Brandschutz im Bereich historischer Baukultur

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Brandschutz im Bereich von historischer Baukultur ist anspruchsvoll: Einerseits sind mehr oder weniger rigide Bestimmungen zu befolgen, andererseits ist die Bausubstanz zu erhalten, die nicht selten historische Möbelstücke und Ausstellungsstücke enthält. Moderne Methoden und Anlagen versprechen Vorteile.

Barbara Giammaria hält fest, dass die Anwendung von Brandschutzbestimmungen im baukulturellen Bestand häufig dazu geführt hat, dass brandschutztechnische das baukulturelle Ganze maßgeblich verändert haben [1].

Werden brandschutztechnische Maßnahmen kategorisiert, so ergibt sich die folgende Unterteilung [3]:

  • Bauliche Maßnahmen beeinträchtigen das Denkmal stark
  • Brandschutzanlagen, die die brandsichere Objektgestaltung maßgeblich beeinflussen, beeinträchtigen das Denkmal teilweise
  • Brandschutzanlagen, die die brandsichere Objektgestaltung nur teilweise beeinflussen und gemeinsam mit ergänzenden organisatorischen Maßnahmen angesetzt werden müssen, beeinträchtigen das Denkmal gering.

Im historischen Bestand besteht das Problem, dass das bauliche Ganze nicht verändert werden kann. Übermäßig Brandschutzanlagen einplanen wird zum Problem für den Bestand. Umso wichtiger sind innovative Methoden.

Insbesondere die alternativen Methoden, die im Brandschutz laut italienischem Brandschutzkodex (DM 3 agosto 2015 – Codice di Prevenzione Incendi) zur Verfügung stehen, machen schonende Eingriffe in den Bestand möglich. Giammaria urteilt:“ Durch Fire Safety Engineering (FSE) wird ein denkmalgeschütztes Gebäude nicht länger als ein passives Objekt betrachtet, das lediglich „an aktuelle Vorschriften angepasst“ werden muss. Stattdessen wird es als ein komplexes thermophysikalisches System verstanden, dessen dynamisches Verhalten im Brandfall analysiert wird“ („Attraverso la Fire Safety Engineering (FSE), l’edificio monumentale non è più considerato un soggetto passivo da “adeguare”, ma un sistema termofisico complesso di cui analizzare la risposta dinamica”).

Interessant sind moderne Brandschutzanlagen, nämlich Hochdruckwassernebel-Anlagen („Water Mist“-Systeme) sowie Ansaugrauchmelder („Aspirating Smoke Detection“).

„Water Mist“-Anlagen basieren auf dem Mechanismus, dass Wasser durch spezielle Düsen unter hohem Druck (> 100 bar) in Mikrotröpfchen atomisiert wird. Durch die Oberflächenvergrößerung des Wassers wird die Temperatur effizient reduziert und der Sauerstoff am Brandherd verdrängt. Gegenüber Sprinkler-Lösungen benötigen Watermist-Technologien 80 Prozent weniger Wasser. Während bei Sprinkleranlagen die Wassertröpfchen einen Durchmesser von rund 1 Millimeter (1.000 Mikrometer) haben, werden diese bei Water-Mist-Anlagen laut Siemens auf 10 bis 200 Mikrometer reduziert.

Ansaugrauchmelder saugen über ein Rohrsystem permanent Luft an und überprüfen diese auf Rauchpartikel. Dabei werden besonders sensible Rauchmelder angewandt. Durch die kontinuierliche Luftansaugung werden bereits kleinste Rauchpartikel erkannt, oft schon in der Schwelbrandphase, lange bevor ein Punktmelder auslösen würde. Ein Brad kann folglich früher entdeckt werden, was in Bezug auf die verfügbare sichere Evakuierungszeit („Available Safe Egress Time“ – ASET) Vorteile ergibt.

Gerade im Umfeld historischer Bausubstanz ist es ein immenser Vorteil, wenn die Wassermengen minimiert werden, weil diese einerseits eine Last darstellen und andererseits historische Baukonstruktionen beeinträchtigen.

Eine Alternative stellen drucklose Pulverlöschanlagen dar. Als Löschpulver wird ein feines Feststoffpulver eingesetzt. Erst im Auslösefall wird ein separates Treibgas – meist Stickstoff oder Kohlendioxid – aus einer Druckgasflasche in den Pulverbehälter eingeleitet. Das Treibgas fluidisiert das Pulver und fördert es über Rohrleitungen zu den Düsen. Mit der Pulvertechnologie können große Behälter, Pumpen und aufwändige Leitungen eingespart werden. Allerdings muss der Einflussbereich minimiert werden, weil die Systeme Schäden verursachen können.

Beim Ausblasen des Löschpulvers tritt schlagartig eine Sichtbehinderung auf. Selbst wenn keine akute Erstickungsgefahr besteht, wirken Pulveranlagen auf Menschen beeinträchtigend. Im Normalfall werden die Anlagen erst aktiviert, sobald die Personen evakuiert sind.

Gaslöschanlagen sind im Schutz historischer Bauwerke und Kulturgüter eine bewährte Lösung, vor allem in Archiven, Bibliotheken und Museumsdepots, wo Wasserschäden schwerwiegender sein können als ein begrenzter Brandschaden. Allerdings müssen die Personen zwangsläufig vorher evakuiert werden. Daraus folgend sind Gaslöschanlagen insbesondere dort einsetzbar, wo sich im Normalfall keine Menschen aufhalten.

Literatur:

[1] Zeitschrift „Antincendio“, April 2026

[2] Sylwester Kabat: „Brandschutz in Baudenkmälern und historischen Bauten: Brandgefährdungen – Einsatzerkenntnisse – Brandschutzmaßnahmen“, RM Rudolf Müller Medien GmbH & Co. KG, Köln 2025

[3] „Brandschutz im Baudenkmal“, Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland – Arbeitsgruppe Bautechnik, Münster 2014

[4] Hans-Joachim Gressmann: „Abwehrender und Anlagentechnischer Brandschutz – Maßnahmen für den Brandschutz und die Brandbekämpfung bei Planung, Errichtung und Betrieb von Bauwerken“, Expert Verlag, Tübingen 2022

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