Die „Tiroler Stimmen“ heben am 11. Juni 1908 „verdiente Salurner“ hervor. Darin wird Benjamin Kofler genannt, der am 18. Jänner 1833 in Salurn geboren wurde, dortselbst Apotheker und Großgrundbesitzer war und am 22. Dezember 1905 verstarb.
Benjamin Kofler scheint in der Literatur als Wein-Großhändler in Salurn auf. In Edmund Marchs Werk wird Benjamin Kofler zudem als größerer Weinproduzent in Neumarkt sowie in Salurn genannt. Angeführt wird er 1890 auch als Spiritus-Brenner.
Im Museum Ferdinandeum Innsbruck wird Benjamin Kofler für die Sammlung von Altertümern hervorgehoben. Es wird aus den weiteren Aufzeichnungen klar, dass der Gutsbesitzer Benjamin Kofler dem Ferdinandem Ausgrabungen der Römergräber am Galgenbühel bei Salurn zur Verfügung gestellt hat.

Im Exportkompass 1888/9 des österreichisch-ungarischen Ausfuhrhandels scheinen in der Kategorie Wein im Kammerbezirk Bozen allerlei Persönlichkeiten auf, darunter Benjamin Kofler als Weinexporteur ins Deutsche Reich und nach Russland:




Benjamin Kofler wird 1906 als „Millionär“ betitelt, der sich durch Armenstiftungen sozial auszeichnet:

Auch als Schütze, der an zahlreichen Bundesschießen teilnimmt und Preise gewinnt, scheint Benjamin Kofler auf.
Doch auch im Weinbau gilt er als Pionier, indem er auf das System der „Pergl“ (Pergola) zurückgriff:


Benjamin Kofler war aber auch Gemeinderatsmitglied. Die „Neuen Tiroler Stimmen“ ordnen Kofler als Angehörigen der „Gegenpartei“ zu den Klerikalen ein. Er war also ein Freiheitlicher. Der Artikel betrifft die Gemeindeausschusswahl am 29. Dezember 1890:

Dass Benjamin Kofler der freiheitlichen Partei anhing, verwundert nicht. 1859 heiratete er nämlich Emma von Mörl zu Pfalzen, Mühlen und Sichelburg, die 1830 zur Welt kam und 1873 verstarb. Infolgedessen stand Benjamin Kofler politisch an der Seite von Heinrich von Mörl, der der wesentlichste freiheitliche Exponent des Südtiroler Unterlands war.
Rund um die Etschregulierung gehen aus der lokalen Presse Richtigstellungen hervor, die die Gemeindepolitiker Benjamin Kofler, Karl Mall und Josef Handlmayr unterzeichnen:

Karl Mall war Geschäftsmann, Gemeindevorsteher und Kriegsteilnehmer 1848, 1859 und 1866:

Zudem wurde Benjamin Kofler 1889 mit Paul von Gelmini als Wahlmann des freiheitlichen Großgrundbesitzes für die Landtagswahlen gewählt.
Die Kellerei Kofler ging 1906 an Baron Hausmann über:

Anlässlich des Todesfalles widmete die freiheitliche Bozner Zeitung dem Verstorbenen ein Portrait:


Hervorgehoben wird, dass Baron Longo, Burschenschafter und freiheitlicher Gesinnungsgenosse, an der Beerdigung teilnahm.

Die „Bozner Zeitung“ attestierte Benjamin Kofler einen ausgesprochenen Freigebigkeitssinn. Das verwundert nicht: Während die Klerikalen auf Staat und Kirche vertrauten – und enttäuscht wurden -, handelten die Freiheitlichen: Solidarisch und patriotisch.


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