Wer war Leopold Pfaundler?

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Leopold Pfaundler von Hadermur, 1839 in Innsbruck geboren, war Physiker und Alpinist.

Nach dem Gymnasium in Innsbruck – sein Lehrer war Adolf Pichler – studierte er ab 1856 Chemie an der Universität Innsbruck, befasste sich aber auch mit Mathematik und Physik.

1859 war Pfaundler mit Ludwig Barth zu Barthenau Tiroler Landesverteidiger.

„1859 musste Pfaundler die Studien für kurze Zeit unterbrechen, um als freiwilliger Schütze der akad. Kompagnie an die bedrohte Grenze zu eilen. Mit Kriegskameraden dieses für unsere Akademiker unblutig verlaufenen Feldzuges gründete er und Hugo Graf Enzenberg mit den in reichsdeutsche studentische Bräuche eingeweihten August von Druffel am Abend des 30.Dezember 1859 das Innsbrucker-Corps „Rhätia“. Die briefliche Aufzeichnung mit der Chlor ( dies der Kneippname Pfaundlers) Hugo Enzenberg ( Schneck ) , den Zweck resummierend mitteilte , den er bei der Corpsgründung im Auge behalten wollte , ist noch im Originale erhalten. Bei der ernsten Auffassung corpsstudentischer Pflichten , die darin zutage trat, ist es wohl selbstverständlich, dass der Studienfortschritt eher neuen Antrieb als irgendwelche Verzögerung erfuhr. Am 17. Juli 1860 bestand er das erste, am 20. Dezember das zweite, am 26. Juli 1861 das dritte philosophische Rigorosum, sämtliche mit Auszeichnung. Das letzte Semester hatte er in München zugebracht wo er bei Liebig studierte. Seine Promotion erfolgte am 27. Juli 1861 (die jedoch sein Vater nicht mehr erlebte, er war im März 1861 verschieden)“ [2].

Im Jahr 1859 gehörte Leopold Pfaundler mit Hugo Graf von Enzenberg und August von Druffel zu den Stiftern des Corps Rhaetia in Innsbruck. Treibende Kraft war Hugo von Enzenberg. Die Gründer waren Rückkehrer aus den Tiroler Grenzkriegen 1859. Infolgedessen war es kein Zufall, dass die Farben weiß-grün der Landesschützen gewählt wurden. Das Corps Rhaetia verstand sich als außerordentlich deutsch und politisch, stand vom Wesen her der burschenschaftlichen Bewegung nahe, die Gründung einer expliziten Burschenschaft verwarf man 1859 aus rechtlichen Gründen jedoch [1].

Bereits ab 1859 begann Pfaundler damit, die Tiroler Berge zu studieren und zu vermessen.

Mit seinen Alpinkameraden Robert von Hörmann, Josef von Trentinaglia und Hugo von Enzenberg studierte Pfaundler jene Tiroler Gebirge, die schlecht erforscht waren. Die Gebirgszüge wurden vermessen, kartiert sowie deren Geologie, Flora und Fauna beschrieben. In diesem Zuge wurden auch Erstbesteigungen durchgeführt. An den Erstbesteigungen beteiligte sich auch Ludwig Barth.

Wie 1859 diente er auch 1866 an der Tiroler Südfront. Er unterbrach 1866 sein Habilitationsstudium, um am Tiroler Grenzkrieg teilzunehmen, bei dem in seinen Rucksack geschossen wurde.

„Den Feldzug des Jahres 1866 machte er als Oberleutnant der freiw. akad. Kompagnie mit, an der die beiden Innsbrucker-Korps Rhätia und Athesia und die kathol. Verbindung Austria mit je einen Zuge beteiligt war. Diesmal kamen die Innsbrucker Akademiker zwischen Caffaro und Rocca d’Anfo auch ernstlich ins Feuer. Pfaundler selbst erhielt jedoch nur einen Schuss durch den Rucksack. Er erhielt das goldene Verdienstkreuz mit der Krone, die Landesverteidigungs- und Kriegsmedaille . Beinahe wäre er der Tiroler-Landes-Verteidigungs-Referent geworden. Er war für diese Stelle ausersehen und erst als er ablehnte, griff man über seinen Vorschlag auf Eduard von An der Lan, der bekanntlich im letzten halben Jahrhundert dieser Sache, insbesondere dem Standschützenwesen den Stempel seiner Persönlichkeit lieh“ [2].

Pfaundler verfasste eine Abhandlung zum Kriegsereignis 1866 und führte die Teilnehmer der akademischen Kompanie namentlich an:

Darunter war auch der Schütze Karl von Grabmayr:

Nach Studien in Innsbruck, München und Paris promovierte er 1861 zum Doktor der Philosophie und habilitierte sich 1866 für physikalische Chemie. Bereits 1867 veröffentlichte er seine wegweisende Arbeit „Beiträge zur chemischen Statik“, in der er chemische Gleichgewichte mithilfe der kinetischen Molekulartheorie erklärte. Damit leistete er einen wichtigen Beitrag zum Verständnis chemischer Reaktionen.

Auch als experimenteller Physiker trat Pfaundler mit bemerkenswerten Leistungen hervor. 1870 gelang es ihm, mithilfe eines Elektromotors erstmals einen kontinuierlichen elektrischen Strom zu erzeugen. 1888 konstruierte er einen Projektionsapparat zur Darstellung von Lissajous-Figuren, die durch die Überlagerung zweier zueinander senkrechter Schwingungen entstehen und zur Veranschaulichung harmonischer Bewegungen dienen.

„Leopold Pfaundler von Hadermur war ein vielseitiger und viel interessierter Mann. Zu seinen Leidenschaften zählten Fechten, Schwimmen, Eislaufen und das Schießen, Reisen und Bergsteigen. Außerdem beschäftigte er sich mit dem japansichen Spiel Go, über das er 1908 eine auch in Japan viel beachtete Abhandlung schrieb,“ hält Georg Federmann fest.

1869 war Pfaundler Mitunterzeichner des Aufrufs zur Gründung des Deutschen Alpenvereins (DAV), war 1869 Gründungsmitglied der Sektion Innsbruck und bis 1874 deren erster Vorsitzender. Mitglied des Alpenvereins Innsbruck wurde zu jener Zeit auch Pfaundlers Corpsbruder Hugo von Enzenberg. Zudem war Pfaundler Gründer des Turnvereins Innsbruck.

1867 wurde Pfaundler zum ordentlichen Professor für Physik an der Universität Innsbruck berufen, deren Rektor er 1880 für ein Jahr war. 1891 wechselte er als Professor an die Universität Graz, wo er die Nachfolge Ludwig Boltzmanns antrat. Seine wissenschaftliche Arbeit umfasste sowohl theoretische Untersuchungen als auch die Entwicklung experimenteller Apparate, darunter Temperaturregler, Thermometer und Messinstrumente. 1887 wurde er zum wirklichen Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien gewählt; bereits 1882 war er in die Leopoldina aufgenommen worden.

Neben seinen Forschungsarbeiten wirkte er als Herausgeber des renommierten Physiklehrbuchs von Müller und Pouillet.

Literatur:

[1] Georg Federmann: „Viktor Hess und die Entdeckung der Kosmischen Strahlung“, Diplomarbeit an der Universität Wien, Wien 2002

[2] Gedenkrede über Hofrat Professor Dr.Leopold Pfaundler von Doz. Dr. Hämmerle am 26. Oktober 1920, Naturwissenschaftlich-medizinischer Verein Innsbruck

[3] Leopold Pfaundler: „Die Erlebnisse der freiwilligen akademischen Schützen-Compagnie im Feldzuge des Jahres 1866“, Wagner, Innsbruck 1867

[4] Alfred Wieser und Burkhart Sachs: „Das Corps Rhaetia zu Innsbruck. 1859 bis 1959“, Corps Rhaetia, Innsbruck 1989

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