Die Wiener Ringstraße

Der Bau der Ringstraße markiert den Umbruch in der Stadtentwicklung Wiens. Die verschachtelte, gewachsene Altstadt, die in ihrer organischen Entwicklungsgeschichte ihren besonderen Reiz für historisch Interessierte bietet, wurde am Reißbrett massiv nach außen hin erweitert. Das bedingt einen Maßstabswechsel. Die mittelalterliche Stadt war noch ganz aus der Perspektive des Fußgängers entstanden, die Häuser und Gelegenheiten waren fußläufig und kompakt angeordnet, die Stadt war nicht für das Vorbeifahren, sondern für das Vorbeigehen konzipiert.

Die Perspektiven und die Maßstäbe sollten sich mit dem Bau der Ringstraße nun drastisch verschieben. Mit der Errichtung des Boulevard Ringstraße entstand ein neues Ganzes, das nicht nur militärische Vorteile und eine verkehrstechnische Einbindung der Militärstützpunkte ermöglichte, sondern auch den Übergang zu den neuen Außenbezirken, die in die Stadt integriert wurde, markierte. Die Weiten und Entfernungen, die sich mit der Erweiterung der Stadt nun ergaben, waren auch nicht mehr ohne Weiteres fußläufig zurückzulegen. Oder anders ausgedrückt: Durch die Inbetriebnahme der ab 1868 vorerst durch Pferde und später elektrisch betriebenen Tramway, die die Stadt am Ring umkreiste, aber auch die Vororte in ein Verkehrssystem integrierte, mussten die einzelnen Stadtteile auch gar nicht mehr fußläufig erreichbar sein.

Das markiert den Umbruch in der Stadtentwicklung. Von den Distanzen und Entfernungen her, in denen die repräsentativen Bauten angeordnet wurden, war die Ringstraße bereits als eine aufstrebende, moderne Großstadt konzipiert, die über ein effizientes Verkehrssystem zur gebündelten Verschiebung der Massen verfügt und die sich in das aufstrebende Eisenbahnwesen mit diversen Kopfbahnhöfen in Wien netzartig integriert. Die verkehrstechnische Erschließung Wiens markiert einen geraden Weg in die Moderne, der umso stärker wirkt, insofern man sich vergegenwärtigt, dass die Adern des öffentlichen und individuellen Verkehrs bis heute hin bestehen und pulsieren. Architektonisch gestaltete sich die Ringstraße ganz im Sinne des Historismus und der Romantik, die gestalterisch auf vergangene Epochen zurückgriffen.

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