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Grünes Dach & grünes Bauen: Die fünfte grüne Fassade

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Wenn das Klima immer extremer wird, die Hitze größer, aber auch die Schlagregen drastischer, sind Gegenmaßnahmen notwendig, die im Großen – bei Bauwerken gegen Naturgefahren, Vermurungen und Hochwasser – aber auch im Kleinen, bei Begrünungen, grünen Dächern und grünen Fassaden ansetzen. Das Ingenieurwesen ganzheitlich auffassen, bedeutet, den Bogen von der Naturgefahr bis zum Gebäude zu schlagen.

Nach den vier vertikalen Fassaden stellt das Dach bestenfalls die fünfte grüne Fassade dar. Das grüne Dach oder die grüne Fassade sind aber auch eine ästhetische Angelegenheit, weil wir dadurch die Verbindung und Integration mit der Natur vollziehen wollen und können.

In der Regel werden grüne Dächer als Flachdächer ausgeführt. Flachdächer sind allerdings nicht die erste Wahl, wenn es darum geht, sich sensibel in den baulichen Bestand und in die Baukultur einzufügen. Die ideologische Debatte um das Flachdach ist auch unter dem Vorwand der „Neuen Sachlichkeit“ abzulehnen und stattdessen ein sachlicher Standpunkt einzunehmen. Wohnästhetisch spricht vieles für das geneigte Dach. Trotzdem gibt es genügend Situationen, bei denen ein flaches Dach sinnvoll ist, ob urbanistisch, um nämlich das Bauvolumen zu reduzieren, oder um ökologische Ausführungen und Aspekte besser zu beantworten, nämlich mehr Grün und besserer Wasserhaushalt in unseren gebauten Umgebungen.

Mit der Flachheit steigen die technischen Anforderungen an die Dachhaut und an die Baukunststoffe immens. Aber auch die Tragwerksplanung und Statik hat größere Schwierigkeiten zu lösen, die sich bei Dachkonstruktion nicht in Filigranität äußern. Insbesondere bei Dachneigungen unter 2% ist die Entwässerung behindert und macht technische Vorkehrungen notwendig. Nicht nur der Feuchteschutz, sondern vor allem auch der Dampfhaushalt stellt eine Herausforderung dar, weil das begrünte Dach grundsätzlich nicht dampfdurchlässig ist und folglich auch nur als belüftetes Dach eine stabile Lösung darstellen kann.

Die Abdichtungsschicht muss mechanischen Einwirkungen, UV-Strahlung, Windkräften, erhöhtem Niederschlagswasser und Brandeinwirkung standhalten. Bei begrünten Dächern schützt die Begrünung die Abdichtungsschicht vor Wetter- und Sonneneinflüssen, sodass die hohen Temperaturen gar nicht erst entstehen. Allerdings erschwert die Begrünung auch den Eingriff zu Instandhaltungszwecken und reduziert die Wirksamkeit von Photovoltaik durch die behinderte Reflexion durch die Dacheindeckung. Gegen die Wurzelbildung sind Vorkehrungen zu treffen.

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen dem unbelüfteten, einschaligen Flachdach – auch Warmdach bezeichnet – und dem zweischaligen oder belüfteten Dach, dem Kaltdach. Der Begriff „Kaltdach“ bezeichnet dabei die Luftschicht zwischen der wärmegedämmten Schicht und der Dachabdichtung. Beim Warmdach befindet sich die Abdichtungsebene über der Wärmedämmung. Das Umkehrdach ist hingegen ein Warmdach, also ein Flachdach mit Belüftung, bei dem die Wärmedämmung allerdings auf der Abdichtungsebene angebracht wird.

Gerade in Zeiten extremer Wetterverhältnisse ist der Rückgriff auf begrünte Flachdächer zunehmend ein Thema. Wenn schon flaches Dach, dann grün und ökologisch. Dächer können aber auch bis 15 und 20° problemlos grün ausgeführt werden. Bis 5° können Dächer in der Regel als intensives Gründach ausgeführt werden. Allenfalls sind bei größeren Neigungen technische Vorkehrungen gegen das Abrutschen als Erosionsschutz notwendig und zwar bereits in der Spanne zwischen 3 und 20°. Von 20 bis 30° sind Schubsicherungen erforderlich. Bei 45° ist eine technische Grenze gesetzt, weil der Aufwand für Konstruktion und Instandhaltung immer größer wird. Umso steiler das Dach, umso geringer werden allerdings die Auswahlmöglichkeiten an die Dachbegrünung.

Zu unterscheiden ist beim Thema des begrünten Flachdaches zwischen intensiv begrüntem Dach, extensiv begrüntem Dach und Retentionsdach. Während das intensiv begrünte Dach intensiv bewässert und unterhalten werden muss, verfügt das extensiv begrünte Dach über eine Vegetation, die weitgehend ohne menschliche Eingriffe funktionieren kann. Retentionsdächer sind hingegen Dachkonstruktionen, die aktiv bei Starkregenereignissen wirken.

Extensiv begrünte Dächer können mit vielfältigen Pflanzen, die zwischen 5 und 40 cm hoch werden, gestaltet werden und auch farblich sehr vielfältig sind. Zwischen der extensiven und der intensiven Begrünung gibt es auch die semi-intensive oder semi-extensive Begrünung, die eine Zwischenform darstellt und wo die Instandhaltung gegenüber der intensiven Begrünung reduziert ist.

Literatur:

[1] Klaus Sedlbauer, Eberhard Schunck, Rainer Barthel, Hartwig M. Künzel; „Flat roof construction manual – Materials, design, applications“, Birkhäuser, Basel 2010

[2] Eberhard Schunck, Hans Jochen Oster, Rainer Barthel, Kurt Kiessl: „Roof construction manual“, Birkhäuser, Basel 2003

5 Antworten zu „Grünes Dach & grünes Bauen: Die fünfte grüne Fassade“

  1. Avatar von Modernes grünes Bauen mit Stroh und Schilf – Demanega

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  2. Avatar von Strategische Sanierungen im Immobiliensektor – Demanega

    […] Durch zusätzliche Balkone, Dachterrassen, flexiblere Räume und durch eine Fassaden– und Dachbegrünung wird aus dem Altbau ein Projekt, das dem Neubau durch gezielte Planung sogar noch überlegen […]

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  3. Avatar von Architekturwettbewerbe und Wettbewerbserfolge – Demanega

    […] Holzmodulbau: Serielles Bauen mit Raummodulen aus Holz Grüne Fassaden und grüne Statik Grünes Dach & grünes Bauen: Die fünfte grüne Fassade […]

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  4. Avatar von Bioengineering & Struktureller Minimalismus – Demanega

    […] folglich besser werden sollen, dann ist es mit dem grünen Aufputz nicht getan. Natürlich sind das grüne Dach sowie die grüne Fassade für bessere Umgebungen heute wesentlich. Mehr als um die Hüllen muss es […]

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  5. Avatar von Grün-blaues Bauen: Grüne Fassaden, blauer Wasserhaushalt – Demanega

    […] Grüne Dächer und grüne Fassaden können hier einen aktiven Beitrag leisten. Mit der grünen Gestaltung der Hülle ist es aber meistens nicht getan. Diese ist – im besten Fall – die markante grüne Oberfläche eines nachhaltigen Bauens. Ist das Projekt von Grund auf ökologisch gestaltet, geht es an die Themen Begrünung und Wasserhaushalt. […]

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