Konflikte am Bau sind allgegenwärtig. Hohe Bausummen sowie das Anfertigen von Einzelwerken bei vielen Beteiligten, die bei jedem Projekt naturgemäß andere sind, bedingt ein hohes Konfliktpotential. Bei hohem Zeitdruck und Arbeiten auf engstem Raum sind die Problem vorprogrammiert.
Die Konflikte betreffen interpersonelle Konflikte, Mängel, Zeitverzögerungen, Planverzug, Ablaufstörungen, Falschplanungen, Risiken, vertragliche Unklarheiten und Interpretationen, Honorarfragen, Nachträge oder Änderungen. Der Weg in Richtung Gericht ist gerade bei größeren Konflikten oftmals unvermeidbar, aber selten vorteilhaft.
Aufgrund der grundsätzlichen Angespanntheit werden die Haltungen des Gegenüber schnell als unpassend, unangemessen und regelwidrig interpretiert.
Die Konfliktarten, die am Bau auftreten, sind:
- Strukturelle Konflikte: Diese hängen mit dem Bauvorhaben und oft nicht umfassend geklärten Planungs- und Ausführungsfragen zusammen.
- Vertragliche Konflikte: Viele Beteiligte und doch das grundsätzliche Problem, dass nicht alle Eventualitäten und Detailfragen von Anfang an vertraglich gesichert sein können.
Das Bewusstsein für potentielle Konflikte muss folglich in das Projektmanagement und in die Konfliktprävention einfließen. Wichtig ist eine positive Herangehensweise, die grundsätzlich davon ausgeht, dass die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten auch nach diesem einen Projekt noch konstruktiv sein muss. Ebenso wichtig ist eine offene Fehlerkultur statt einer abkapselnden Defensivhaltung.
Wesentlich ist: Die Kosten eines vor Gericht ausgetragenen Konfliktes übersteigen vielfach den Nutzen bei Weitem. Neben allfälligen Gerichtsspesen, Anwaltsspesen und Gutachterspesen fallen auch noch unternehmensintern Spesen für den Streitfall an. Eine Studie der TU Berlin weist nach, dass sich Gerichtsstreitigkeiten letztlich auch nicht bei Streitfällen, die 100.000 Euro ausmachen, auszahlen, weil die Kosten den Streitwert vielfach übersteigen [1].
Ist erst einmal der Weg vor Gericht beschritten, sind vielfach auch die Beziehungen nachhaltig zerrüttet und zerstört und ein unbeschwertes Zurück ans Projekt ist vielfach nicht mehr möglich. Alternative Formen der Konfliktlösung sind nicht nur „Esoterik“, sondern auch wirtschaftlich notwendig.
Mediation ist häufig der Königsweg, um Konflikte nachhaltig zu lösen. Um eine Mediation überhaupt erst durchzuführen, sind allerdings Grundsätze notwendig [1]:
- Menschen und Probleme sind strikt zu trennen
- Interessen und Motive sind zentral, nicht die Positionen, die variieren können und sich auch bewegen müssen
- Es müssen sich Möglichkeiten zu einer Entscheidung ergeben, die im beiderseitigen Interesse stehen
- Ausarbeitung objektiver Kriterien
Ist der Konflikt bereits dermaßen eskaliert, dass die Positionen bereits verhärtet sind, ist die Mediation kaum noch zielführend, weil die Kooperationsbereitschaft nicht mehr gegeben ist.
Ziel ist es, dass beide Seiten im Zuge des Mediationsverfahrens im besten Fall ihre eigenen Interessen verfolgen können. Klingt schwierig, ist aber möglich, weil die Motive häufig unterschiedlich sind. Sollte dieses Interesse allerdings koinzidieren, wird die Angelegenheit auf einen Kompromiss hinauslaufen.
Manchmal ist die Konfliktaustragung vor Gericht aber unvermeidlich. Dann gilt es, sich frühzeitig durch eine konsequente Krisenvorbereitung für den Konflikt zuzurüsten. Das juristische Risikomanagement oder juristische Projektmanagement versucht, durch spezifische Maßnahmen die beweisrechtliche Situation im Schadensfall zu optimieren, woraus sich eine bessere Position ergibt. Dokumentation und technische Beurteilung sind dann entscheidend. Der Gerichtsstreit verlagert sich dann häufig auf die Auseinandersetzung mit Gutachten. Auf jeden Fall stehen dann langwierige und kostenintensive Zeiten bevor. Aber auch dort und gerade dort gilt es, strategisch vorzugehen.
Literatur:
[1] Sabine Renken, Bernd Kochendörfer, Ernst Wilhelm, Klaus Heinzerling, Tillman Prinz, Martin Jung, Marcus Becker: „Mediation am Bau- Wirkung und Methode Konfliktmanagement für Praktiker“, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2021
[2] Nina Schwab: „Konfliktkompetenz im Bauprojektmanagement: Konfliktrisiken vermeiden – Konfliktpotenziale nutzen“, Springer Vieweg, Wiesbaden 2019
[3] Friedrich Glasl: „Konfliktmanagement – Ein Handbuch für Führungskräfte, Beraterinnen und Berater“, Haupt Verlag, Bern 2013
[4] Klaus Kapellmann (Hrsg.): „Juristisches Projektmanagement bei Entwicklung und Realisierung von Bauprojekten“, Werner Verlag, Düsseldorf 1997


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