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Wer war Eduard von Grebmer zu Wolfsthurn?

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Der Kreis schließt sich: Deutschfreiheitliche regierten im 19. Jahrhundert nicht nur in Bozen, Innsbruck und Meran, sondern auch in Bruneck – und wie.

Eduard von Grebmer zu Wolfsthurn wurde am 24. Januar 1821 am Familienansitz „Aschgut“ in Dietenheim bei Bruneck geboren, entstammte einer traditionsreichen Tiroler Adelsfamilie, die namensgebend mit dem Schloss Wolfsthurn in Mareit bei Sterzing verbunden ist.

1843 war Eduard von Grebmer zu Wolfsthurn Tenor der „Brunecker Liedertafel“. Bei den Liedertafeln handelte es sich um frühe Vereinsformen in einem rechtlichen Kontext, der keine Vereine und schon gar nicht deutschfreiheitliche Vereine tolerierte. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Gründung der Liedertafel in Bruneck durch Hermann von Gilm angeregt wurde, der zu jener Zeit als Jurist in Bruneck wirkte und als der wichtigste Dichter Tirols im 19. Jahrhundert gilt. Gilms deutsche und freiheitliche Werke ragen bis heute heraus. 1868 schloss sich die Liedertafel dem „Deutschen Turnverein Bruneck“ an, als dessen Mibegründer und Vorstand Eduard Grebmer gilt, trat fortan als „Sängerschaft“ auf, wurde später zum Männergesangsverein Bruneck umbenannt.

Der Vater, Josef Ludwig von Grebmer zu Wolfsthurn, war Rechtsanwalt, Gerichtsadvokat, Postmeister und Politiker. Eduard von Grebmer studierte Rechtswissenschaften in Innsbruck, Graz und Padua, wo er schließlich promovierte, war 1848 als Hauptmann der Ersten Schützenkompanie Bruneck an der Landesverteidigung gegen die italienischen Freischärlerverbände beteiligt.

Bereits 1848 wurde Eduard von Grebmer im Jahr der Revolution im Alter von 27 Jahren zum Bürgermeister von Dietenheim gewählt. Obwohl er damit das gesetzlich vorgeschriebene Alter von 30 Jahren noch nicht erreicht hatte, wurde seine Wahl dennoch mit dem Hinweis auf das junge Alter des Kaisers Franz Joseph I. legitimiert, der als 18-Jähriger Kaiser wurde und darüber hinaus eine neoabsolutistisches Staatswesen in Österreich etablierte.

Im Jahr 1850 übersiedelte Eduard von Wolfsthurn nach Bruneck, übernahm die väterliche Kanzlei sowie das Gasthaus zur Post samt Posthalterei und Landwirtschaft.

Befasst man sich mit der Biografie Eduard Grembers, so wrid deutlich, dass es sich um einen hervorragenden Schützen und Jäger handelte, sodass er für längere Zeit Oberschützenmeister des Kreishauptschießstandes Bruneck war.

1861 wurde Eduard von Grebmer zum Brunecker Bürgermeister gewählt, im selben Jahr Abgeordneter zum Tiroler Landtag und Abgeordneter zum Reichsrat. 1861 war jenes Jahr, in dem der Neoabsolutismus Habsburgs langsam, aber sicher, zugrunde ging, und elementare Rechte wie die Volksvertretung endlich auf Druck der freiheitlichen Verfassungspartei gewährt werden mussten.

Grebmer wurde insgesamt drei Mal zum Brunecker Bürgermeister gewählt.

Im Landtag trat Grebmer insbesondere in Fragen der Landesverteidigung und in militärischen Fragen resolut auf. Zudem verteidigte er Verfassung und Glaubensfreiheit, indem er sich auf die josephinische Reformpolitik bezog, und widersetzte sich der klerikalen Agitation gegen die Schulreform. Im Gegensatz zu den Klerikalen, die Tirol innenpolitisch von Österreich ausklammern wollten, sah Grebmer das größere Ganze: „Glauben Sie, meine Herren, dass die Vertreter von Böhmen, Mähren, Ober- und Niederösterreich, Salzburg, Steiermark, Kärnten usw. einem Gesetzentwurfe zustimmen werden, der zum Zwecke hat, dass ein Teil ihrer Angehörigen, ihrer Landsleute in Ausübung bürgerlicher Rechte in Tirol beschränkt sein sollen, während die Tiroler in den benannten Ländern die gleichen bürgerlichen Rechte genießen wie die Einheimischen?“ Konkret ging es darum, dass die Klerikalen heftigst gegen den deutschen Protestantismus agitierten, dadurch Klüfte in Österreich und im deutschen Raum ziehen wollten.

Die Folge war, dass die Klerikalen – wie immer – mittels Misstrauensanträgen einen Rücktritt zu bewirken versuchten. Konkret wurde mittels Misstrauensanträgen, die sich auf falsche Tatsachen bezogen, heftigst gegen Grebmer gehetzt, um eine Auflehnung des Volkes zu bewirken.

„In seinem pustertalischen Landwahlbezirke trugen die Geistlichen eine solenne [feierliche] Misstrauensadresse von Haus zu Haus, welche mit bäuerlichen Unterschriften sich bedeckte, da man den Leuten vorspiegelte, Grebmer sei „lutherisch“ geworden“ [1].

Wie immer: Wer größer dachte und sich keine Denkverbote aufsetzen ließ, sondern deutsch dachte, wurde diffamiert und bekämpft. Ähnliche Agitationen hatte auch Joseph Streiter über sich ergehen zu lassen, sowie weitere freiheitliche Politiker im 19. Jahrhundert, gegen die sich die Klerikalen scheinbar nur durch Vorspiegelung falscher Tatsachen, Misstrauensanträge und Aufwiegelung zu helfen wussten.

Hinzugefügt wird in Grebmers Biografie: „Die Misstrauensadresse persönlich zu überreichen hatte jedoch niemand den Mut“. Die Wahrhaftigkeit ist also – vor allem – ein theoretisches Konstrukt.

Als 1863 in Innsbruck auf Initiative der Freiheitlichen 500 Jahre Tirol bei Österreich zelebriert wurden, trat Grebmer an der Spitze der Pustertaler Schützen auf.

Grebmer wirkte von 1863 bis 1865 im Landtag im Finanzausschuss. Zu seiner Tätigkeit als Landtagsabgeordneter urteilt die Birografie: „Bei kräftiger Vertretung der Interessen seines engeren Vaterlandes ließ er die des großen nicht außer Acht und vergaß nie, dass das Heimatland nur ein Teil eine größeren Organismus ist, mit dem es enge verbunden bleiben muss, und dass Föderalismus gleichviel bedeutet wie Separatismus und Auflösung. Der Glaube stand in ihm fest, dass Österreich der Freiheit bedürfe“ [1].

Der österreichische Ministerpräsident Richard Belcredi ließ 1865 die Ausführung der österreichischen Reichsverfassung unterbrechen, um in Verhandlungen mit Ungarn zu treten. Daraus folgend ergab sich später der Vergleich mit Ungarn und der Beginn der Nationalitätenkonflikte in einem Vielvölkerstaat, der keine übergeordnete Idee mehr verfolgte. Dagegen regte sich energischer Widerstand der Verfassungstreuen, also der Freiheitlichen. Im Tiroler Landtag wollten die Klerikalen die Aufhebung der Verfassung 1866 durch Belcredi auch noch unterstützen. Dagegen ergriff Grebmer das Wort: „Ich und meine Gesinnungsgenossen wollen uns an diesem Werke nicht beteiligen, weil wir unsere Überzeugung nicht beteiligen, weil wir unsere Überzeugung und die Ehre Tirols gleich hoch halten; ich erkläre daher im Namen meiner politischen Freunde, dass wir an der Abstimmung über diese Adresse weder jetzt noch später uns beteiligen und sofort den Saal verlassen!“

Auch 1866 war Grebmer wieder als Tiroler Schütze an der Tiroler Südfront und zwar – laut Biografie – als „Sturmführer des Pustertals“.

Ab 1867 wurde Grebmer Landeshauptmann-Stellvertreter, Johann Haßlwanter wurde zum Landeshauptmann Tirols gewählt. Haßlwanter trat 1823 angeblich wie der Dichter Johann Senn der burschenschaftlichen Bewegung „Libera Germania Innsbruck“ bei, schwenkte aber 1848 in Richtung des klerikal-konservativen Lagers um und wurde fortan ein eifriger klerikaler Politiker. Haßlwanter verstarb bereits 1869 nach nur zwei Jahren als Landeshauptmann.

Dadurch, dass sich die Konservativen dem Amt des Landeshauptmannes verweigerten und sich mit der Staatsregierung im Streit befanden, die Verfassung und bürgerliche Rechte bekämpften, wurde Eduard von Grembmer zu Wolfsthurn mangels Alternativen auf Ernennung des Kaisers zum Tiroler Landeshauptmann vorgeschlagen, und als solcher gewählt. In seiner Antrittsrede untermauerte er, die „Freiheit der Rede zu wahren“.

Als der Tiroler Landtag inmitten des Kulturkampfes 1871 aufgelöst wurde, endete die Landeshauptmannschaft von Grebmers nach nur 2 Jahren. Dennoch trat er ehrenhaft in die Liste der Tiroler Landeshauptleute ein und sticht in dieser Liste auch heraus. In der Folge wurde Grebmer in Innsbruck erneut zum Landtagsabgeordneten gewählt und wurde der Anführer der deutschtirolischen Verfassungspartei im Tiroler Landtag.

1873 wurde Eduard von Grebmer zu Wolfsthurn vom Wahlkreis der Städte Bozen, Meran, Glurns und der Handelskammer Bozen in den Reichsrat gewählt und Obmann des Fortschrittlichen Klubs. Der „Fortschrittsklub“ setzte sich innerhalb der freiheitlichen Verfassungspartei zum Ziel, die nationalen Interessen der Deutschen energischer zu vertreten als die Altliberalen, die eher klassisch Liberale waren.

1875 verstarb Eduard von Grembmer zu Wolfsthurn, galt zeitlebens, auch angesichts des Kulturkampfes, als politisch bestimmt, aber versöhnlich.

Das Wirken Grebmers geht weit über das unmittelbar Politische hinaus. 1862 wurde er Vorstand des Brunecker Turnvereins, der wie die anderern Turnvereine, die zu jener Zeit in Tirol entstanden und deutschnationale Ideale vertraten.

Die freiheitliche „Bozner Zeitung“ am 13. November 1862

Die Feuerwehr Bruneck wurde 1864 als erste Feuerwehr des heutigen Südtirols gegründet und entstand -wie auch die anderen Feuerwehren jener Zeit – aus dem Turnverein heraus, weshalb sie auch „Turnerfeuerwehr“ genannt wurde. Eduard von Grebmer gehörte zu den Mitbegründern.

Es kommt nicht von ungefähr, dass die schwarz-rot-goldene Fahne der Feuerwehr Bruneck bis heute hin das Turnerkreuz mit den vier 4 für „frisch, fromm, fröhlich, frei“ zum Inhalt hat, wobei das „Fromm“ keine religiöse Frömmigkeit bezeichnet, sondern die „Tüchtigkeit“.

Und es erklärt sich, daraus folgend, auch von selbst, dass das Doppel-F der Freiwilligen Feuerwehren, das bis heute hin in Umlauf ist, nicht „Freiwillige Feuerwehr“ bedeutet, sondern ein halbes Turnerkreuz ist.

Abbildung: Wikipedia

Literatur:

[1] Erinnerungs-Blätter gewidmet dem Andenken des Altlandeshauptmannes von Tirol Dr. Eduard von Grebmer zu Wolfsthurn, Landtags- und Reichsraths-Abgeordneten

[2] Lothar Höbelt: „Kornblume und Kaiseradler. Die deutschfreiheitlichen Parteien Altösterreichs 1882–1918“, Böhlau Verlag, Wien 1993

[3] Josef Fontana: „Der Kulturkampf in Tirol 1861-1892“ (Schriftenreihe des Südtiroler Kulturinstitutes), Athesia-Tappeiner Verlag, Bozen 2007

4 Antworten zu „Wer war Eduard von Grebmer zu Wolfsthurn?“

  1. Avatar von Wer war Hermann von Gilm zu Rosenegg? – Demanega

    […] Jahr 1868 schloss sich die Brunecker Liedertafel aus finanziellen Gründen dem Deutschen Turnverein unter dem Namen „Sängerschaft“ an und am […]

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  2. Avatar von Turnvereine in Tirol: Wehrhaft, freiheitlich und deutschbewusst – Demanega

    […] Turnverein Bruneck wurde, wie jener in Bozen, 1862 gegründet. 1862 wurde Eduard von Grebmer zu Wolfsthurn Vorstand des Brunecker Turnvereins. Die Feuerwehr Bruneck wurde 1864 als erste […]

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  3. Avatar von Der Tiroler Landtag von 1861 bis 1918: Klerikal-Konservativ gegen Deutsch-Freiheitlich – Demanega

    […] mit Hieronymus von Klebelsberg zu Thunberg (1861 – 1862), Johann Kiechl (1862 – 1866), Eduard von Grebmer zu Wolfsthurn (1869 – 1871) sowie Wilhelm Freiherr von Bossi-Fedrigotti (1877 – 1881) über – […]

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  4. Avatar von Geschichte der freiwilligen Feuerwehren in Tirol: Von den Turnern zur Turnerfeuerwehr – Demanega

    […] Tirol. Der Turnverein Bruneck wurde, wie jener in Bozen, 1862 gegründet. 1862 wurde Eduard von Grebmer zu Wolfsthurn Vorstand des Brunecker Turnvereins. Die Feuerwehr Bruneck wurde 1864 als erste […]

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