Mangelware Wasser

Eine Dürrewelle überrollt zurzeit fast ganz Europa, besonders betroffen sind davon die mediterranen Gebiete rund um das Mittelmeer. Soweit wäre dies auch keine besondere Meldung wert, stellen hohe Temperaturen, geringe Niederschläge und anhaltende Trockenheit kein besonderes Phänomen zu dieser Jahreszeit dar. Doch die aktuelle Situation ist von einem darüberhinausgehenden verschärften Niveau, wie sich gerade in Italien zeigt: Der größte Fluss des Landes, der Po, ist mehr oder weniger ausgetrocknet. Die Landwirtschaft steht vor katastrophalen Zuständen, die Wassernutzung ist stark eingeschränkt.

Mittlerweile hat auch die italienische Regierung den Dürrenotstand in den fünf Regionen Piemont, Lombardei, Venetien, Emilia-Romagna und Friaul-Julisch Venetien ausgerufen. Zurückzuführen ist die Knappheit des weißen Goldes dabei nicht nur auf die hohen Temperaturen, sondern auch auf Missmanagement im Infrastrukturbereich: Im Leitungsnetz des Stiefelstaates gehen rund 40 Prozent des Trinkwassers aufgrund maroder und schlecht gewarteter Rohre verloren und Kläranlagen kippen gereinigtes Wasser direkt ins Meer, ohne es wieder in den Kreislauf einzuspeisen – um nur zwei Beispiele zu nennen. Der Druck in Richtung Norditalien und Südtirol steigt, um das Wasser aus den Staudämmen verfügbar zu machen. Immer deutlicher zeichnet sich dabei ein Verteilungskampf um den heiß begehrten Rohstoff Wasser ab.

Aber auch in Südtirol herrscht längst Wassernot, sodass Notstandsverordnungen greifen, die die Wasserverfügbarkeit einschränken. So dürfen Gärten, öffentliche Parkanlagen, aber auch landwirtschaftliche Betriebe ihre Grünfläche zu bestimmten Tageszeiten nicht bewässern. Gerechtfertigt werden die für den primären Sektor harschen Maßnahmen mit der kritischen Gesamtsituation des Landes : Die Wasserabflüsse im westlichen Landesteil sind um rund 30 Prozent und die Schneereserven auf den Gletscher gar um 40 Prozent geringer als im Vergleich zum langjährigen Mittel, die Temperaturen lagen weit über dem üblichen Durchschnitt und der Reschensee ist derzeit nur zu 38 Prozent gefüllt.

Um die Versorgungs- und Energiesicherheit Südtirols mittel- und langfristig abzusichern ist schnelles und gezieltes Handeln nötig, wie der erfahrene Bauingenieure Michael Demanega darlegt: „Technische Gegenstrategien sind heute ein Gebot der Stunde. Um die Herausforderungen, die das Klima uns heute stellt, zu bewältigen, stehen uns verschiedene Ansätze zur Verfügung. Diese müssen von der Politik dringlichst in Angriff genommen werden.“ Und so bleibt zu hoffen, dass Südtirol sein Wohl nicht für die Interessen Italiens opfert – wie so manches mal geschehen.

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