Wer war Josef Riehl?

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Der Bozner Ingenieur Josef Riehl, der Bruder des Philosophen Alois Riehl, gilt als Eisenbahnvater Tirols und „Landesbohrwurm“. Das Werk der freiheitlichen Bürgermeister Wilhelm Greil (Innsbruck) und Julius Perathoner (Bozen) wäre ohne ihn undenkbar. Sein Hotel Stubai in Fulpmes dekorierte er – nicht zufällig – in schwarz-rot-gold, weiß-rot und weiß-grün.

Josef Riehl wurde 1842 in Bozen geboren. Die Familie stammte aus dem Elsaß, flüchtete im Zuge der Französischen Revolution nach Augsburg und dann nach Bozen. Riehls Vater besaß das Bozner Gasthaus „Zum goldenen Hirschen“, war Pächter des Gasthauses „Zur Kaiserkrone“. Das Bozner Laubenhaus, in dem der „Hirsch“ untergebracht war, ist zugleich das Geburtsthaus Josef Riehls.

Zwei Jahre später kam der Bruder Alois Riehl zur Welt, der heute zwar weitgehend vergessen ist, als Professor der Philosophie allerdings weitreichende Leistungen bewerkstelligte. Ein weiterer Bruder, Heinrich Riehl, kam 1851 zur Welt, wurde Fabrikant und Unternehmer in Wien, und verstarb 1922. Heinrich Riehl heiratete die 1855 in Sterzing geborene Antonie Obexer. Der Rechtshistoriker Artur Steinwenter war ein Schwiegersohn von Heinrich Riehl, heiratete 1922 dessen Tochter Margarete Riehl.

Geburtshaus Josef Riehl

Josef Riehl studierte nach dem Gymnasium in Bozen an der Technischen Hochschule Karlsruhe und an der Technischen Hochschule München. Ab 1864 arbeitete Riehl für die Südbahngesellschaft und war am Bau der Brennerbahn sowie an der Trassierung der Pustertalbahn beteiligt.

Ab 1868 wirkte Josef Riehl für die königlich-ungarische Baudirektion an der Linienführung Großwardein-Klausenburg, wechselte zu einem privaten Bauunternehmen, das die ungarische Nordbahn baute. Eine Teilstrecke baute er von 1870 bis 1873 als selbständiger Unternehmer, ehe ihn die Heimat rief.

Im Jahre 1873 kehrte Josef Riehl nach Tirol zurück, baute an der Giselabahn zwischen Wörgl und dem Brixental. Die Wirtschaftskrise (Börsencrash 1873) verhinderte den Bau weiterer Bahnlinien. Josef Riehl wechselte Geschäftszweig, gründete und leitete mehrerer Steinbrüche: Darunter die Marmorwerke in Sterzing, Laas und Mori sowie die Porphyrbrüche in Kastelruth.

Am 7. Februar 1874 heiratete Josef Riehl in Kaschau im Osten der Slowakei die in Bregenz geborene Rosa von Schidlach. Das Ehepaar Riehl hatte eine gemeinsame Tochter, Hanna Riehl, die im Alter von 8 Jahren an Scharlach verstarb.

Schließlich befasste sich Riehl ab 1882 mit dem Wasserbau, führte zahlreiche Flussregulierungen aus, nämlich an Drau, Rienz und Eisack, um den Schutz gegen Hochwasser sicherzustellen. Die Kraft des Wassers sollte nicht nur gebändigt, sondern in den Dienst des Fortschritts gestellt werden. Unter anderem mit dem Bauingenieur Oskar von Miller, der als Wasserkraftpionier gilt, setzte Josef Riehl Wasserkraftprojekte um:

  • Die Brennerwerke bei Matrei am Brenner (1898)
  • Die Sillwerke Innsbruck (1901 – 1903)
  • Das Rienzwerk der Stadt Brixen (1905)
  • Die Schnalstalwerke der Städte Bozen und Meran (1909 – 1912)
  • Das Ruetz- und Sillwerk der Mittenwaldbahn (1910 – 1913) als erste elektrische Vollbahn Österreichs.

sowie viele kleinere Wasserkraftwerke.

Riehl erkannte die große Bedeutung von Verkehrswegen für Tirol. Wichtige Straßenbauprojekte waren die Defreggerstraße, die Straße zum Iselberg sowie die Straße von Welschnofen nach Vigo. Die Straße von Waidbruck nach Kastelruth und Seis entstand durch Anregung und Einfluss Josef Riehls.

Die meisten Zweigbahnen Tirols wurden von Riehl geplant und gebaut. Dabei gelang Josef Riehl die Beschaffung der Finanzierungsmittel durch sein Ansehen und sein Verhandlungsgeschick. Wichtige Eisenbahnprojekte sind die Mittelgebirgsbahn Innsbruck – Igls, die Zillertalbahn Zell – Mayrhofen, die Pfaffenwinkelbahn Pfronten – Reutte – Lermoos, die elektrischen Bahnen Innsbruck – Stubaital (Fulpmes), Bludenz – Schruns (Montafon), die Innsbrucker Straßenbahnen, die Seilbahn zur Hungerburg bei Innsbruck und die Zahnradbahn Bozen – Ritten, die Bahnverbindungen Bruneck – Sand in Taufers, Innsbruck – Scharnitz sowie Hermagor – Kötschach.

Die Ehefrau, Rosa Riehl, geborene von Schidlach, verstarb 1898.

Josef Riehl erbaute das Hotel Stubai nach Plänen des Architekturbüros von Musch & Lun, das wesentlich zur freiheitlichen Gründerzeit in Tirol beitrug. Karl Lun war der Bauleiter beim Heotelbau in Fulpmes. Die Presse schrieb, Josef Riehl und Karl Lun seien „persönliche Freunde“ gewesen.

Die Gestaltung des Hotel Stubai, die durch den Bozner Dekorationsmaler Karl Lartschneider gestaltet wurde, hat es in sich, wie die „Bozner Nachrichten“ 1904 berichten [2]:

„Vom Restaurationssaal gelangt man in den Speisesaal, der noch größere Dimensionen als der erstere aufweist. Auch ist die Deckenkonstruktion nach altgothischem Muster durchgeführt, denn ein dreiteiliges Tonnengewölbe bringt den mächtigen Raum zum ruhigen Abschluss. Ganz originellen Farbenschmuck tragen die Rundstäbe, und zwar haben jene beim Abschluss der Gesimse die deutschen Farben schwarz-roth-gold, jene beim Zusammentreffen des Hauptgewölbes mit den Seitengewölben die Tiroler Landesfarben weiß-roth, während die Rundstäbe der Durchgänge mit den Farben der Tiroler Schützen grün-weiß geschmückt sind. Wie im Restaurationssaal sind auch hier die Wände vom Fußboden an bis zu einer Höhe von 1,8 Meter mit einer filigranen Vertäfelung verkleidet. Über denselben beginnt wieder die Arbeit des Malers. Als Grundmotiv diente eine ganz modern durchgeführte Komposition von Tiroler Adlern und Edelweiß. Die Stirnseite gegenüber dem großen Bogenfenster bringt wieder ein überraschendes Bild […]. Man fühlt sich an einen Waldsaum im Schlickerthale versetzt und meint förmlich die erquickende Almenluft einzuathmen; das lebhaftere Grün der Lärchen hebt sich gegen das dunklere der Zirbelkiefern trefflich hervor, während der Durchblick durch den Waldsaum die Schlicker Kalkkögel in ihren abenteuerlichen Formen zeigt. Man meint den heiligen Gottesfrieden zu fühlen, der in unserem deutschen Walde herrscht, man meint die schroffen Wände unserer Dolomiten zu sehen, welche der Gemse noch als letzte Heimstätte geblieben sind. Hier findet man echte und rechte Sezession in getreuer Anlehnung an die größte Künstlerin – die Allmutter Natur […]. In gleich origineller Weise wie die beiden großen Säle, die Vorhalle und der Rauchsalon, sind auch die Restaurationslokale im Erdgeschosse und sämtliche Zimmer im Hotel mit eigenartigen Dekorationsmalereien geschmückt.“

Hotel Stubai in Fulpmes
Hotel Stubai in Fulpmes

Die Eröffnung der Pustertalerbahn 1871 zwischen Franzensfeste und Villach bedeutete einen wirtschaftlichen Aufschwung durch den ansetzenden Tourismus, etwa durch Emma Hallensteiner („Schwarzer Adler“, später „Hotel Emma“) am Hauptplatz Niederdorf.

Die Zahnradbahn auf den Ritten ergab sich durch die Gründung der Etschwerke als Option, für die Etschwerke stellte die Bahn einen wichtigen Stromkunden dar. Dem Aktionskomitee gehörten Edmund von Zallinger, Kurvorstand in Gries, Julius Perathoner und Josef Riehl an, letzterer als Projektant.

Seit den 1880er-Jahren arbeitete Josef Riehl auf eigene Initiative an der Karwendelbahn, setzte fast sein ganzes Privatvermögen ein, um die Detailpläne zu konstruieren. Nach Abschluss eines österreichisch-bayerischen Staatsvertrags 1904 erhielt er den Auftrag der ganzen Bahnanlage.

Josef Riehl war wichtigster Berater der Stadt Innsbruck in Energiefragen und Verkehrsfragen. 1894 erwarb Riehl eine Bauparzelle im Innsbrucker Villenviertel Saggen, ließ dort eine moderne Gründerzeitvilla bauen, von welcher aus er seine Projekte betreute. Diese Villa wurde 1975 abgerissen. Seit 1902 betrieb Riehl ein Büro am Innsbrucker Pfarrplatz und ab 1906 ein Büro in der Wiltner Pechestraße.

Nicht verwirklicht wurde die Dolomitenbahn, die über das Grödnerjoch, den Campolungo- und den Falzarego-Pass führen sollte, jedoch nur in Teilstrecken realisiert wurde.

Zudem baute Riehl die Bregenzer Hafenanlagen für die Staatseisenbahnverwaltung.

Josef Riehl war es auch, der mit dem Grieser Kurvorstand, dem Rechtsanwalt Edmund von Zallinger, ab 1894 an der Fleimstalbahn von Auer oder Neumarkt bis Moena arbeitete, im Besonderen um das Fleimstal und Fassatal an Bozen zu binden, was dem Wunsch der betroffenen Bevölkerung entsprach.

Beim Projekt Fleimstalbahn verbanden sich die Karrieren von Josef Riehl, Theodor von Christomannos, Julius Perathoner und Karl von Grabmayr:

Tiroler Post, 5. Mai 1905

Josef Riehl gilt darüber hinaus als Pionier des modernen Fremdenverkehrs, war Kammerrat der Handelskammer Innsbruck, Vertreter Innsbrucks im Staatseisenbahnrat, Obmann im Ingenieurverband Tirol und Vorarlberg, Obmann in der Sektion Nordtirol des Bundes der Industriellen und ab 1908 deutschfreiheitlicher Gemeinderat in Innsbruck.

Josef Riehl wurde Ehrenbürger Innsbrucks und Ehrendoktor der Technischen Hochschule Wien.

Josef Riehl wurde 1908 für den „Deutschen Volksverein in Innsbruck und Umgebung“ in den Gemeinderat gewählt, dessen Obmann der Freiheitliche Eduard Erler war. Das „Tiroler Tagblatt“ schreibt darauf folgend, dass der Innsbrucker Gemeinderat zur Gänze aus deutschfreiheitlichen Mitgliedern bestand.

„Tiroler Tagblatt“ am 16. Mai 1908

Eine größere politische Karriere blieb Josef Riehl verwehrt. Anlässlich der Reichsratswahl 1911 war er Kandidat der Deutschfreiheitlichen Partei im Wahlkreis Tirol 10, der die Landgemeinden rund um Innsbruck, Hall, Steinach und Mieders umfasste. Dass es ein Freiheitlicher in einem Landwahlkreis kaum schaffen konnte, war wohl von Anfang an klar. Riehls Kandidatur kann also wohl in die Kategorie „Idealismus“ eingeordnet werden:

Der Deutschfreiheitliche Riehl landete nach dem Kandidaten der Christlichsozialen, der Konservativen und der Sozialdeokraten nur auf Platz vier.

Wilhelm Greil ehrte anlässlich der Totenfeier das Werk Josef Riehls: „Eine Zähigkeit und Ausdauer konnte Riehl entwickeln, welche zum Staunen war.“ Und weiter: „Er war aber auch ein großer Patriot, der für Innsbruck und sein Vaterland Tirol Hervorragendes geleistet hat. Er war ein Mann der Tat. Für die wirtschaftliche Hebung des Landes, sowie für die Hebung des Fremdenverkehres dürfte kein Mann in Tirol sein, der nur annähernd so Großes geleistet hat, wie Riehl. Riehl war aber außerdem ein seelenguter Mensch, entgegenkommend und liebenswürdig gegen jedermann und außerordentlich wohltätig, auch in der Wohltätigkeit ebenso großzügig, wie in seinen anderen Unternehmungen.“

Josef Riehl wurde zu Lebzeiten als der „Borhwurm“ Tirols beteichnet und gehörte zu den 60 wohlhabensten Personen Innsbrucks. Zudem gilt er als „Eisenbahnvater Tirols“.


Max von Esterle, Josef Riehl
als „Landes-Bohrwurm“

Rihel hielt Aktien an Stubaitalbahn, Mittenwaldbahn, Mittelgebirgsbahn und Lokalbahn Innsbrucks, die Aktien sowie den Großteil seines Vermögens stiftete er sozialen Zwecken.

Die 1870 gegründete Baufirma „Josef Riehl“ wurde von Ingenieur Wilhelm von Doderer und den Oberingenieuren Karl Innerebner und August Mayer weitergeführt, erst 1997 wurde die Firma „Innerebner & Mayer“ an die STUAG und an weiter an die STRABAG verkauft.

Josef Riehl verstarb am 17. Februar 1917 in Innsbruck.

Der Bahnhof Oberbozen wurde 2007 nach Ingenieur Josef Riehl benannt.

10. Todestag Josef Riehls, Innsbrucker Nachrichten am 17.02.1927

Ingenieur Josef Riehl wird als einer der wichtigsten Wasserbauingenieure in Europa gelistet („Hydraulicians in Europe 1800-2000“, Volume 2):

Literatur:

[1] Ing. Dr. Josef Riehl – Pionierleistungen im Zuge der Industrialisierung des Alpenlands (Link)

[2] Bettina Schlorhaufer: „Berghotels 1890 – 1930: Südtirol Nordtirol Trentino“, Birkhäuser Verlag, Basel 2021

8 Antworten zu „Wer war Josef Riehl?“

  1. Avatar von Manni Schneiderbauer
    Manni Schneiderbauer

    Danke für diesen sehr interessanten Blogpost bzw. Artikel!

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  2. Avatar von Wer waren Musch & Lun? – Demanega

    […] dem Büro Musch&Lun sowie dem Ingenieur Josef Riehl werden zahlreiche Anknüpfungspunkte evident: In der Regel war Josef Riehl mit dem Bau der Straßen […]

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  3. Avatar von Wer war Eduard Erler? – Demanega

    […] wirkte Eduard Erler als Rechtsanwalt Josef Riehls, des Eisenbahnpionier Tirols, war folglich am Infrastrukturbau in Tirol […]

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  4. Avatar von Wer war Josef Beikircher? – Demanega

    […] Eisenbahnpionier Ingenieur Josef Riehl und der Elektrotechniker Josef Beikircher planten und finanzierten eine Bahnstrecke von Bruneck […]

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  5. Avatar von Wer war Edmund von Zallinger? – Demanega

    […] gehörten Edmund von Zallinger, Kurvorstand in Gries, Julius Perathoner und der Ingenieur Josef Riehl an, letzterer als […]

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  6. Avatar von Wo ist die Freiheit in Tirol geblieben? – Demanega

    […] der Technik und des Ingenieurwesens wie Josef Riehl, die im Straßenbau, im Eisenbahnbau sowie im Bereich der Wasserkraft und Energie Weichen für den […]

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  7. Avatar von Wer war Karl Innerebner? – Demanega

    […] Jahre später wurde er 1899 vom Bozner Bauingenieur Josef Riehl als leitender Ingenieur in dessen Bauunternehmen berufen. Riehl erkannte frühzeitig Innerebners […]

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  8. Avatar von Der Technische Club in Innsbruck: Klub Riehl – Demanega

    […] Josef Riehl war Vorsitzender im Technischen Club Innsbruck, Karl Innerebner war im Ausschuss. […]

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