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Historische Bauernhöfe in Südtirol: Bauweise und Konstruktion

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Die Buchreihe „Bauernhöfe in Südtirol“ von Helmut Stampfer ist eine umfassende kulturhistorische Dokumentation der bäuerlichen Architektur Südtirols. Sie basiert auf detaillierten Bestandsaufnahmen aus den Jahren 1940 bis 1943, die ursprünglich im Auftrag der „Arbeitsgemeinschaft der Optanten“ und der „Kulturkommission Ahnenerbe“ erstellt wurden, um im Rahmen des Umsiedlungsabkommens der Südtiroler, angesichts des drohenden Verlustes der Heimat, das Verlorene zumindest dokumentarisch festgehalten zu haben.

Die Option wurde zwar – glücklicherweise – vorzeitig beendet, zahlreiche Bauernhöfe haben es aber dennoch nicht in das Heute geschafft. Das liegt weniger an totalitären Herrschaftssystemen, denn an eigener Nachlässigkeit, an der absurden Idee, das Althergebrachte sei „überkommen“ und das Modernistische alleine „zeitgemäß“

Während das Neue in der Regel nach nur wenigen Jahrzehnten seinen Wert verliert, ist die historische Bausubstanz, die es ins Heute geschafft hat, der Stolz seiner Eigentümer.

Kann man auch heute noch so bauen, dass das Neue sich nahtlos in den Bestand eingliedert, dass es Baukultur darstellt und für längere Zeiträume als Wert aufgefasst wird? Man kann.

Helmut Stampfer, Südtiroler Kunsthistoriker und Denkmalpfleger, hat die historischen Materialien kritisch aufgearbeitet und im Rahmen einer mehrbändigen Reihe veröffentlicht, die heute als bedeutendes Zeugnis der ländlichen Baukultur Südtirols gilt, weil vieles davon bedroht und verloren ist. Für die einen mag es sich um eine rein historische Abhandlung handeln, für die anderen um einen reichen Erfahrungsschatz, wie für einen gegebenen Werkstoff in einer gegebenen Umgebung dauerhafte bauliche Lösungen gefunden wurden.

In Band 6.2 („Unteres Eisacktal: Kastelruth, Völs“) hält Helmut Stampfer fest:

Neben der wissenschaftlichen Bedeutung als Dokumentation eines historischen Zustandes haben die zahlreichen Unterlagen auch eine praktische Bedeutung. Der Sanierung alter Höfe steht man in Südtirol heute zwar nicht mehr so ablehnend gegenüber, als dies noch vor wenigen Jahrzehnten der Fall war, bei Umbauten werden aber immer wieder wertvolle Elemente geopfert, falsche Entscheidungen getroffen. Die Bestandspläne können nicht für zeitgemäße Umbauwünsche herangezogen werden, sie vermitteln aber den Eigentümern, Projektanten und Handwerkern eine bessere Kenntnis des Altbestandes, was erfahrungsgemäß eine wesentliche Entscheidungshilfe für Neuplanungen bedeutet. Aus den Texten geht immer wieder hervor, dass sich die Bauweise im Laufe der Jahrhunderte verändert und dass es nie starre Vorbilder gegeben hat. In diesem Sinn kann diese Dokumentation keine Anleitung für Um- oder gar Neubauten bieten, wohl aber eine Fülle von authentischem Anschauungsmaterial historischer Bauformen. Der Blick für typische Merkmale und wesentliche Proportionen einer Hauslandschaft kann auf diese Weise geschärft, die folgenschwere Fehleinschätzung, dass ein holzverkleideter Giebel und mehrere Balkone bereits ein echtes »Tiroler Haus« ausmachen, korrigiert werden.

Alleine das Studium der unterschiedlichen Dachkonstruktionen ist, mit Blick auf historische Bausubstanz, mehr als aufschlussreich. Befasst man sich intensiv mit den Dachkonstruktionen, werden die – beabsichtigten – statischen Prinzipien deutlich, die sich, mit Blick auf die Bewertung von bestehenden Konstruktionen, nicht immer praktisch einstellen, weil Knoten anders funktionieren, als beabsichtigt oder sogar ausfallen.

Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass in Südtirol, das in den Höhenlagen über ausgeprägte Nadelwälder verfügt, das Pfettendach, bei dem geradlinige Hölzer über mehrere Meter frei (waagrecht spannen), jene Konstruktionsart ist, die am naheliegendsten ist. Wo allerdings der darunter liegende Raum flexibler nutzbar sein soll und Stützen oder tragende Wände eher stören, wurde auf das Sparrendach oder Kombinationen zurückgegriffen.

Besonders im Bereich der Wirtschaftsgebäude, die anders als Wohngebäude nicht mit übermäßigen tragenden Wänden ausgeführt werden können, sondern funktionell sein müssen, sind Sparrendachkonstruktionen bedeutend. Entsprechend steil sind die Dächer ausgeführt.

Das umfangreiche Material wurde nach Kriegsende 1945 zerstreut und erst um 1980 am Denkmalamt in Bozen wieder zusammengeführt. Erschienen ist es in den folgenden Bänden:

Band 1: Ritten (1990)

Band 2: Sarntal (1993)

Band 3: Tschögglberg (1999)

Band 4: Regglberg (2001)

Band 5: Bozner Weinleiten, Überetsch, Etschtal (2004)

Band 6/1: Unteres Eisacktal – Lajen, Villanders, Barbian (2006)

Band 6/2: Unteres Eisacktal – Kastelruth, Völs (2007)

Band 7: Gröden (2010)

Band 8/1: Mittleres Eisacktal – Gufidaun, Villnöss, Albeins, Afers, Milland, St. Andrä, Lüsen (2012)

Band 8/2: Mittleres Eisacktal – Latzfons, Feldthurns, Pfeffersberg, Vahrn, Natz, Spinges, Aicha (2013)

Band 9: Oberes Eisacktal – Von Mauls bis zum Brenner (2015)

Band 10: Unteres Pustertal – Von Rodeneck bis Terenten (2016)

Band 11/1: Mittleres Pustertal – Pfalzen, St. Lorenzen, Bruneck, Stegen, St. Georgen, Dietenheim, Reischach (2017)

Band 11/2: Mittleres Pustertal – Gais, Percha, Olang, Rasen-Antholz (2019)

Band 12: Tauferer Ahrntal – Mühlwald, Lappach und Rein (2025)

Helmut Stampfer (*1948 in Meran) studierte Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte in Mailand und ist ein renommierter Südtiroler Kunsthistoriker und Denkmalpfleger. Er war von 1983 bis 2007 Landeskonservator und lehrt seit 2005 als Honorarprofessor an der Universität Innsbruck.

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