Wer war Herbert Thalhammer?

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Herbert Thalhammer war als Beamter und Geograph ab 1945 intensiv damit beschäftigt, zu einer annehmbaren Lösung in der Südtirol-Frage beizutragen. Dazu befasste er sich mit der italienischen Verhandlungsposition, die er zerpflückte.

Herbert Thalhammer wurde 1911 in Linz geboren und verbrachte die Jugend im Salzkammergut. Vorerst studierte er Philosophie in Wien und ab 1931 Botanik, Mineralogie und Geologie in Innsbruck. In Innsbruck wurde er Mitglied des Akademischen Alpenklubs, einer nationalfreiheitlichen Verbindung, die sich – wie es der Name besagt – dem Alpinismus verschrieb. Letztlich wechselte er nach München und schloss 1938 mit einer geographischen Dissertation über das „Meraner Land“ ab. Michael Gehler charakterisiert Thalhammer als „freiheitlich-national“.

Es war Eduard Reut-Nicolussi, der Thalhammer nach Kriegsende als Südtirolfachmann für die „Landesstelle für Südtirol“ einstellte. Im Zuge der Friedenskonferenz in Paris wurde Thalhammer die rechte Hand von Österreichs Außenminister Karl Gruber. Er nahm eine zentrale Rolle im Zuge der Ausarbeitung von Kompromissvorschlägen ein.

Insgesamt besteht die Problematik anlässlich der Verhandlungen in Paris darin, dass der italienische Außenminister Alcide De Gasperi bereits in Paris war. Karl Gruber, von den Allliierten zum provisorischen Landeshauptmann bestimmt, machte sich mit einer Delegation auf dem Weg nach Paris. Den Tirolern war es nur möglich, zu sondieren und zu informieren, während die Italiener verhandeln.

Karl Gruber erfuhr, dass sich die Außenminister am 14. September 1945 in einer Vorentscheidung für einen Verbleib Südtirols bei Italien ausgesprochen hatten. In der Folge gab er die harte Verhandlungsführung auf und machte fortlaufend unnötige Zugeständnisse. Michael Gehler bezeichnet diese Aufweichung der Verhandlungsposition als „unklug“ und „kontraproduktiv“.

Zudem war die italienische Verhandelsführung eiskalt: De Gasperi außenpolitischer Vertrauensmann Maurizio de Strobel di Fratta e Comporigno kommunizierte, die Südtiroler seien besonders stark in den Nationalsozialismus und in die SS-Formationen involviert gewesen und versuchte die Tiroler Verhandlungsposition dadurch zu vernichten. Es war in diesem Zusammenhang gerade die „Landesstelle für Südtirol“ unter Eduard Reut-Nicolussi, die dieser Argumentation zu entgegnen hatte. Die Italiener bewirkten, dass die Tiroler in die Defensive gedrängt wurden und sich mit Nebenschauplätzen zu befassen hatten.

Karl Gruber wurde am 26. September 1945 Unterstaatssekretär für Äußeres und ab 20. Dezember 1945 Außenminister. Karl Grubers Leistungen werden von den Historikern relativ negativ bewertet, weil dieser seine Verhandlungspositionen fortlaufend aufgab und ohne Notwendigkeit durch Zugeständnisse relativierte.

Eines dieser Zugeständnisse war die „Bozner Lösung“. Die „Bozner Lösung“ sah vor, dass Italien der wirtschaftlich wichtigste Bereich, nämlich die Bozner Industriezone inklusive dem Unterland zugesprochen wurde. Freilich handelte es sich dabei um eine äußerst fragwürdige Lösung, die aber auch den schweren Verhandlungsstand Österreichs charakterisiert, bei dem es darum ging, zu sichern, was zu sichern war. Karl Gruber ging davon aus, dass die deutschen Unterlandler in der Folge umgesiedelt werden könnten.

Insbesondere zerpflückte Thalhammer das italienische Argument, wonach die Südtiroler Wasserkraft für die italienische Industrie überlebensnotwendig wäre. Zudem legte er dar, dass die Bozner Industriezone im Winter 1945/46 nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern rein aus außenpolitischen Gründen am Leben gehalten worden sei. Die Glaubwürdigkeit Italiens wurde dadurch schwer beeinträchtigt.

Gegenüber Karl Gruber war Thalhammer zwar loyal, er stellte aber immer wieder Mängel in der Verhandlungsführung Grubers fest, wie aus den Tagebucheinträgen hervorgeht. In diesen legt Thalhammer die Verhandlungspositionen Österreichs dar und führt die Stellungnahmen der Staaten zur Südtirol-Frage an, von Mexiko bis Australien. Realistisch dachte er darüber nach, es sei ein Schutz der Volksgruppen auszuverhandeln, insofern eine Volksabstimmung in Südtirol nicht zustande kommen würde.

Thalhammer stellte am 21. September 1946 fest, dass der Sinn des Abkommens zwischen Italien und Österreich im Schutz der ethnographischen Minderheiten in Südtirol bestehen würde. Das Dilemma bestehe darin, dass Österreich 1946 kein souveräner Staat war. Aus diesem Grund seien keine weiterreichenden Lösungen für Südtirol möglich gewesen.

Im Laufe der Verhandlungen in Paris stellte Thalhammer fest, wenig bis keinen Einfluss auf Gruber nehmen zu können, der sich beratungsresistent zeigte. Folglich war Thalhammer über den Verlauf und den Ausgang sehr bedrückt. Nach Abschluss der Verhandlungen in Paris übernahm Thalhammer das Südtirolreferat der Tiroler Landesregierung von Eduard Reut-Nicolussi. 1957 folgte Viktoria Stadlmayer.

Während der gesamten Pariser Verhandlungen arbeitete Thalhammer die möglichen Lösungen der einstweiligen Grenzziehung zwischen Österreich und Italien detailliert dar, etwa mit Block auf die so genannte „Bozner Lösung“, die freilich nur ein schlechter Kompromiss war.

Herbert Thalhammer wurde anschließend Leiter der Abteilung Landesplanung und Statistik beim Amt der Tiroler Landesregierung, Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Raumforschung und Raumplanung sowie des Österreichischen Instituts für Raumplanung in Wien.

Anlässlich der Ungarn-Krise 1956 bemühte sich Thalhammer um ungarische Flüchtlinge und war in den 1960er-Jahren in die politischen Vorgänge in Südtirol unter dem Decknamen „Ernst“ involviert. Es war Landeshauptmann Eduard Wallnöfer, der Thalhammer als Verbindungsmann zum BAS einsetzte, um informiert zu bleiben. Folglich wurde Thalhammer von Italien mit einem Einreiseverbot belegt [2] [3].

Akademischer Alpenklub Innsbruck

Zum Tod am 27. Dezember 1968 schrieb sein Bundesbruder im Akademischen Alpenklub, Otto Csikos: „Du warst kein Stürmer, eher ein Sucher (…) Und als Dein ältester Sohn vor 10 Jahren einer Lawine zum Opfer fiel, wurdest Du noch stiller, noch mehr in Dich gekehrt; diesen Verlust hast Du wohl nie verwunden. Noch ein Wesenszug von Dir trat unter dem Eindruck der Erlebnisse jener vielen Jahre verstärkt in Erscheinung: Deine kompromisslose Hilfsbereitschaft, geboren aus der Bergkameradschaft. Nie bedachtest Du, ob sie einem Würdigen oder Unwürdigen zuteilwurde, nie, ob sie sinnvoll war oder nicht. Du warst Ratsuchenden ein einsichtsvoller, kompromissbereiter Helfer, Deinen Mitarbeitern ein stets hilfsbereiter und verständnisvoller Vorgesetzter, mir selbst ein Freund und Weggenosse durch ein Lebensalter. Fiduzit!“

Literatur:

[1] Michael Gehler: „Verspielte Selbstbestimmung? Die Südtirolfrage 1945/46 in US-Geheimdienstberichten und österreichischen Akten“, Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 1996

[2] Herlinde Molling: „So planten wir die Feuernacht“, Edition Raetia, Bozen 2011

[3] Hans Karl Peterlini: „Feuernacht. Südtirols Bombenjahre“, Edition Raetia, Bozen 2021

[4] Margareth Lun: „NS-Herrschaft in Südtirol. Die Operationszone Alpenvorland 1943-45“, Studienverlag, Innsbruck 2004

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