Wer war Robert von Terlago?

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Robert von Terlago steht für jene Welschtiroler Adeligen, die deutsch ausgerichtet waren und auch politisch klar aufseiten der Deutschfreiheitlichen standen.

Robert Franz Carl Lothar Isidor Johann Baptista von Terlago – oder Robert von Terlago – wurde 1842 in Terlago geboren und verstarb 1927 ebenda.

Aber vorerst zur Geschichte des Geschlechts der Terlago: 1124 wurde mit Adelprand von Terlago erstmals in einer fürstbischöftlichen Urkunde das Geschlecht der Terlago (Terlach) genannt.

Seit dieser Zeit erscheinen die Terlago als adelige Vasallen des Hochstiftes Trient, sie wurden aber gleich wie alle dortigen vor dem Jahre 1500 adeligen Familien in Folge eines von Kaiser Karl V. mit dem Bischofe Bernhard von Cles 1523 geschlossenen Vergleichs von der bischöflichen Jurisdiction befreit.

Mit „bischöflicher Jurisdiction“ ist die rechtliche Zuständigkeit des Bischofs bzw. seines Gerichts über diese Adeligen gemeint. Die Terlago waren damit zwar weiterhin dem Hochstift Trient als Lehensherr verbunden, unterstanden aber in rechtlichen Angelegenheiten nicht mehr unmittelbar der bischöflichen Gerichtsbarkeit, waren folglich privilegiert.

Ihr Stammsitz Terlago, nach den drei in der Nähe desselben befindlichen Seen („tre lagi“, davon der Ortsname „Terlago“) liegt in der „Valle dei Laghi“ am Fuße des Paganella.

Die Terlago sind mit den ältesten Familien des Tiroler Landes verwandtschaftlich verbunden, wie den Castelletti, Alberti, Cresseri, Lodron, Salvadori, Spaur, Sontheim.

Lothar Graf von Terlago (1796 bis 1865), der Vater Roberts, war der Sohn des Grafen Franz Joseph von Terlago, der aus dessen Ehe mit Katharina, geborene Freiin von Salvadori, hervorkam. Lothar kam in Trient zur Welt und begann seine politische Laufbahn bei der Regierung in Niederösterreich, ehe er zum Kreishauptmann in Rovereto ernannt wurde, als welcher er acht Jahre diente.

Von Wien kam er nach drei Jahren als Vizepräsident der k. k. Statthalterei von Tirol und Vorarlberg nach Innsbruck, in welcher Eigenschaft er mit dem Orden der eisernen Krone zweiter Classe ausgezeichnet und in den Ruhestand übertrat.

Lothar und Franziska Terlago

Lothar heiratete Franziska (Francisca) Freiin von Kübeck (1810 bis 1890). Deren Vater Karl Friedrich von Kübeck (1780 bis 1855) stammte aus Iglau in Mähren, wurde, beeinflusst durch die Kantsche Rechtsphilosophie, die Beschäftigung mit Locke, Rousseau und Adam Smith, zu einem Bewunderer der Französischen Revolution. 1848 verließ Friedrich von Kübeck den Staatsdienst und übernahm in der ersten Revolutionsregierung 1848 das Finanzministerium, wurde 1849 in den Kremsierer Reichstag und in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt und im Verlauf der Revolution zum Verfechter einer konservativen absolutistischen Staatsauffassung.

Stammtafel der Terlago: Relevanter Teil
Stammtafel der Terlago

Nach den verfügbaren Quellen lassen sich die drei Geschwister, die Kinder Lothars von Terlago, wie folgt angeben: Robert Graf von Terlago wurde am 1. Oktober 1842 geboren und starb am 7. Juli 1927 auf Schloss Terlago.  Karoline Gräfin von Terlago wurde am 16. Dezember 1839 in Rovereto geboren und starb am 15. August 1916 in Innsbruck.  Marie Gräfin von Terlago wurde am 14. August 1847 geboren.

Robert von Terlago wuchs zunächst in Rovereto auf und lebte ab 1846 in Wien und drei Jahre später in Innsbruck, da der Vater Lothar von Terlago die Stellung eines Hofrats bei der Statthalterei bezog.

Er studierte an der Universiät Innsbruck und wurde 1860 im Corps Rhaetia aktiv, das am 30. Dezember 1859 geründet wurde.

Robert Terlago als Rhaete

1868 heiratete er in Frankfurt am Main Sophie Freiin von Thienen-Adlerflycht aus dem Haus Wittmoldt in Holstein, eine Ehrendame des königlich-bayerischen Theresienordens. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor: Luise, geboren 1869, und Blanca, geboren 1871. Luise heiratete den k.u.k. Oberstleutnant Grafen Eberhard Schenk von Stauffenberg. Bianka Karoline Julie von Terlago heiratete Marchese Orlando Pallavicino. 

Seit 1872 war Robert von Terlago k.k. Kämmerer und seit 1873 in dieser Funktion am kaiserlichen Hof geführt. Außerdem war er „Herr und Landmann in Tirol“ und Ehrenritter des Malteserordens.

1877 wurde er erstmals in den Reichsrat gewählt, dem er mit Unterbrechungen bis 1907 angehörte. Von 1877 bis 1885 und von 1891 bis 1907 war er Reichsratsabgeordneter in Wien. Er war Mitglied der Deutschfreiheitlichen Partei (Verfassungstreuer Großgrundbesitz) und gehörte im Reichsrat dem „Club der Liberalen“ an.

Seit 1878 gehörte er dem Tiroler Landtag an, vertrat den adeligen Großgrundbesitz. Im Jahr 1889 wurde Terlago verdächtigt, ein anonymes Pamphlet verfasst zu haben, in welcher der konservativ-klerikalen Mehrheit im Landtag vorgeworfen wurde, weder die Entfremdung Welschtirols von Tirol, noch die Zurückdrängung des Deutschtums zu verhindern.

1912 wurde er mit 70 Jahren lebenslang in das österreichische Herrenhaus berufen.

Castel Terlago (Link)

Die „deutschnationalen“ Melchiori und Terlago

Literatur:

[1] Wieser, Alfred Peter / Sachs, Burkhart (Hrsg.): „Das Corps Rhaetia zu Innsbruck 1859 bis 1959 nebst seiner Vorgeschichte“, Innsbruck 1987

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