Was Affen und Esel mit dem Törggelen zu tun haben

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Ludwig Steub hält 1871 zum „Törggelen“ fest:

Nur in Meran wird der Fremde in ein Herbstvergnügen eingeführt, welches bacchischer Natur ist und mit der Weinlese wenigstens in naher Verbindung steht. Zur Zeit nämlich, wenn der neue Wein hell geworden und in seiner Jugendblüthe am schmackhaftesten ist, gehen die wohlhabenden Bauern zur Stadt und laden die freundlichen Herren ein, den neuen Trunk bei ihnen zu versuchen. Eigentlich soll dies im Törkel geschehen und deswegen heißt auch die lobenswerthe Uebung Törkelen; doch ist’s nicht weit gefehlt, wenn die Feier in der Stube vollzogen wird. Der Bauer, der sich hoch geehrt fühlt, die Herren unter seinem Dach zu sehen, trägt dann in großen Krügen seine besten Arten auf und schenkt unermüdlich ein; die Bäuerin bringt etliche eigens aufbewahrte Trauben, volle Teller mit Kastanien, Nüssen und Aepfeln; die Kinder nahen sich mit einem Blumenstrauße. Die Unterhaltung ist volksthümlich, heiter, lebendig. Der Bauer wird seines süßen Weines, die Bäuerin ihrer schönen Kinder willen belobt; auf der andern Seite freut sich das ganze Hauswesen, daß die Herren heute so „gemein“ (herablassend) seien. Manchmal wird’s besonders lustig und man kommt tief ins Zechen hinein, so daß um die Zeit des Törkelens viele „Afften“ nach Hause getragen werden.

Ludwig Steub

Der Begriff „Törggelen“ leitet sich vom Wort „Torggel“, lateinisch „torculus“ für die Weinpresse, ab.

Ob es so ist, wie bei Ludwig Steub, dass die Städter die Weinbauern besuchten, um den neuen Wein zu verköstigen, oder ob das „Törggelen“ aus einem Tauchhandel zwischen Bergbauern und Talbauern resultiert, bei dem die ersteren Fleischwaren und die zweiteren frischen Wein einhandelten, steht in den Sternen.

Wesentlich ist, dass das „Törggelen“ in jenen Gegeenden üblich ist, in denen sowohl Wein als auch Kastanien verfügbar sind, und in denen Vieh gehalten wird. Es handelt sich um die klimatischen Übergangsgebiete von mediterran zu alpin, sowohl was die geographische Lage, als auch die Höhenlage betrifft.

Hans Kiene hält im „Etschländer Weinbuch“, zu dem auch Otto Rudl eine Geschichte beigesteuert hat und das 1930 nicht „Südtiroler Weinbuch“ heißen durfte, den Spruch fest: „Wer heunt net törggelen geat, dersell war a glatter Esel! Heunt muas man ja törggelen giahn!“ Kiene hält das Törggelen mit einem ironischen Unterton für eine „traditionelle Bozner Bürgerpflicht“.

Und weiter bemerkt Kiene, dass das „Törggelen“ für den „Doktor“, mit dem er die bürgerliche Gesellschaft persifliert, ein „weiter Begriff“ sei, auf den Elvaser Höhen im mittleren Eisacktal ganz anders sei, als im Überetsch, in der Bozner Gegend oder im Burggrafenamt.

Literatur:

Arnold Becke: „Etschländer Weinbuch. Eine Sammlung ausgewählter Aufsätze mit vielen ein- und mehrfarbigen Bildern und Übersichtskarten des Etschländer Weinbaugebietes“, Verlag Vogelweider, Bozen 1930

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