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Wer war Franz von Defregger?

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Franz von Defregger ist zumeist „nur“ als Tiroler Historienmaler bekannt. Faktisch war Defregger ein wichtiger Vertreter der „Münchner Schule“, die sich durch eine hohe Genauigkeit in der Darstellung auszeichnete. München war neben Paris im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert die wichtigste europäische Kunstmetropole. Die Maler der „Münchner Schule“ waren dem Historismus bereits entkommen und am Weg zur künstlerischen Moderne.

Franz Defregger kam 1835 am Ederhof bei Stronach in Osttirol zur Welt. 1841 verstarben die Mutter, der ältere Bruder und drei seiner Schwestern an Typhus.

Eigentlich verkaufte Defregger 1860 den geerbten Hof, um seine beiden Schwestern auszuzahlen und um in die Vereinigten Staaten auszuwandern. Es kam jedoch anders. Vorerst studierte er 1860 an der Innsbrucker Gewerbeschule beim Bildhauer Michael Stolz und wechselte im gleichen Jahr auf dessen Anraten nach München, wo er 1861 die Aufnahmeprüfung für die Münchner Kunstakademie bestand, und sich fortan der Malerei widmete. Zwischen 1863 und 1865 war Franz Defregger in Paris, studierte Kunstsammlungen und Ateliers und bildete sich autodidaktisch fort. Ab 1865 war München wieder der Ort des künstlerischen Schaffens. Dort arbeitete er bis 1870 im Atelier von Carl Theodor von Piloty mit.

Defreggers Gemälde, die mit Vorliebe bäuerliche Motive oder Szenen des Tiroler Freiheitskampfes 1809 beinhalteten, zeichneten sich durch eine hohe Popularität aus. 1878 bis 1910 wirkte er als Professor für Historienmalerei an der Münchner Kunstakademie. 1883 wurde er geadelt und war fortan als „Franz Ritter von Defregger“ zu bezeichnen.

Batzenhäusl in Bozen, Künstlerstube

Dadurch, dass Franz Defregger auf den modernen Kunstdruck zurückgriff, wurde seine Kunst in Form von Reproduktionen weltweit vertrieben. Bereits 1862 malte er einen Afrikaner mit Kopftuch, 1890 einen Indianerhäuptling, 1890 eine nackten Frauenkörper oder 1896 einen Rabbiner. Defreggers Werk reichte folglich weit über die Andreas-Hofer-Bilder hinaus.

In den 1870er-Jahren war Defregger mit bäuerlichen Szenen und der Inszenierung von Andreas Hofer ein absoluter Superstar. Seine Werke wurden bis in die USA verkauft. Sogar der zu dieser Zeit reichste Mann der Welt, der amerikanische Unternehmer William Vanderbilt, hat ein Bild bei Defregger bestellt. Er malte damals für ein städtisches Publikum, das im aufkommenden Tourismus das Land Tirol als Idylle und vermeintlich heile Welt wahrnahm. Danach ging es bergab, weil er sich ständig wiederholte und die gleichen Motive malte. Vor dem Ersten Weltkrieg verschwinden daher seine Werke aus dem Kunstkanon – auch wenn ihn die breite Öffentlichkeit noch lange Zeit, bis heute, schätzt“ ordnet Peter Scholz das Werk Defreggers ein (Link).

1874 wurde Franz Defregger Ehrenmitglied der Wiener Akademie der bildenden Künste, 1905 Ehrenbürger Münchens. Er gehörte zu den wohlhabensten Bürgern Bayerns und war Millionär.

Mit Blick auf die Tiroler Bauernbuben, die Franz von Defregger malte, würde man fast glauben, es handelte sich um einen regionalistisch veranlagten Heimat-Maler. Der Blick trübt. Defregger war weitblickend genug, um sich mit seinen freiheitlichen Gesinnungsgenossen einen deutlich größeren Horizont zu setzen.

Franz von Defregger wohnte zwar in München, legte sich jedoch einen Zweitwohnsitz in Bozen zu, die „Villa Defregger“, die der Bozner Stadtbaumeister Sebastian Altmann 1889 in der Weggensteinstraße entwarf.

Die „Villa Defregger“ im Monumentbrowser, Land Südtirol

In Bozen frequentierte Franz von Defregger häufig im „Batzenhäusl“, dem er einige Bilder widmete. Das Batzenhäusl machte sich um 1900 den Ruf als Dichter- und Künstlerlokal, verfügte über ein „Defregger-Zimmer“.

Albert Stolz porträtierte den Bozner Bürgermeister Joseph Streiter im Keller des Bozner Rathauses mit seinem „Freundeskreis“, darunter Adolf Pichler, Jakob Philipp Fallmerayer und – neben anderen – Franz von Defregger. Das war ein illustrere Kreis einer bildungsbürgerlichen Elite mit deutschfreiheitlicher Gesinnung.

Ab April 1876 stand Franz Defregger in einem engen Austausch mit Peter Rosegger. Die Brieffreundschaft währte 40 Jahre und resultierte in einem gemeinsamen Buch. Rosegger steuerte die Geschichten bei, Defregger die Bilder.

Franz von Defregger und Peter Rosegger: „Defregger Album“

Franz von Defregger stand wie Peter Rosegger politisch den deutschen Schutzvereinen nahe, entwarf für den Allgemeinen Deutschen Schulverein Ansichtskarten, um die deutsche Schutzarbeit zu unterstützen. Das Deutschtum war im Kaisertum Österreich alles andere als gesichert. Ohne den Einsatz des „Deutschen Schulvereins“ und des „Allgemeinen Deutschen Schulvereins“ wäre das Deutschtum am Deutschnonsberg und im Südtiroler Unterland arg in Bedrängnis geraten.

Im Jahr 1896 gab Franz von Defregger für den „Verein zur Erhaltung des Deutschtums im Ausland“ das Werk „Den Deutschen Österreichs: Hundert Studienblätter deutscher Künstler“ heraus.

Die heutige Leonardo-da-Vinci-Straße in Bozen wurde eigentlich als Defreggerstraße gebaut. Die Bozner Straßenbahn verkehrte vom Waltherplatz über die Erzherzog-Rainer-Gasse (Mustergasse), Goethegasse und Defreggerstraße in Richtung Gries.

Im Jänner 1921 verstarb Franz Defregger in München.

Literatur:

[1] Irmgard Plattner: „Fin de siècle in Tirol. Provinzkultur und Provinzgesellschaft um die Jahrhundertwende, Studienverlag, Innsbruck / Wien 1999

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