer Natur, liegen in den politisch-geistlichen Interessen der katholischen Kirche. Das Konzil von Trient (1545–1563), für das der Austragungsort Trient an der damaligen Sprachgrenze alles andere als zufällig gewählt wurde, war der Beginn der Gegenreformation. Die Intention war, deutsche Protestanten vom Land fern zu halten. Wenn uns demnächst Fronleichnam blüht, dann sollten wir kurz innehalten und bedenken, dass es sich dabei um das Fest des Konzils handelt, konzipiert, um gegen die Häretiker und Ketzer vorzugehen.
Ziel war die „Glaubenseinheit“, in deren Sinne deutsche Bücher vernichtet, abweichende Ideen verfolgt und deutsche Geistliche entfernt wurden. Darüber hinaus ging es um reine Machtpolitik. Dass die deutsche Sprachgrenze angesichts derartiger Agitationen nach Norden wanderte, ist wenig überraschend, zumal das gesamte Etschtal der Diözese Trient angehörte.
In Folge des Konzils wurde Tirol programmatisch zu einem „heiligen“ Land gemacht. Dazu genügt ein Blick auf die Niederlassung von Orden in der Zeit nach dem Konzil, wobei es sich hierbei nur um eine kleine Auflistung handelt: 1562 die Jesuiten in Innsbruck, 1578 die jesuitische Marianische Kongregation Innsbruck, 1573 die Jesuiten in Hall samt Schule, die Franziskaner 1564 in Innsbruck, 1628 in Reutte, 1636 in Hall, 1640 in Kaltern, 1693 in Innichen, 1705 in Telfs, die Kapuziner 1593 in Innsbruck, 1603 in Brixen, 1617 in Meran, 1621 in Neumarkt, 1638 in Eppan, 1644 in Schlanders, 1674 in Imst, 1694 in Ried im Oberinntal, 1607 das Priesterseminar in Brixen, 1691 die Ursulinen in Innsbruck, 1611 die Serviten in Innsbruck und 1718 in Maria Weißenstein.
Ende des 18. Jahrhunderts hätte auch Tramin ein Kloster bekommen sollen. Durch die Klöster in Eppan, Kaltern, Neumarkt und St. Michael an der Etsch war das Bozner Etschtal jedoch mehr als „versorgt“. Die historischen politischen Hintergründe können hier nachgelesen werden: „Das Südtiroler Unterland“.
Heute haben wir sie, die Klöster, die mehr oder weniger leer stehen und für die es neue Ideen braucht.
Die Strukturen stehen weitgehend unter Denkmalschutz. Bautypologisch handelt es sich um Strukturen, die in der Regel über lange Gänge und viele Zimmer verfügen. Die architektonischen Möglichkeiten sind, durch diesen Bautyp und den Denkmalschutz, mehr als begrenzt. Will man sich eine Nachnutzung überlegen, ist man gut beraten, frühzeitig Machbarkeitsstudien in Auftrag zu geben.
In den kommenden Jahren wird es weitaus mehr Angebot an aufgelassenen Kirchenstrukturen als öffentliche Nutzungsvorhaben geben. Die öffentliche Verwaltung sollte auf den einen oder anderen Neubau verzichten und grundsätzlich die Überlegung aufstellen, wie sie historische Baukultur sinnvoll unter der Prämisse nutzen kann, dass mit dem Denkmalschutz nicht jede Idee umsetzbar sein wird.
Eines darf dabei nicht passieren: Dass aus der „Not“ heraus die Idee verfolgt wird, den Denkmalschutz aufheben zu wollen. Dadurch würden alle verlieren und zwar nachhaltig verlieren.


Hinterlasse einen Kommentar