Franz Seraph Joseph Anton von Ottenthal wurde am 23. Mai 1818 in Sand in Taufers als Sohn des Steuereinnehmers Johann Paul von Ottenthal und Maria Anna Gräfin Hendl geboren. Nach dem Gymnasium in Brixen studierte er von 1837 bis 1844 Medizin an der Universität Wien, war anschließend Gemeinde- und Gerichtsarzt in Windisch-Matrei und danach Arzt in Sand in Taufers.
Ottenthal hinterließ insgesamt 244 Hefte mit über 87.000 Krankengeschichten, die ein wichtiges historisches Zeugnis sind.
Franz von Ottenthal wurde 1861 für die Landgemeinden Taufers, Enneberg, Buchenstein, Ampezzo und Welsberg in den Tiroler Landtag gewählt. Ab 1867 war er hingegen bis 1883 Abgeordneter des freiheitlichen Großgrundbesitzes.
Im 19. Jahrhundert war die Bezeichnung „liberal“ oder „freiheitlich“ eine Gegenthese zur klerikal-konservativen Partei. Während sich die Klerikal-Konservativen Thron und Altar unterordneten, entwickelte sich im Bildungsbürgertum eine autonome Haltung, die sich nicht mehr feudal-religiösen Strukturen unterordnete, sondern die Freiheit des Einzelnen, eingebettet in eine freie Nation, in den Mittelpunkt stellte. Es waren gerade Akademiker, die sich nicht durch feudale Strukturen in ihrer Entwicklung bremsen ließen, sondern eine freiheitliche Gesinnung an den Tag legten, die sie durch die „akademische Freiheit“ erfahren hatten.
Die wesentlichen Streitpunkte zwischen Freiheitlichen und Klerikalen waren die konfessionelle Freiheit, die Niederlassungsfreiheit für (deutsche) Protestanten, die Stellung der Kirche in der Schulbildung, die Zivilehe, die Erweiterung der Universität Innsbruck durch die Medizinische Fakultät, die Gemeindeordnung sowie die Neuorganisierung der Landesverteidigung [1].
Franz von Ottenthal bemühte sich im Landtag für die Landgemeinden Windisch-Matrei, die durch Wildbachüberschwemmungen arg bedrängt worden waren.
Für die Glaubensfreiheit stimmte Ottenthal im Gegensatz zu anderen freiheitlichen Abgeordneten nicht, weil er soziale Problem e befürchtete, insofern sich mehrere Konfessionen in kleineren Landgemeinden ergeben würden. Allerdings setzte er sich für die persönliche Glaubensfreiheit ein.
Als 1868 mit den Maigesetzen das zivile Ehegesetz sowie die staatliche Aufsicht über die Schule verabschiedet wurden, beteiligte sich Ottenthal 1870 am Bekenntnis der freiheitlichen Abgeordneten zu dieser Rechtspraxis. Die Klerikalen tobten.
Mit Katharina von Preu zu Lusenegg und Koburg hatte Franz von Otthental zehn Kinder, darunter der Historiker Emil von Otthenthal, der 1855 in Sand in Taufers zur Welt kam und 1931 in Wien verstarb. Emil von Ottenthal gehörte mit dem Burschenschafter Julius von Ficker dem akademischen Historikerclub Innsbruck an, welcher der erste wissenschaftliche Studentenverein Österreichs war.
Emil von Ottenthal geriet in Innsbruck mitten in den Tiroler Kulturkampf: „Dort standen sich an der Innsbrucker Philosophischen Fakultät – seit Beginn der konservativen Ära Taaffe – zwei gleich starke Parteien von Historikern gegenüber, die einander erbittert bekämpften: eine nationale der Ficker-Huber-Tradition, der auch Arnold Busson, Mühlbacher, Ferdinand Kaltenbrunner und Emil von Ottenthal angehörten, und eine klerikal-konservative mit Josef Hirn, Michael Mayr und Ludwig von Pastor.“
Literatur:
[1] Elena Taddei: „Franz von Ottenthal: Arzt und Tiroler Landtagsabgeordneter (1818 – 1899)“, Böhlau Verlag, Wien 2010
[2] Johannes Holeschofsky: „Hugo Hantsch. eine biografische Studie“, Dissertation an der Universität Wien, Wien 2012


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