Die Verbindung von Ingenieurbaukunst und Biologie ist im Grundbau allgegenwärtig, werden dabei nämlich im Rahmen der Ingenieurbiologie die Vorteile der Begrünung für die Tragsicherheit in Rechnung gestellt. Allerdings baut der Grundbau häufig auch in der Natur und mit der Natur.
Im Hochbau vollzieht sich die Eingliederung der Biologie in den Bauentwurf abseits von allfälligen „Aufhübschungen“ eher zögerlich. Dabei sind die Probleme heute akut: Zunehmende Dichte und Urbanisierung, Klimawandel und Wärmeinseln, ästhetische Probleme mit grauen Stadtquartieren und entsprechende Flucht aufs Land, ökologische Probleme sowie Hochwassergefahr im urbanen Kontext.
Grüne Dächer und grüne Fassaden können hier einen aktiven Beitrag leisten. Mit der grünen Gestaltung der Hülle ist es aber meistens nicht getan. Diese ist – im besten Fall – die markante grüne Oberfläche eines nachhaltigen Bauens. Ist das Projekt von Grund auf ökologisch gestaltet, geht es an die Themen Begrünung und Wasserhaushalt.
Beim blauen Thema Wasser stehen die Herausforderungen Starkregenfürsorge, Wasserrückhalt und Wasserverwendung an. Im besten Fall wird nämlich kein Trinkwasser bereit gestellt. Beim grünen Thema Vegetation die Suche nach der passenden Bepflanzung. In beiden Fällen sind die technologischen Fragestellungen zu beantworten.
Die Vorteile begrünter Fassaden liegen auf der Hand:
- Beitrag zum städtischen Grün, zu Biodiversität und Artenvielfalt als Lebensraum für Flora und Fauna
- Regenwasserrückhalt und reduzierte Belastung der Entwässerungsinfrastruktur
- Lärmreduktion durch die schalldämmenden Eigenschaften der Begrünung
- Wärmehaltung und Pufferwirkung im Winter
- Kühlung durch Verschattung und Verdunstung und dadurch ein aktiver Beitrag zum lokalen Klimaschutz
- Verbesserung der Luftqualität durch Sauerstoffproduktion, Luftreinigung und Feinstaubbindung
- Raumbildung und Strukturierung des Stadtbildes, Beruhigung, Begrenzung
- Aufenthalts- und Umgebungsqualität sowie Ästhetik
Selbstverständlich werfen die grünen Fassaden technische Herausforderungen auf.
Die Konstruktion richtet sich nach der Art und Weise der Begrünung: Handelt es sich um bodengebundene oder wandgebundene Begrünung? Handelt es sich um Selbstklimmer oder sind Rangvorrichtungen notwendig?
Wesentliche Projektanforderungen sind:
- Flächenbild
- Wuchshöhe
- Struktur
- Dichte
- Konstruktion und Wuchsvorrichtung
- Belaubungsphase im Jahreskreis
- Blühphase im Jahreskreis
- Farbbild
Als grober Anhaltspunkt für die Vegetation gilt, dass sich Weinreben, Waldreben und Bergreben gut für größere Höhen eignen. Die Wahl der passenden Vegetation ist aber durchaus eine komplexe Angelegenheit, die ganzheitlich und am besten zu Projektbeginn zu klären ist. Insbesondere bei Rankhilfen oder fassadengebundenen Begrünbungen stellen sich nicht nur Fragen an die Statik, sondern ebenso an die Dauerhaftigkeit und an den Korrosionsschutz. Metallbauteile sind immer auch Feuchteeinträgen ausgesetzt, sodass sich Edelstahl hervorragend eignet, aber auch einen Preis hat.
Das Thema Ungeziefer, Schädlinge – oder begrifflich Lästlinge – muss näher betrachtet werden. Die grüne Fassade ermöglicht nicht nur eine entsprechende Flora, sondern ebenso auch eine Fauna. Der Lebensraum muss ganzheitlich betrachtet werden und ohne tierische Bewohner wird es nicht gehen. Folglich geht es um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen „Räubern und Beute“ [1]. Zu ersteren gehören Vögel. Die Frage ist aber immer auch, wie die konstruktiven Rahmenbedingungen gesetzt werden, um die menschlichen Bewohner von den tierischen Bewohnern abzugrenzen. Etwa durch vorgelagerte Terrassen und außenseitige Begrünung.
Nicht zu unterschätzen sind der Pflege- und Wartungsaufwand. Die Pflege und Wartung hat nämlich auch Auswirkungen auf das Thema Brandschutz.
Heute wirken grüne Bauwerke in höchstem Maße wertsteigernd. Der Rückgriff auf grüne Prinzipien beim Bauen zahlt sich folglich aus, um den Wert von Immobilien zu erhalten und zu steigern.
Literatur:
[1] Nicole Pfoser: „Grüne Fassaden“, Detail, München 2023


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