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Untersuchung und Ertüchtigung an historischem Mauerwerk

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Sanierungen unseres baulichen Bestandes werden zunehmend wichtig. Die bestandsschonende Sanierung hat zunehmend auch wirtschaftliche Vorteile gegenüber dem teuren Neubau, wenn denn nur die Bausubstanz entsprechend erhalten, ertüchtigt und der modernen Nutzung angepasst werden kann. Werden Mängel im Bestand nicht ausreichend wahrgenommen und beseitigt, wirft dies den Wert einer Bestandsimmobilie vollkommen über den Haufen, weshalb Investitionen in Bestandsimmobilien im Sinne der Due Diligance grundlegend sind.

Insbesondere Sanierungen in Wiener Gründerzeithäusern werfen vielfach unzählige Problematiken betreffend Sanierung auf. Der feuchte Keller ist ein wertminderndes Problem für die Immobilie.

Historisches Mauerwerk aus Naturstein oder Backstein ist in Kontakt mit dem Boden, der sich per Definition aus mineralischen Körnern, Luft und mehr oder weniger Wasser zusammen setzt, allfälligen Feuchteeinwirkungen ausgesetzt. Nicht nur Holzkonstruktionen müssen dahingehend geschützt werden, sondern auch Mauerwerk kann – in größeren Zeiträumen – vollends zerstört werden.

Historische Mauerwerkskonstruktionen wurden folglich vielfach im Sockelbereich mit feuchteresistenten Natursteinen ausgeführt oder mit Lehm oder Teer abgedichtet. Nicht immer ist dadurch aber das Gesamtverhalten des Bauwerks einwandfrei gelöst.

Folglich müssen nachhaltige Maßnahmen das Problem an der Wurzel angehen und die Problematik einer fehlerhaften Detailausbildung oder einer fehlenden Entwässerung eindämmen.

Bauliche Maßnahmen zur Sanierung und Ertüchtigung historischen Mauerwerks, das einer schädigenden Feuchtigkeit ausgesetzt ist, sind mindestens so schädlich, wie die Feuchtigkeit selbst. Die Neuvermörtelung verdichtet potentiell die Fugen und erhöht den Feuchtigkeitstransport über den Stein, sodass der Schadensmechanismus den Werkstein selbst erfasst. Die Verkleidung von Gebäudesockeln verlagert die Feuchteprobleme, anstatt diese zu lösen.

Allfälligen Sanierungs– und Ertüchtigungsmaßnahmen müssen umfassende Bauwerksuntersuchungen vorangehen, die zuallererst den Bauwerkstyp selbst, nämlich den Mauerwerksverband, feststellen. Das Verständnis der historischen Konstruktion fördert nicht-invasive Methoden der Sanierung, die stets das Ziel sein und heute auch wirtschaftlich horteilhaft sein müssen. Es muss folglich eine umfangreiche Analyse der verwendeten Werksteine, des verwendeten Mörtels – in der Regel Kalk – sowie des konstruktiven Mauerwerksverbandes.

Die Wasseraufnahme vollzieht sich im Mauerwerk über die Poren. Das Wasser kann flüssig sein und durch durch Regen, Spritzwasseer und Sickerwasser eindringen oder in kapillarer Wasseraufnahme bestehen, aber auch die Wasserdampfkondensation sowie die hygroskopische Wasseraufnahme aus der Luftfeuchte durch Salzkonzentrationen in den Baustoffen betreffen. Der Feuchteeindrang ist folglich spezifisch zu messen und festzustellen, um den wirksamen Mechanismus zu erfassen. Diese Untersuchugen betreffen:

⁃ Materialfeuchte,

⁃ Maximales Wasseraufnahmevermögen,

⁃ Salzgehalt.

Vorzuziehen sind zerstörungsfreie Untersuchungen in situ, manchmal müssen es aber Laboruntersuchungen mittels Kernbohrungen sein, welche den Durchfeuchtungsgrad, die kapillare Wasseraufnahme an Putzproben sowie am Mauerwerk, die hygroskopische Wasseraufnahme, den Gehalt an Chloriden, Sulfaten und Nitraten (bauschädliche Salze) unfassen. In der Regel folgen auf die Proben konkrete Plandarstellugen, die Bestand und Schäden umfassend darstellen.

Eine vorhandene vertikale Sperrschicht ist an der Außenseite der Außenmauer durch Aufgraben (insofern möglich) leicht feststellbar. Vorhandene horizontale Sperrschichten sind farblich durch Unstetigkeiten in Höhenlage erkennbar durch dunkle feuchte und helle trockene Bereiche. Salzhaltige Partien zeigen sich im Außenbereich unzusammenhängend. Die Kondensation schlägt sich in Salzausblühungen sowie Schimmel an Wärmebrücken nieder. Anthropogene Feuchteschäden betreffen hingegen Leckagen und lösen Salze hervor.

Die lokale Standsicherheit betrifft die Untersuchung von Rissen, das Zusammenwirken Mauer und Mörtel sowie der Auflösungsgrad derselben. Risse sind über Verschmutzung oder Rissmarken auf ihre Dynamik zu untersuchen.

Instandsetzung

Die Instandsetzungsziele sind in der Regel: Die Entfeuchtung sowie die Entsalzung. Die Trockenlegung kapillarer Feuchteeinwirkung kann mechanisch, chemisch sowie elektrophysikalisch erfolgen. Horizontalabdichtungen mittels eingefügter Folien und Blechen sind nur dann ohne Weiteres machbar, insofern keine wesentlichen Horizontalkräfte – etwa der Gewölbeschub – wirken und Abstützungen und Unterfangungen notwendig wären.

Der Mauerwerksaustausch im geschädigten Bereich ist aufwändig, kann aber auch nur einen außenseitigen Teil mit dazwischen eingelegter Abdichtung und Dämmung umfassen.

Häufig sind Injektionen die gängige Variante, die allerdings aus ökologischen Gründen umstritten sein können und deren Wirksamkeit zu prüfen ist und die oftmals Jahre andauert.

Nachträgliche Vertikalabdichtungen kommen gegen Bodenfeuchte oder drückendes Wasser zum Einsatz. Diese Abdichtungsebene erfolgt durch Freischaufeln, Reinigen, neu verfugen und abdichten oder durch Schleierinjektionen.

Ebenso aufwändig sind in der Regel Drainagen und Entwässerungen, die das Problem aber an der Wurzel lösen.

Auf Seite der Tragwerksplanung sind entstehende Risse oder lokales Materialversagen darauf zu untersuchen, inwiefern Schadensmechanismen entstehen können. Insbesondere Zug- und Schubkräfte machen dann Unterfangen, Verpressen oder Vernadeln (mit und ohne Vorspannen) nötig, um ausgehend aus Mauerwerksgefügeschädigungen kein mechanisches Versagen des Tragwerks hervorzulösen.

Ist dann das Mauerwerk untersucht, ertüchtigt und saniert, erwarten wir uns auch im baulichen Bestand eine moderne Nutzung.

Zum guten Bauen gehört aber auch der diffusionsoffene Verputz, der den Naturstein schützt, die Feuchte ausgleicht und als Verschleißschicht wirkt [2]. Es war die Romantik, die vernachlässigte, dass selbst im Mittelalter verputzt wurde. Nur war dieser Verputz an mittelalterlichen Bauwerken in der Romantik nicht mehr erneuert worden.

Literatur:

[1] Josef Maier: „Handbuch historisches Mauerwerk: Untersuchungsmethoden und Instandsetzungsverfahren“, Springer Vieweg, Wiesbaden 2012

[2] Andreas Rohatsch: „Sanierung von Bauwerken aus Naturstein“, Technische Universität Wien, Wien 2015

[3] Jürgen Weber & Volker Hafkesbrink (Hrsg.) „Bauwerksabdichtung in der Altbausanierung – Verfahren und juristische Betrachtungsweise“, Springer Vieweg, Wiesbaden 2016

3 Antworten zu „Untersuchung und Ertüchtigung an historischem Mauerwerk“

  1. Avatar von Der „richtige“ Verputz in der Bausanierung – Demanega

    […] sein und effektiv einen Putzschaden betreffen, aber natürlich auch durch tieferliegende Schichten verursacht […]

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  2. Avatar von Bauen mit gebrannten Ziegeln: Erdverbunden und dauerhaft – Demanega

    […] allgegenwärtig, aber auch als solider Werkstoff allseits geschätzt, wenngleich konstruktive Untersuchungen notwendig sind. Zu bedenken ist natürlich ebenso, dass Ziegelmauerwerk keine Zugkräfte aufnehmen […]

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  3. Avatar von Was tun bei Schimmelschäden in der Wohnung? – Demanega

    […] Untersuchung und Ertüchtigung an historischem Mauerwerk […]

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