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Tragfähiges Konstruieren im Holzbau

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Bauingenieur Südtirol

Während Holz im tradierten Bauen der klassische Werkstoff war, war es – durch die in der Moderne bedingten „Fortschritte“ im Bauwesen – rational, auf anderweitige Werkstoffe zurück zu greifen. Stahlbeton oder Stahl sollten gegenüber Holz, Stein und Mauerwerk ungeahnte Möglichkeiten im Konstruieren versprechen.

Dass der Holzbau heute insbesondere unter dem Eindruck moderner Holzwerkstoffe, hybrider Verbindungen, modularer Bauweise und im Kontext des mehrgeschossigen Holzbaus eine so genannte „Renaissance“ erlebt, dürfte niemanden mehr überraschen und hängt auch mit den wahrnehmbaren Defiziten der so genannten baulichen „Moderne“ zusammen.

Als Bauingenieur ist Holz als Werkstoff für mich gleich in mehrerlei Hinsicht faszinierend:

  • Die Möglichkeit, einen regionalen Werkstoff einzusetzen, dabei auf lokale Forstwirtschaft und lokale Handwerker zurück zu greifen – insbesondere im zentralen Alpengebiet, zu dem Südtirol gehört, ist es rational, vernünftig und wesentlich, auf Holz als Baustoff zu setzen;
  • Die Nutzung von tradiertem Wissen im Umgang mit dem Baustoff Holz und seinen vielfältigen traditionellen konstruktiven Verbindungen, die insbesondere auch ein kultureller Wert sind;
  • Die Innovation, die durch Holzwerkstoffe und hybride Verbindungen bedingt wird;
  • Das Bewusstsein, einen nachhaltigen Werkstoff zu verbauen, dem ich draußen in der Natur beim Wachsen zusehen kann;
  • Das Gewichtsersparnis durch die leichte Konstruktion und folglich die Herabsetzung der Bauwerkslasten – insbesondere im Bauen im Bestand, das in Zukunft bedeutender werden wird.

Und nicht zuletzt ästhetisch: Die Verbindung mit dem Natürlichen, die ich fühle, wahrnehme und nachvollziehen kann.

Trotzdem fristet der Holzbau derzeit immer noch ein Randdasein, dem zwei Entwicklungen Abhilfe verschaffen können:

1. Die politische Gesetzgebung, die die Ökobilanz beim Bauen stärker in den Vordergrund stellt;

2. Herausragende Beispiele für den modernen Einsatz des Werkstoffes Holz, an dem Architekten und Bauingenieure heute gleichermaßen beteiligt sind.

Gerade Letzteres ist als Bauingenieur vielversprechend und gleichzeitig auch motivierend, um – mit den Erkenntnissen des tradierten Holzbaues – an modernen und innovativen Lösungen im Holzbau zu arbeiten.

Mein persönlicher Zugang ist dabei jener, Werkstoffe wie Stahlbeton, Stahl, Mauerwerk, Naturstein, bauaufgabenspezifisch einzusetzen, wenngleich eine Option sowie ein Primat für den Holzbau ein Gebot der Vernunft ist.

6 Antworten zu „Tragfähiges Konstruieren im Holzbau“

  1. Avatar von Salurn – ein wesentliches Stück Südtiroler Unterland – Michael Demanega

    […] an diesem Schnittpunkt der Kulturen ist geprägt durch südliche und nordische Formen. Steinbau und Holzbau wechseln sich im vernakulären Bauen ab. Hinzu gesellen sich die architektonischen Hochstile, die […]

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  2. Avatar von Alpines Bauen – Demanega

    […] wenig Verarbeitung verbaut und nach der Nutzungsdauer wieder in die Natur abgegeben. Bauen mit Holz oder mit Stein erreicht die höchste Stufe der Naturnähe. Wahrlich, eine romantische Sicht, aber […]

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  3. Avatar von Innovation im (mehrgeschossigen) Holzbau – Demanega

    […] Tragfähiges Konstruieren im Holzbau […]

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  4. Avatar von #elemente: Das Bundwerk – Demanega

    […] Tragfähiges Konstruieren im Holzbau […]

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  5. Avatar von Regionales Holz – Viele Vorteile durch kurze Wege – Demanega

    […] elementar für das Bauen und bietet auch in unserer heutigen hochtechnologischen Zeit noch viele Vorteile. Doch für die vollumfängliche Nutzung des Werkstoffs muss nicht nur das Material an sich […]

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  6. Avatar von Stampflehm und Stampfbeton: Ökologische Alternativen im Bauen – Demanega

    […] Gion Caminada und das elementare Bauen, Wohnen und Leben Bauen mit Naturstein Tragfähiges Konstruieren im Holzbau […]

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