Für den Alpinisten und Bergsteiger ist die geformte Geologie das Spielfeld. Das Besteigen kühner geologischer Formationen, das Begehen alpiner Kletterrouten in den Dolomiten ist für viele Alpinisten eine besonders anregende Vorstellung von Freiheit. Abseits der zivilisierten Wege und Umgebungen gibt es noch schroffe Orte, in denen die Natur – oft tragisch – regiert. Entsprechend beliebt sind der Kletterurlaub und Skitouren in Südtirol.
Der Alpinist ist den geologischen Formationen näher als alle anderen, wenn er nämlich in steilen und exponierten Felswänden klettert, Struktur, Klüfte, Brüchigkeit und Verwitterungsgrad wahrnimmt.
Der moderne Alpinismus war in diesem Sinne ein zähes Ringen mit der äußeren Natur und mit der menschlichen Natur, das zahlreiche Pionierleistungen notwendig machte, aber auch Opfer und Rückschläge auf dem Weg zum heiß begehrten Gipfel. Erstbesteigungen waren der Stoff, aus dem Geschichten und Helden gemacht wurden. Nicht zu trennen ist der aufkommende Alpinismus vom aufkommenden Tourismus und in diesem Sinne auch mehr Kultur als Natur. Heute belegen exponierte Schutzhütten das harte Ringen mit der Natur.
Das Klettern und Bergsteigen ist inzwischen eine hochtechnologische Angelegenheit mit modernen synthetischen Kunststoffen, die leicht, widerstandsfähig, atmend, diffusionsoffen, wärme- und kälteschützend und wasserdicht sind.
Nicht immer steht die Natur im Mittelpunkt. Oftmals rächt sich das tragisch. Im besten Fall erobert der Alpinist ein Verhältnis zur Natur, das allen anderen verwehrt bleibt und er überblickt in diesem Sinne die Natur, die Naturgefahren, die Entstehung unserer Alpen und der Dolomiten, die Wasserläufigkeit, erklettert sich den Blick für das Ganze. Das Verständnis für die Geologie kann allerdings schnell als ein Trugschluss festgestellt werden.
Für Leopold Müller entstehen gerade im Alpinismus die geologischen Trugschlüsse. Die gegebene Geomorphologie ist nämlich der „übrig gebliebene“ Rest, der stehen blieb, als alle anderen Schichten verwitterten und wegtransportiert wurden.
Die steilen Felswände sind die Folge großer klimatischer Schwankungen, das Resultat von Gletscherausbreitung und Gletscherschmelze, von Erosion, Hochwasser und Hitze, sodass erst durch Erreichen widerstandsfähiger Schichten ein Gleichgewicht erreicht werden konnte und der Erosionsprozess aufgehalten wurde, wenngleich dadurch neue Schichten dem Erosionsprozess ausgesetzt wurden. Nicht selten gründet ein stabiler geologischer „Rest“ auf einem labilen Untergrund.
Letztlich ist im Sinne des Gleichgewichts im Felsbau weniger das Grundmaterial relevant, das mehr oder weniger hart oder fest ist, sondern das Felsgefüge mit seinen Trennflächen, das durch Bergwasser, reduzierte Reibung oder Auflasten instabil werden kann.
Den „Felsen“ für sich gibt es aber nicht, sondern nur das Gebirge in zahlreichen unterschiedlichen Bedingungen, mit Schichtfolgen, Trennflächen und Störungen, mit Bergwasser und jahreszeitlichem Eis, mit Spannungsverhältnissen und Verformungen, mit Sprengungen und einer nicht enden wollenden Geschichte.
Zahlreiche natürliche Böschungen stehen darüber hinaus in einem Grenzgleichgewicht, das schnell labil werden kann. Der Alpinismus, das Erobern exponierter Lagen ist eine Auseinandersetzung mit der Natur, die Begeisterung und Faszination findet.


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