Wer war Anton Profanter?

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Anton Profanter wurde 1822 in St. Johann bei Bozen geboren, studierte Medizin in Wien und stand, als die 1848er-Revolution ausbrach, auf Seiten der Revolutionäre, ehe er als Oberleutnant der Tiroler Studentenkompanie an die Südfront zog.

Gemeinsam mit Adolf Pichler verfasste Anton Profanter den Aufruf and die Bewohner Wiens, zur Bildung einer Tiroler Studentenkompanie beizutragen:

Anton Profanter diente 1848 als Oberleutnant an der Südfront.

Kurz darauf promovierte er 1849 in Medizin, wurde Gemeindearzt in Salurn, Kurtatsch und Tramin, heiratete Ludmilla Bergmeister und zog Mitte der 1860er-Jahre in die Vaterstadt Bozen. Der Sohn Paul Profanter wurde Gynäkologe.

Im Jahr 1866 war Anton Profanter hingegen Hauptmann der Bozner Bürgerkompanie, die an die Südfront rückte. Am 21. Februar 1874 wurde er hingegen neben Hauptmann Anton Schiestl und dessen Stellvertreter, Architekt Josef Irschara, als Vorsitzender der Ordnungsmannschaft der Freiwilligen Feuerwehr Bozen gewählt.

Beim Bergführerkurs des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins scheint Anton Porfanter als Dozent für Hilfeleistung bei Unglücksfällen auf.

Politisch gehörte er dem verfassungsfreundlichen (freiheitlichen) Wahlkomitee für Deutschtirol an:

1887 wird Anton Profanter als Kreisgerichtsarzt und Spitalsdirektor angeführt und gehört 1889 zum Komitee, das die Errichtung des Waltherdenkmals vorantreibt:

Es ist der Bozner Arzt Valentin von Braitenberg, der zum 50. Doktorjubiläum Anton Profanters eine Hommage verfasst, die mehr eine weltanschauliche Einordnung als eine persönliche Auseinandersetzung ist: „Das gegenwärtige Jahrhundert, einst unter gewaltigen Wehen und Stürmen geboren, hat der Welt als Wiegegeschenk die grossen Ideen der erleuchteten Geister am Ausgange des Achtzehnten vermittelt, und in seinem ersten Anlaufe wie im Ungestüme der Jugend, den Umsturz festgewurzelter Einrichtungen und Meinungen bewirkt, – den Völkern Europas blutige Kriege und namenlosen Jammer gebracht; — aber auch inmitten der allgemeinen Noth die schönsten Blüten der Volksseele gezeitigt: Flammende Begeisterung für die Freiheit der Nationen, hingebende Vaterlandsliebe und jenen Opfermuth, der auch den Tod nicht scheute im aufgedrungenen, erlösenden Kampfe wider die Knechtung. Erfüllt von diesem edlen Drange hat das deutsche Volk nach schwerem Dulden fremder Willkür und Gewalt, endlichen Sieg und Freiheit gewonnen.“

Und weiter, bezugnehmend auf das neoabsolutistische Österreich: „Auch in unserem Oesterreich wurden die Zügel der Bevormundung straffer angezogen, jedes freie Urtheil, jede Selbständigkeit im Denken unterdrückt und verfolgt. Auf allen Gebieten des geistigen Lebens zeigte sich Erschlaffung und Rückgang. Künste und Wissenschaft fanden keine Förderung und verfachten auf breit getretenen Bahnen. Nirgends neue befruchtende Ideen, überall Mittelmass, farbloses Epigonenthum! Nur in den Herzen Weniger glühte noch, wohlgehütet der Funke des nationalen Bewusstseins aus der Zeit der Freiheitskämpfe — nagte die ungestillte Sehnsucht nach Freiheit des Gedankens und dem wohlberechtigten Antheile am öffentlichen Leben, den die Fürsten in ihrer Bedrängniss dem treuen Bürgertum verheissen.“

Um in der Folge den 1848er Anton Profanter als Doyen der Freiheit und der deutschen Einigung darzustellen.

1899 darlegt, dass Anton Profanter die schwarz-rot-goldene Kriegsfahne der Wiener Studentenkompanie ins Museum von Bozen holte, als das Tiroler Landesmuseum ihrer „missliebig“ wurde.

Zudem zeichnet Braitenberg ein bewegtes Leben Profanters, eingebettet in eine deutschfreiheitliche Weltsicht.

Anton Profanter selbst übte Kritik am freiheitlichen Bürgermeister Bozens, Joseph Streiter. Profanters Festhaltungen belegen, dass das freiheitliche Lager nicht so homogen war, wie man glauben würde. Die Kritik richtete sich gegen die Tatsache, dass die Gemeinde Bozen im Frühjahr 1867 – anders als die Gemeinden Zwölfmalgreien und Gries – keine entschiedene 1866er-Feier ausrichtete:

„[…] Als die Tage der Gefahren vorüber waren und wir, nachdem der Feind das Land verlassen hatte, nach Hause kehrten, mußten wir von mancher Seite hören, wir hätten nur einen Vergnügungszug unternommen. Fürwahr! ein wohlfeiler Spott von jenen kleinen Leuten, die damals in ihrer Angst kaum wußten, wohin sie flüchten sollten und die in ihrem engen Herzen freilich das Edle und Opfermutige unseres Entschlusses nicht fassen konnten. – Denn abgesehen von dem Opfer, das fast jeder von uns durch die Zurücklegung seines bürgerlichen Geschäftes ertrug, der Arbeit der Ausrüstung, der Mühe des beschwerlichen Aufmarsches, standen wir wenige Stunden entfernt vom Feinde und hätte derselbe die Zeit, als Trient unbeschützt dastand, benützt, wäre später der Waffenstillstand, was niemand voraussehen konnte, nicht abgeschlossen worden, wahrlich uns wäre die Gelegenheit sicher nicht entgangen, wo wir unsern Muth auch durch Thaten hätten beweisen müssen. Doch hat sich der Landsturm durch sein schnelles schlagfertiges Zusammentreffen, durch seine ausgezeichnete Manneszucht, durch das ernste Bewußtsein eines jeden von uns, daß es für das Vaterland gelte und den moralischen Eindruck, den er durch dies alles hervorbrachte, Verdienste gesammelt, die auch sonst aller Orten mit Bewunderung und Achtung ihm zuerkannt wurden. Denn dem Landsturm gebührt die Palme jener Tage. Um so mehr verwundert es uns, in unserer Stadt, der wir durch unsern freiwilligen Ausmarsch damals gewiß einen Gefallen erwiesen haben, zu dem heutigen Tage keine andere Vorbereitung zu sehen, als die gestrige verspätete Zeitungsannonce, da doch in allen andern Orten des Landes dieser Tag festlich gefeiert werden soll […]“ [3].

Bozner Nachrichten, 20.12.1900

Literatur:

[1] Isidor Fischer: „Wiens Mediziner und die Freiheitsbewegung des Jahres 1848“, Verlag Ars Medici, Wien1935

[2] Valentin von Braitenberg: „Festschrift zum fünfzigjährigen Doctor-Jubiläum des Dr. Anton Profanter, Ritter des Franz-Josef-Ordens“, Bozen im Februar 1899

[3] Christine Mumelter: „Joseph Streiter 1804–1873: Ein vergessener Bürgermeister?“, Athesia Verlag, Bozen 1998

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